Glücklicher Zufall oder pechschwarzes Schicksal

Wie das TV mit dem Thema Glück umgeht

18.07.20 23:04
Spoilerfrei
Maik
18.07.20

[Dieser Beitrag wurde von August Walz verfasst.]

Glück im Spiel, Pech in der Liebe. Oder ist es Glückssache, die Liebe zu finden und das Spiel herauszufordern? Was schon einst die großen Philosophen bewegte, beschäftigt heute die Fernsehsender und die Unterhaltungsindustrie. In Game Shows und Serien werden Zuschauer und Kandidaten immer wieder mit der Frage konfrontiert: Soll das Glück wirklich auf die Probe gestellt werden?

Glück gibt es in vielen Formen und Arten. In kleinen Dosen, als unerwartete Aufmerksamkeit oder als Geldsegen. Mit letzterer Variante hat sich die Fernsehsendung „Wer wird Millionär?“ in den vergangenen 20 Jahren beschäftigt. Im September 1999 ging die ursprünglich britische Rateshow in deutscher Adaption beim Privatsender RTL erstmals auf Sendung. Zuschauerliebling Günther Jauch hat seither unzählige Menschen mit hohen Geldgewinnen versorgt und 16 von ihnen zu Millionären gemacht.

Ein einfaches Konzept, das die Kombination aus Wissen und Glück vereint. Wer einen Teil davon nicht bei sich trägt, kann sich immer noch auf die andere Hälfte verlassen. Die simple Struktur der Show und das Verlassen auf das reine Glücksprinzip sorgen auch nach 20 Jahren für millionenstarke Einschaltquoten. Dies gilt aber nicht nur für die deutsche Version der Erfolgsshow: Weltweit wurde das Konzept in Länder wie Polen, Albanien, Indien, Kroatien oder die Niederlande verkauft. Die Suche nach dem Glück ist keine regionale Frage.

Ein schmaler Grat

Was Günther Jauch und sein Team als unterhaltsame Show verkaufen, bekommt in Hollywood einen bedeutungsschwangeren Überbau verpasst. Drehbuchschreiber und Kreative sehen hinter der Frage nach Glück und Unglück mehr Raum für essenzielle Aspekte, die weit in die Sphären von Schicksal und Schuld reichen. Auch wird das Glück sehr oft mit dem Faktor Risiko in Verbindung gebracht. Vorrangig verlegen Autoren ihre Handlung ins Glücksspiel-Milieu, um die Auswirkungen der Casino-Spiele zu verdeutlichen. Dies geschieht keineswegs immer im negativen Rahmen, sondern beleuchtet lediglich die Folgen, die unachtsames Ausreizen seines Glückes mit sich bringen kann. Wahrscheinlichkeit in der echten Welt ist hier das Hauptthema. Sie können beispielsweise ein beliebiges Automatenspiel spielen, ohne Erfolg zu haben, da in diesem Fall Geschicklichkeit keinen oder einen schwachen Einfluss auf das Endergebnis hat. Wie bei anderen Spielen kann es Slot Tipps geben, die Spielern dabei helfen, das Spiel besser zu verstehen oder welches System in die Strategie integriert werden kann.

In der beliebten TV-Serie „Las Vegas“, die von 2003 bis 2008 produziert wurde, wird das Thema Glück beispielsweise dort verankert, wo es nach Auffassung vieler Menschen seine Heimat hat: Las Vegas. Die Spielerstadt in der Wüste Amerikas gilt als größtes Spielerparadies der Welt. Mit dem fiktiven Hotel Montecito fand Serienschöpfer Gary Scott Thompson seine ganz eigene Welt, die für fünf Staffeln von Liebe, Vertrauen, Glück und Schicksal erzählte. In den Hauptrollen zeigten sich Josh Duhamel, James Caan und Nikki Cox.

