Ein dreifacher Blick in Hulus großen Mystery-Hit

Review: 11.22.63 – Staffel 1 (Miniserie)

SPOILER !!
Tobias
01.06.16

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Die Romane von Stephen King gehören zu den meistgelesenen Büchern, King selbst gehört zu den kommerziell erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. So kommt es natürlich nicht von ungefähr, dass zahlreiche Bücher Kings bereits als Serie adaptiert worden sind. Das neueste Werk in dieser Reihe erschien Anfang Februar auf der US Video-on-Demand Plattform Hulu und hat den recht eigenartigen Titel 11.22.63.

In acht Folgen erzählt die Miniserie die Geschichte einer eigentümlichen Zeitreise zurück in die 60er Jahre und in die Zeit des Attentates auf John F. Kennedy, das es zu verhindern gilt.

Kira hatte Euch bereits die Pilotfolge in ihrem Review vorgestellt. Auch Michael hat die deutschsprachige Ausstrahlung bei FOX genutzt, die Miniserie mit James Franco zu schauen. Ich selbst habe die Serie irgendwann zwischen Kiras Pilotreview und der deutschsprachigen Ausstrahlung im Original gesehen, so dass bei uns die Idee entstanden ist, ein gemeinsames Review zur Miniserie zu verfassen und darin unsere mitunter vielleicht unterschiedlichen Meinungen zur Diskussion zu stellen.

Daher ist dieser Beitrag auf sage und schreibe vier Seiten aufgeteilt. Hier im ersten Teil geben wir noch einmal die Miniserie im Großen und Ganzen wider inkl. den relevanten Wendungen und natürlich auch dem diskussionswürdigen Ende der Serie. Wer gedanklich die acht Folgen noch einmal Revue passieren lassen will – here we go.

Wer die Serie aber noch nicht gesehen hat, sollte sich vielleicht nur noch vom Trailer überzeugen lassen, einen Blick in die Serie zu werfen, aber an dieser Stelle den Beitrag nicht unbedingt weiterlesen.

Auf den weiteren Seiten folgen dann unsere Meinungsbeiträge mit ihrer jeweiligen Bewertung zur Serie. Und uns würde es freuen, wenn ihr dann in den Kommentaren eure Sicht auf „11.22.63“ kundtun würdet, vielleicht kommen wir darüber ja in eine kleine Diskussion.

Gleich zu den Reviews: Kira | Michael | Tobias

Handlung

Der Held unserer Geschichte hört auf den Namen Jake Epping. Jake ist ein desillusionierter Englischlehrer, seine Ehe ist gescheitert und ganz allgemein kann man sagen, dass Jake mehr vom Leben erwartet hat, als das, was er bisher erleben durfte. Sinnkrise dürfte wohl das richtige Wort sein.

Aber sein komplettes Leben verändert sich von dem Tage an, an dem ihn sein Kumpel Al von einem Zeitportal in seinem Diner berichtet, was Jake natürlich anfangs nicht glauben kann, als er aber den ersten Gang durch die Abstellkammer wagt, muss er sich eingestehen, dass es doch Dinge auf Erden gibt, die man kaum zu glauben wagt.

Aber nicht nur das, Al berichtet seinem Freund Jake von einem Auftrag, den Jake für den an Krebs erkrankten Al übernehmen und beenden soll: die Verhinderung des Attentates auf John F. Kennedy. Er selbst versucht seit Jahren seine Mission erfolgreich zu Ende zu bringen, aber bisher konnte sich die Vergangenheit immer erfolgreich gegen eine Veränderung wehren.

Das ist nämlich eine der Hinweise und Warnungen, die Al Jake mit auf den Weg gibt, neben den grds. Regeln dieses Zeitportals: man landet immer im Jahre 1960, immer am 21. Oktober – und egal wie lange man in der Vergangenheit verbleibt, wenn man zurückkehrt in die Gegenwart, sind nur zwei Minuten in dieser vergangen.

So macht sich Jake auf, gut mit Unterlagen, nützlichen Tipps und Wünschen Als präpariert, zwei Minuten in der Vergangenheit zu verbringen und letztendlich das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern, denn nach Als Theorie wäre der Verlauf der Zeit und der Gang der Welt ohne die Ermordung Kennedys weitaus friedvoller vonstatten gegangen, als so wie wir es kennen und im Geschichtsunterricht gelernt haben. John F. Kennedy war in der Tat ein großer Hoffnungsträger, sein Tod ein noch größerer Schock, nicht nur innerhalb der amerikanischen Bevölkerung.

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So verbringt Jake die Jahre bis zum 22. November 1963 (in der amerikanischen Schreibweise ergibt sich der Titel der Serie) mit der Observation von Lee Harvey Oswald sowie dem Versuch, herauszufinden, ob Lee auf eigene Faust handelte oder ob sogar vielleicht das FBI oder andere Mächte hinter dem Attentat standen.

