Gut ist natürlich relativ

Review: Better Call Saul S04E03 – Was Gutes

21.08.18 19:49
Better Call SaulReview
SPOILER !!
Jonas
21.08.18

In der heutigen Episode von „Better Call Saul“ sehen wir sogar direkt am Anfang etwas Action – man glaubt es kaum. Um zu vertuschen, dass Arturo in der letzten Folge erstickt wurde und Nacho nun offiziell inoffiziell für Gus arbeiten muss, wird ein Überfall fingiert. Damit das ganze echt aussieht, bekommt Nacho nicht nur einen „leichten“ Schuss in die Schulter, auch in seinen Bauch wird geschossen, womit er kurz davor ist, den Löffel abzugeben. Infolgedessen treffen die Salamanca Cousins, die Nacho zu dem Tierarzt schleppen, auf Jimmy. Nur ganz kurz, aber trotzdem interessant, denn Jimmy war auch gerade bei dem besagten Arzt, um sich Hilfe aus dem Untergrund zu holen für den Diebstahl einer kleinen Figur.

Die Story um Jimmy und sein Plan, diese Figur zu stehlen, so ganz verstehe ich es immer noch nicht. Die Szene ist unterhaltsam und ulkig, keine Frage, aber damit macht Jimmy auch keinen großen Schritt in Richtung krimineller Karriere, oder etwa doch? Mir zumindest kamen seine früheren Betrugsaktionen krasser vor. Selbst Mike mag bei diesem Unterfangen nicht mitmachen. Vielleicht ist es aber nur der Anfang von etwas Größerem?
Zurück zum Drogenhandel, denn hier wird in dieser Folge eine entscheidende Weiche gestellt. Gus darf sich durch den gestellten Überfall ganz offiziell Drogen von anderen Quellen besorgen. Und kurz darauf sehen wir auch noch Gale, den wir noch aus Breaking Bad kennen. Gus kontaktiert ihn, damit er Meth-Proben analysiert. Dabei bietet sich Gale offiziell als Meth Koch an, aber Gus meint, dass es noch zu früh sei. Armer Gale, wenn er nur wüsste, was noch passiert. Fest steht aber, dass es in dieser Geschichte deutlich voran geht.

Die stärkste und eindrucksvollste Szene der Episode folgt auf Kims Gewissensbisse. Als sie zwei kleine Plastikfiguren bei ihrem Arbeitgeber sieht, welche sie an Jimmy und Chuck erinnern – so zumindest meine Interpretation – fasst sie den Entschluss, Jimmy doch noch den Brief von Chuck zu überreichen. Sie steht neben sich und kann sich wegen dieser Bürde kaum noch auf ihre Arbeit konzentrieren. Umso mehr ist der Kontrast interessant, als sie ihm den Brief gibt und Jimmy ihn laut und komplett emotionslos vorliest. Während Jimmy nebenbei seine Cornflakes isst und sich so gut wie gar nicht für den Inhalt interessiert, bricht Kim in Tränen aus. Sie fühlt den Schmerz, den Jimmy entweder nicht fühlen will, nicht fühlen kann oder schon gefühlt hat. Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus den ersten beiden Optionen und damit tut mir als Zuschauer diese Szene so weh, denn damit ist auch klar, dass beide nicht zusammenpassen. Irgendwann wird Kims Mitleid für Jimmy verblassen und dann wird sie erkennen, dass er anders tickt, so anders, dass es nicht gemeinsam weitergeht, sofern Jimmy nicht selbst und aktiv die Beziehung torpediert. Und diese Einsicht macht mich traurig. Dass die Serie ein Drama ist und es in einem Drama eben um Drama geht, ist mir klar, aber insgeheim wünsche ich mir doch, dass es beide schaffen. Es wäre so schön, aber wir befinden uns im Breaking Bad Universum und wissen alle, was da noch so ansteht.

An dieser Episode kann man erneut die Stärke der Serie sehen; wie es „Better Call Saul“ schafft, die Charakterzüge herauszuarbeiten, und aus dem blassen Saul Goodman aus Breaking Bad einen vielschichtigen, gebrochenen und rücksichtslosen Mann macht bzw. gemacht hat. Und erneut muss ich feststellen, dass die Serie vielleicht noch besser geworden wäre, wenn man sich nur um Jimmy, Chuck und Kim gekümmert und Gus, Nacho und Co weggelassen hätte.

Bilder: Netflix / AMC

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5 Kommentare

  • Danke für deine Review. Mit dem Vorstellungsgespräch und den Figuren finde ich auch erst mal nicht so ganz schlüssig. Wobei wie du schon erwähnt hast, evtl. noch mehr folgen wird.
    Bei dem 3D Modell bei Mesa Verde auf Jimmy und Chuck zu schließen, könnte gut passen!
    Erst Sauls Auftritt bei Howard zum Suizid seines Bruders („Damit musst Du jetzt wohl leben“) und jetzt der Kommentar („Briefe kann er schreiben der gute Chuck“) deuten vielleicht auf eine kommende Krise hin, die bald zum Vorschein kommt.

    • Desto mehr ich über dieses Vorstellungsgspräch nachdenke, desto mehr denke ich,dass es wahrscheinlich doch nur eine kleine Episode bleiben wird. Wir hatten sowas ja schon häufiger in den anderen Staffeln. Und vielleicht soll damit nur Stück für Stück die moralische Wandlung dargestellt werden.

  • 4,5 Kronen von mir, super Folge. Das war eine schöne Prise BB-Gefühl, ohne es komplett zu übertreiben, mit Gale ein interessantes neues altes Gesicht und eigentlich fand ich den so unepischen Figurenraub-Plan sehr schön (auch wenn mir nicht ganz einleuchtet, weshalb erst niemand mitmachen möchte, vermutlich traut man dem Braten nicht so ganz…). Die von dir angesprochene Brief-Szene fand ich auch sehr gelungen.

    • Bei Gale musste ich tatsächlich noch einmal recherchieren was damals, oder zukünftig ;-) , passiert ist. Ich sollte am besten Breaking Bad nochmal komplett schauen 🤔



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