Eine Hommage an die 80er-Jahre-Slasher

Review: American Horror Story Staffel 9 („1984“)

Mini-Spoiler
Maik
14.11.19

In der Nacht zu Heute lief in den USA bereits das Staffelfinale der neuen und neunten Season von „America Horror Story“. Für „1984“ hat es passend zur Staffelzahl lediglich neun Episoden gegeben, aber auch das hat dazu geführt, dass ich den Satz „vielleicht wären weniger Episoden besser gewesen“ dieses Mal nicht schreiben muss. Eher im Gegenteil, dieses Mal hätte es gerne länger sein können. Denn es gibt tatsächlich noch positive Entwicklungen, was schwächelnde Serien anbetrifft! Hatten mich einige der „mittleren“ Staffeln von „American Horror Story“ wenig begeistern können, kann man meiner Meinung nach nach der durchaus positiveren achten Staffel (Review) von einer weiteren Steigerung sprechen. Zunächst eine Einordnung von mir ohne Spoiler für die, die die Staffel noch sehen wollen.

AHS 1984″-Staffelreview (zunächst ohne Spoiler)

Schnurrbärte, Haarspray, Aerobic-Outfits – „1984“ führt uns aber mal sowas von in die 80er und lässt uns im Gegenzug zu „Stranger Things“ auch ordentlich an den fiesen Seiten des Jahrzehnts teilhaben. Dabei ist die Staffel der Anthologieserie nicht nur eine Hommage an das Jahrzehnt der Neonfarben, sondern auch eine an die Slasher-Filme der damaligen Zeit und darüber hinaus. Eine Heroisierung, psychische Einordnung und teils übernatürliche Darstellung von Serienkillern wird uns geboten. Ein bisschen schade finde ich dabei, dass man sich nicht die Zeit nehmen konnte oder wollte, bzw. einen anderen Ansatz gewählt hat, als ich erst dachte. Wer an etwas wie „Scream“ und Co. gedacht hat, ist bei der Serie „Scream Queens“ von Creator Ryan Murphy besser aufgehoben, denn „1984“ überdreht ordentlich, was die Darstellung von Killern anbelangt. Das Tempo ist hoch und Zeit für Spannungsaufbau wird wenig gegeben. Hier hätte ich mir zu Beginn etwas mehr Atmosphäre gewünscht, ehe es richtig losgeht.

Dafür gibt es viele 80er-Referenzen, auch wenn der Charme nicht ganz an den Genre-Primus „Stranger Things“ heranragt. Dennoch wird die Nostalgie durch alte Musik, Outfits und sonstige Gimmicks genährt. Und es gibt Übernatürliches zu sehen. Dessen Abstinenz hatte mich ja an der ein oder anderen Staffel „AHS“ gestört, dieses Mal hat man wie ich finde eine ganz gute Mischung zwischen realem und übernatürlichem Horror geschaffen. Ein bisschen erinnerten einige Aspekte gar an die erste Staffel „Horror House“.

AB HIER MIT SPOILERN!

Ab hier also auch etwas konkreter, auch wenn ich nicht allzu tief in die Details gehen möchte. Aber ein paar konkrete Infos gibt es dann doch zur Handlung. Mir hat der Gedanke gefallen, einige Serienkiller auf einem Haufen zu sehen. Das Wetteifern, die gegenseitig aufgebrachte Mordlust. Vor allem Zach Villa in seiner Rolle als psychotischer Satanist Richard Ramirez hat mir sehr gefallen. Aber auch Mr. Jingles hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Weniger wegen des Spiels (das okay war), eher wegen des Rundbartes, den er in einer Szene hatte. Nein, vor allem, weil man es an ihm ganz gut geschafft hat, mit dem Bild des Bösen zu spielen. Die Wendungen vor allem in der ersten Hälfte der Staffel hatten schon was. So wurde der zunächst als super böser Oberkiller inszenierte Mann nach und nach als Opfer äußerer Umstände gereinigt und letztlich gar komplett vermenschlicht, so dass er von der Antagonisten-Seite auf die der Protagonisten wechseln konnte. Ein nettes Spiel auch für uns Zuschauer, die mit unserem Dafürhalten stets unsicher waren (auch bei z.B. Donna oder Montana).