Die Dramedy war in erster Linie eine klassische Unterhaltungsserie, die in Deutschland bei den Zuschauern nie Anklang fand. Nach nur sechs Folgen der ersten Staffel setzte der Sender ProSieben die Serie ab und gab sie an den Tochtersender Kabel Eins weiter. Leider erwärmtem sich die Zuschauer auch auf dem neuen Sendeplatz nicht für die Irrungen und Wirrungen im Spielerparadies. Zur Verwirrung hat vermutlich auch beigetragen, dass die Gesetze in den Staaten der USA und Deutschland in Bezug auf Glücksspiel sehr unterschiedlich sind. Beispielsweise trat dieses Jahr erst ein neues Spielautomaten Gesetz in Kraft, welches stark von dem in LA abweicht. Das fängt schon damit an, dass man in der Casinostadt bis zu 100 Dollar-Scheine einzahlen kann, während in Deutschland nur maximal 10€ in den Spielautomaten eingezahlt werden können. Kritiker vermuteten auch, dass der Misserfolg der Serie dem sehr amerikanischen Thema des Zockens zuzuschreiben ist. Aber ist das ein Argument?

© Las Vegas gehört zum beliebtesten Drehort in amerikanischen Filmen und Serien. (Quelle: Pixabay)

Die Suche nach dem Glück findet auch in Deutschland statt

Während sich Mark Wahlberg in „The Gambler“ durch die Spielerwelt zockt, Jessica Chastain in „Molly’s Game“ die Fäden in der Hand hält und Justin Timberlake in „Runner Runner“ das System der Glücksspielindustrie von Innen heraus zerlegt, legen deutsche Produktionen mehr Wert auf die psychologische Sichtweise von Glück und Schicksal. Frederick Lau, Oliver Masucci und Antje Traue befassen sich in dem 2018 veröffentlichtem Film „Spielmacher“ mit Sportwetten und den dubiosen Machenschaften der Betrüger. Unvermeidlich rutscht Fußballtrainer Ivo, gespielt von Frederick Lau, in eine Welt ab, die scheinbar selbst die Entscheidungen über das Unglück der anderen trifft. Von den glitzernden Vorstellungen und dekorativen Fassaden Las Vegas‘ ist das Drama von Timon Modersohn meilenweit entfernt. Doch wer genau hinsieht, wird erkennen, dass Glücksspiel und Wetten in vielen Fällen keine Frage von Glück oder Zufall sind.

In der Kinoauswertung ging der Thriller, der aktuell bei Netflix zu sehen ist, unter. Ist eine Überdosis Ehrlichkeit und Realität in Bezug zum Glück nicht gern gesehen? Wollen sich Kinozuschauer den Traum vom Glück beibehalten? Vielleicht. Allerdings gibt es mit „The Player“ ein erfolgreicheres Beispiel, das wenig zaghaft die Machenschaften hinter den Kulissen beleuchtet. Die Action-Serie mit Wesley Snipes setzt jedoch auf knallharte Kämpfe und sieht die Zugehörigkeit von Gangs und Clans eher zufällig im Glücksspiel angesiedelt. Keine Frage, dass Wesley Snipes mit seiner Serie auf Amazon Prime deutlich mehr Zuspruch findet.

© Kritischer Umgang mit Glück ist bei Zuschauern selten erfolgreich.

Auswirkung auf die menschliche Psyche

Einen deutlich realistischeren Bezug mit einem Hauch Tragikomik sendete die BBC von 1984 bis 1986 in der Fernsehserie „Big Deal“. Entwickelt von Geoff McQueen und Ray Brooks sowie mit Sharon Duce in der Hauptrolle, wurde die Geschichte von Box erzählt, der sich in den verführerischen Wirrungen des Glücksspieles verfing. Die Konsequenzen machten dabei keinen Halt vor Freunden und Familie, die dem liebenswerten Pechvogel dennoch treu zur Seite standen. Die gekonnte Mischung zwischen Drama und britisch-trockenem Humor verdeutlichten, dass Glück und Unglück stets eng miteinander verknüpft waren: Das Glück, familiäre Hilfe zu haben, als auch das Unglück, in die Falle des Glücksspieles zu tappen.

Eine Verurteilung der Industrie ist dies in keinem Fall. Die Verstrickungen und der schmale Grat der positiven und negativen Aspekte, die zweifelsfrei vorhanden sind, machen wiederum deutlich, dass Glück ohne Pech nicht existieren kann. Eine Co-Abhängigkeit, die Basis für noch viele Geschichten sein wird.

Mit freundlicher Unterstützung von Luís Cunha | Bilder: Pixabay

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