Vom Videospiel zur Animationsserie

Review: Castlevania – Staffel 1

Mini-Spoiler
Susanne
24.07.17

Erinnert sich noch jemand an die langlebige Fantasy-Videospielreihe Castlevania aus den 1980ern? Insbesondere an den Jump ’n‘ Run-Actioner Castlevania III: Dracula’s Curse? Genau darauf basiert die neue Netflix-Animationsserie!

Walachai 1455: Die Kirche bezichtigt eine junge Medizinerin/Wissenschaftlerin der Hexerei und verbrennt sie auf dem Scheiterhaufen. Womit keiner gerechnet hat: Die Frau war ausgerechnet die Gattin von Graf Vlad Dracula! Erbost vom Todesurteil der Kirche, schwört Dracula, nach Ablauf eines Jahres alle Bewohner auszulöschen. Mithilfe seiner Monster und Dämonen macht er sein Versprechen wahr und verbreitet Furcht und Schrecken. Dies ruft Trevor Belmont auf den Plan, der einer Familie von Vampir- und Monsterjägern angehört. Gemeinsam mit der Magierin Sypha und Alucard, Draculas Sohn, kämpfen sie mit allen Mitteln gegen die diabolischen Kreaturen.

„Ich bin Trevor Belmont aus dem Haus der Belmont und der Tod hat mir nie Angst gemacht.“

Was mich gereizt hat, die auf vier Episoden angelegte erste Staffel anzusehen, war nicht die Game-Vorlage, sondern vielmehr der Autor der Serie: Comic-Legende Warren Ellis. Er ist ein englischer Autor und schrieb unter anderem die SciFi-Comic-Reihe Transmetropolitan, außerdem verfasste er für Marvel beispielsweise den Iron Man-Klassiker Extremis, der als Vorlage für den Film Iron Man 3 diente. Zuletzt schrieb er Comics rund um den britischen Geheimagenten James Bond.
Ellis ist bekannt dafür, Themen in seine Geschichten einfließen zu lassen, die er gerade selbst besonders interessant findet wie zum Beispiel Strömungen der aktuellen Philosophie oder aus dem Bereich Science Fiction. Auf seinem Blog oder per Newsletter teilt er nahezu täglich seine Gedanken und Ansichten mit seiner Leserschaft.
Auch in Castlevania ist seine Handschrift zu erkennen, wenn er beispielsweise Dracula und seine Frau als fortschrittliche, wissenschaftliche Charaktere darstellt, die ihrer Zeit weit voraus sind. Auch die explizite Gewaltdarstellung ist häufiger Bestandteil seiner Werke und damit wird auch in Castlevania nicht gegeizt. Blutige Schwertkämpfe und Zauberei treffen hier auf Religion und Wissenschaft.

Ursprünglich hatte Ellis das Skript als Spielfilm angelegt, allerdings wurde der Stoff nun zur Serie erweitert.
Inspiriert von Dark-Fantasy-Serien wie Game of Thrones oder der Fantasy-Anime-Reihe Berserk, überzeugen die vier Folgen für Erwachsene durch eine düstere Stimmung mit dunklen Schatten und aufglühenden Farbelementen. Die Farben der Kleidung der Hauptfiguren wurden sogar denen der Spielvorlage angepasst. Tevor trägt braune Farben, die Magierin Sypha ist blau leuchtend und Dracula schimmert stets dunkelblau/lila.

Spannend finde ich auch, dass die Protagonisten nie eindeutig gut oder böse sind. Jeder der Figuren legt fragwürdige Handlungen an den Tag: Die Kirche verurteilt Unschuldige, Dracula hat einen Genozid zu verantworten und Trevor Belmont zögert nicht, mit seinem Schwert seine Gegner zu enthaupten.
Während Realfilm-Adaptionen von Videospielen an den Kinokassen regelmäßig floppen, scheint das Trickfilm-Genre besser für den Stoff geeignet zu sein. Viele Elemente aus dem Spiel lassen sich hier glaubwürdig übertragen.

Wer die Serie gerne im Original schaut, kann sich außerdem auf die bekannten Stimmen von Richard Armitage (Thorin aus Der Hobbit), Graham McTavish (den Cowboy aus Preacher) und James Callis (Gaius Baltar aus Battlestar Galactica) freuen.

Ich finde es interessant, dass Netflix sich nach Voltron, Stranger Things und Wet Hot American Summer einer weiteren Serie widmet, die ein Thema aus den 1980ern aufgreift. Das sagt einiges über die Zielgruppe aus.

Eine zweite Staffel, diesmal mit acht Episoden, wurde bereits für 2018 angekündigt.

Fazit

Insbesondere Anime-Fans und Gamer, aber auch Horror- und Fantasy-Anhänger werden an diesem kurzweiligen Horror-Trip ihre Freude haben.

Castlevania ist auf Netflix verfügbar.

Bilder: Netflix

Ein Kommentar

  • War auch ganz angetan, aber ich fand die deutsche Synchronisierung irgendwie ganz schrecklich. Das passiert mir sonst nie, aber auch konnte die Serie nur auf Englisch weiter kucken, vielleicht wegen der Anime Optik.



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