Zur „Tarnung“ seiner Person nimmt Jake eine Arbeit als Lehrer an einer Schule einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Dallas an und lernt dabei die Bibliothekarin Sadie Dunhill kennen und lieben. Nicht nur die Liebe kehrt dadurch zurück in Jakes Leben, auch die Freude an seiner Arbeit als Lehrer.

So struggelt sich Jake durch die acht Folgen, immer im Versuch des Ausgleichs zwischen seiner eigentlichen Aufgabe und dem Leben als Lehrer und später als Partner an der Seite von Sadie. Von seiner wahren Existenz wissen nur Bill, sein zufälliger Begleiter aus dieser Zeit und Gehilfe in seiner Aufgabe und dann später auch Sadie.

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Neben den alltäglichen und nicht ganz so alltäglichen Problemen im Leben eines Lehrers und an der Seite von Sadie, erleben wir Zuschauer Jake und Bill bei ihrer Observation und Abhöraktion bei Lee Harvey Oswald.

Zum Ende der Serie spitzt sich die eigentliche Aufgabe immer weiter zu, es kommt zur „Verbrüderung“ Bills mit den Oswalds und den Ideen des Kommunismus, was dazu führt, dass Jake und Sadie gemeinsam Bill in ein Irrenhaus einliefern, um die gesamte Aktion nicht zu gefährden. Das führt wiederum dazu, dass schließlich Sadie Jake am Tag des Attentats unterstützen muss.

Sadie und Jake schaffen es dann auch, das Attentat zu verhindern. Allerdings muss Jake den höchsten aller Preise dafür bezahlen: Sadie wird von einem Querschläger getroffen und stirbt noch am Unglücksort.

Niedergeschlagen verlässt Jake die Zeit und kehrt zurück in die Gegenwart, um sich das Ergebnis seiner Arbeit anzuschauen. Doch der seelisch-moralische Fall könnte kaum tiefer sein. Zurück in der Gegenwart muss Jake erkennen, dass sich die Welt in eine postapokalyptische Version der Gegenwart verwandelt hat. John F. Kennedy entpuppte sich nicht als der Hoffnungsträger, für den er von vielen gehalten wurde. Und dafür musste Sadie sterben?

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So entscheidet sich Jake dazu, abermals in die Vergangenheit zu reisen, um zumindest die altbekannte Gegenwart wieder herzustellen. Das ist nämlich eine weitere Rahmenbedingung des Zeitportals: Mit jedem Besuch der Vergangenheit werden die vorherigen Veränderungen zurückgestellt auf Null.

Als Jake dann wieder ins Jahr 1960 zurückkehrt, fällt ihm ein pinker Cadillac auf, der auch schon bei seinen vorherigen Zeitreisen durch die Straßen fuhr. Dieses Mal fällt ihm aber eine der Insassen auf: Sadie. Er schafft es, Kontakt zu ihr aufzubauen und beide spüren die besondere Beziehung und die Chemie, die über die acht Folgen lang zwischen beiden Figuren herrschte. Steuern wir zumindest auf ein emotionales Happy End zu?

Nein. Denn der Mann mit der gelben Karte am Hut, wie sich herausstellt, ebenfalls ein Zeitreisender, der immer dann auf mysteriöse Art und Weise auftauchte, wenn Jake in Gefahr war, kann Jake davon überzeugen, dass sich der Tod Sadies nicht verhindern lässt. Er selbst versucht seit Jahrzehnten den Tod seiner Tochter zu verhindern, jedes Mal kehrt er aber als Verlierer in seine Zeit zurück, aber die Liebe zu seiner Tochter treibt ihn immer wieder zurück, jedes Mal muss er aber mit ansehen, wie seine Tochter auf andere Weise ums Leben kommt. Er ist nun ein gebrochener Mann, aber er kann nicht anders.

Jake verlässt daraufhin Sadie und das letzte Mal die Vergangenheit und kehrt zurück in seine Gegenwart, die wieder so ist, wie er sie das erste Mal verlassen hat. Nach einigen Tagen der Neugier, erliegt er dieser und sucht nach Sadie um Internet und tatsächlich kann er sie ausfindig machen.

Sadie hat ein sehr glückliches Leben geführt, voller Erfüllung und Liebe zu den Schülern an ihrer Schule und den Freunden in ihrem Leben. Sadie selbst wird zufälligerweise gerade für ihr Lebenswerk an der Schule von ebendieser geehrt und zu jener Feier fährt nun auch Jake. Es kommt zu einem kurzen Gespräch zwischen beiden und die Serie endet mit einem letzten gemeinsamen Tanz der Liebenden und der Überzeugung Jakes, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, auch wenn ihm dies die Liebe seines Lebens gekostet hat.

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