In der zweiten Hälfte wurde es dann doch recht hektisch, gerade aufgrund der Zeitsprünge. Da hatte ich teilweise das Gefühl, man wollte zu viel und gerade das Haupt-Massaker war mir zu schnell vorbei und es fühlte sich bereits nach Staffelende an. Die Klammer zur Jetzt-Zeit war dagegen ganz nett, auch wenn mich das 1989er Festival-Massaker nicht nur aufgrund der rückwirkenden Erzählweise enttäuscht hat. Dafür fand ich Montana gut, die in der folgenden Frage nicht ganz wusste, wie sie antworten sollte:

„Were you even alive in 1989?“ (Bobby)

Denn ja, sie war da nicht lebendig, aber nicht etwa, weil sie noch nicht geboren war, sondern, weil sie schon tot war. Nettes Detail im Dialog. Auch sonst gab es ein paar schöne One-Liner und Drehbuchzeilen. Das „You stay, you die“ gegen Ende hat mich irgendwie zum Schmunzeln gebracht, oder auch der sehr euphorische Trevor in der „Todes-Trick“-Szene in der Finalfolge:

„Me next, me next!!“ (Trevor)

Gestört haben mich aber auch einige Dinge. Wieso hat keiner der Geister Donna davon berichtet, dass Brooke noch lebt? Sie gab an, mehrere Male vor Ort gewesen zu sein und Ray wird es doch sicher irgendwann in den 30 Jahren mal in der Langeweile gesagt haben. Allgemein fand ich das Ende mit Donna und Brooke in der Form unnötig, ebenso, dass man sich dem Klischee angenommen hat, das zentrale Mädchen auch als Final Girl stehen zu lassen. Und auch wurde nicht so richtig erläutert, wieso das Sterben auf dem Gelände nun zu einer Wiederkehr geführt hat (oder ich habe die Geschichte nicht verstanden) und was nun zum Beispiel mit dem Wanderer war, der auch außerhalb des Geländes aufgegabelt werden konnte.

„The 80s will never die.“ (Montana)

Ach ja, und ich hatte am Ende ja noch auf einen Cameo-Auftritt von Billy Idol gehofft…

Das war eine sehr kurzweilige Staffel (vielleicht eben auch, da sie kürzer war als sonst). Eine frische Erzählung, entgegen einer richtiger Kaugummi-Staffeln, die zuletzt ordentlich Schwere vermittelt haben. Das Slasher-Genre hat sich leichter angefühlt, der Trick mit den Geistern hat den Tod nicht als endlich dastehen lassen, was als Instrument genutzt werden konnte. Insgesamt war das gute Unterhaltung, die Slasher-Fans zufrieden stellen sollte, solange sie nicht hardcore der eigentlichen Ur-Formel des Subgenres folgen und keine Abweichungen akzeptieren. So war es ein verspielter, moderner Ansatz, das Genre mit der eigentlichen AHS-Formel zu mixen und etwas eigenes daraus zu machen. Das ist nicht zu 100% geglückt, aber nach einigen schwächeren Staffeln war das durchaus in Ordnung so.

Und habe ich da Evan Peters in zwei Szenen eher klangheimlich und ohne viel Beitun gesehen? Das taucht nicht einmal in seinen IMDb-Credits auf, aber ich glaube, er war es. Allgemein haben einige alte Bekannte leider nur recht kleine Rollen erhalten. Emma Roberts scheint aktuell DAS Aushängeschild des Casts zu sein. Ich bin gespannt, was die Macher sich für die (bereits bestätigte) Jubiläumsstaffel Nummer Zehn einfallen lassen werden. Und alleine, dass ich mich bereits auf die nächste Staffel freue, ist nicht das schlechteste Zeichen – das war nämlich nicht immer so.

Bilder: FX

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