Es geht los - geht es?

True Detective S02E06 – Church in Ruins

27.07.15 15:43
ReviewTrue Detective
SPOILER !!
Kira
27.07.15

TrueDetective_S2E6
Seit Beginn der zweiten Staffel fragt man sich Folge für Folge, worauf die Geschichte der neuen True Detectives hinauslaufen soll, wie man sich bei nur acht Folgen so viel Zeit lassen kann und wann es bei den wenigen verbleibenden Folgen nun so richtig losgeht. Und auch in der sechsten Folge wird man begleitet von der Hoffnung, dass da jetzt was ganz Großes kommt, das alles wieder gut macht und aufholt, was man die bisherige Staffel vermisst hat. So ganz klappt das leider immer noch nicht. Doch…es gibt ein paar wirklich gute Momente, eingebettet in das Allerlei, das ja auch nicht ganz fehlen darf, sonst wüsste man ja plötzlich gar nicht mehr, wohin mit sich.

Die Episode beginnt genau dort, wo die fünfte Folge Other Lives aufgehört hat: Ray steht bewaffnet vor Franks Tür, um ihn zur Rede zu stellen, wie dieser ihm vor Jahren den falschen Namen des Vergewaltigers seiner Exfrau und damit den falschen Mann liefern konnte. Von Schuldgefühlen geplagt, einen unschuldigen Unbekannten ermordet und voller Rage, dem Verantwortlichen vertraut zu haben und eine Geschäftbeziehung mit ihm eingegangen zu sein, hämmert Ray gegen Franks Tür, der nichts Gutes ahnt und sich dementsprechend ebenfalls bewaffnet. So sitzen sie sich nun gegenüber, jeweils eine Hand am Abzug, und starren sich an.

„You banged down my door for a staring contest?“ (Frank)

Dass Frank nun mal selbst von der Verwechslung nichts wusste, entspannt die Situation nicht wirklich. Und so starren sie und starren sie, Frank entlässt Ray aus der Verpflichtung für ihn zu arbeiten, die Hände bleiben an den Waffen. Doch die einzigen Schüsse, die hier fallen werden, sind Schuss und Gegenschuss im Filmschnitt. Immer und immer wieder. Frank, noch immer bangend, nicht in seinem eigenen Haus am Frühstückstisch erschossen zu werden, macht Ray nun das nächste Angebot und will sich mit ihm gutstellen. Sie sind ja schließlich Freunde.

„You might be one of the last friends I got.“ (Frank)
„Wouldn’t that be fucked up?“ (Ray)

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Ray ist von nun an ziemlich beschäftigt, dem wahren und inhaftierten Peiniger seiner Exfrau durch das Besuchstelefon zu drohen und seinen vermeintlichen Sohn daran zu erinnern, welch tolles Vater-Sohn-Verhältnis sie nie hatten (obwohl er sich doch noch darauf einlässt, mit ihm Friends zu schauen), um voller Verzweiflung dann doch wieder zu seinen wahrhaftigen Freunden, dem Schnaps, dem Koks und den Gewaltausbrüchen zurückzukehren. Das obligatorische Mit-der-Hand-durchs-Haar-Streifen natürlich stets mit dabei. Im folgenden Zusammenbruch bittet Ray seine Exfrau Gena unter Tränen am Telefon, Trevor nicht zu erzählen, dass er nicht dessen Vater ist. Als Gegenleistung verschwinde er für immer aus ihrem Leben. Gena willigt ein.

Aber zurück zum Fall, um den es ja eigentlich irgendwie geht. Ani erhält von ihrer Schwester Athena Informationen zu einer Strip-Party, auf die sie sich undercover einschleusen will, um nun endlich Fortschritte in der Auflösung des Caspere-Falls zu machen. Als eine von vielen jungen Frauen wird Ani in eine Villa gebracht, in der bereits zahlreiche lüsterne Männer auf ihr Vergnügen warten. Gedeckt von Ray und Paul, die sich von außen der Villa nähern und an wichtige Dokumente gelangen, fühlt sie sich der Situation mächtig – bis ihr ein Mundspray verpasst wird, das offensichtlich nicht nur dem Atem, sondern vor allem der Stimmung auf die Sprünge hilft. Mit verschwimmendem Blick versucht sie so viel des Umfeldes wie möglich wahrzunehmen bis die fordernden Blicke der Männer Flashbacks auslösen, die sie kurzzeitig gedanklich in die Vergangenheit zurückbringen. Welches Ereignis sie genau in Panik versetzt, bleibt nur zu erahnen. Letztendlich fällt die Wahl eines Gastes auf sie, kein Wunder, denn die Polizeiuniform wurde durch ein kleines Schwarzes ausgetauscht und die Haare vom Ombré-Look befreit. Bevor sie zu weiteren Diensten gezwungen wird, kann sie für wenige Minuten auf die Toilette fliehen. Dort findet sie – was für ein Zufall? – die vermisste Frau ihres Falls und versucht mit ihr die Villa zu verlassen. Natürlich kommt es nun noch zu einer Auseinandersetzung, denn warum sonst hat sie wenige Tage zuvor ein so ausgiebiges Messertraining an einer Holzpuppe absolviert?

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Auch wenn sie Pauls Hinweis „Try not to stab anyone“ nun nicht ganz folgt und zwei Personen ersticht, kann sie schließlich mit dem Mädchen, Paul und Ray unter Kugelhagel fliehen.

Im Vergleich zu anderen Folgen ist Church in Ruins vor allem aufgrund der anfänglichen Ruhe und der langsamen Steigerung der Ereignisse und Dynamik eine gute Episode mit interessantem Einsatz der Musik im Showdown. An die erste Staffel reicht dennoch bis jetzt keine der bisherigen Folgen heran. Aber wer weiß, save the best for last und so…

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Ein Kommentar

  • Ich fand die Folge sogar ganz okay, hat die doch endlich mal Konkretes hervorgebracht und wie von dir beschrieben eine schöne Dynamik gehabt. Durch die erste schwache Hälfte ist die Messlatte aber auch recht tief angesetzt… Der „Mexican Standoff“ hat mir gefallen, die Villa-Szenerie am Ende dann wieder weniger.



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