„Star Trek: Starfleet Academy“ ist die neueste Star-Trek-Serie. Die Geschichte knüpft an „Star Trek: Discovery“ an und spielt in der gleichen Zeit und im gleichen Universum.
Dass ich „Star Trek: Discovery“ alles andere als gemocht habe, ist kein Geheimnis und soll auch an dieser Stelle noch einmal erwähnt sein. Nach „Star Trek: Discovery“ gab es einen sehr, sehr schlechten Film mit dem Namen Sektion 31, der ebenfalls in dem von „Star Trek: Discovery“ geschaffenen Universum spielt.
Ob „Star Trek: Starfleet Academy“ Alex Kurtzmans Star-Trek-Vermächtnis retten kann? Wir sind gespannt!
Die erste Szene spannt den Rahmen der Serie. Ein Junge, sechs Jahre alt, wird seiner Mutter durch die Sternenflotte genommen. Die Mutter hat sich nämlich mit einem Verbrecher abgegeben, der einen Sternenflottenoffizier tötete, und sie bekommt als Mitschuldige eine harte Strafe. Der Junge kann fliehen, statt in die Obhut der Sternenflotte zu gelangen, während die Mutter ins Straflager muss.
Sprung in die Gegenwart der Serie: Der Junge ist nun 21 und kämpft sich durchs All. Die Sternenflottenoffizierin, die damals die harte Entscheidung traf und ihn von der Mutter trennte, ist aus der Sternenflotte wegen dieses Ereignisses ausgetreten. Heute wird sie aber von Admiral Vance, den wir schon aus „Star Trek: Discovery“ kennen, zurückgeholt. Er berichtet, man habe den Jungen gefunden – an den sie jeden Tag denken muss. Gleichzeitig will er die Sternenflottenakademie neu ins Leben rufen, und sie soll dies übernehmen.
Nun, dass die ersten Szenen einer neuen Star-Trek-Serie etwas an den Haaren herbeigezogen sind und Dinge zu kurz erzählen, als dass man die Ereignisse wirklich durchdringen und fühlen kann, kennt man. Aber wie der Junge 15 Jahre sich selbst „erzogen“ haben soll, dabei vor Schlauheit strotzt und sich ohne psychischen Schaden entwickelt hat – nun ja.
Dass er trotz Wut auf Captain Nahla Ake sich innerhalb von ein paar Minuten umstimmen lässt, um mit ihr auf die Akademie zu gehen? Zweites und dickes Nun ja. Und obwohl er so krass ist und sich erstmal an gar keine Regeln halten will, spurt er sofort, beim ersten Mal angebrüllt zu werden – drittes Nun ja. Und das vierte Nun ja: Warum zur Hölle nimmt ihn die Flotte überhaupt auf? Keiner weiß wirklich etwas über ihn? Was ist in den 15 Jahren passiert? Es ist doch nicht dieselbe Person wie mit sechs. Was soll das?
Erstes Fazit: Man muss sein Hirn direkt zu Beginn ausschalten und sich auf dieses hingebogene Intro einlassen, sonst sollte man am besten hier schon aussteigen.
Nahla Ake bekommt ein riesengroßes Schiff, fast wie ein interstellares Kreuzfahrtschiff, um unzählige junge Menschen zum Sternenflottenhauptquartier zu fliegen. Die Szenen, wie alle sich an Bord einfinden, sind lustig – meinem Geschmack nach zu lustig. Eine Kadettin sagt, sie hätte ihren Kommunikator verschluckt. Wer kommt auf sowas? Dann sehen wir eine Brückencrew, die aus überraschend vielen weiblichen Charakteren besteht und – für eine amerikanische Serie durchaus bemerkenswert – nicht aus perfekten Körpern und Modelgesichtern.
Das hält die Serie aber nur wenige Minuten durch. Denn unsere Kadetten sind dann doch extrem attraktiv, wie es sich für eine US-Serie gehört, und statt der kommunizierten 20 Jahre eher mindestens fünf Jahre älter. Aber okay, damit ist der Age Gap nicht so drastisch wie in anderen Verfilmungen, wo Ende-30er Teens spielen.
Die Kadetten stehen, wenig überraschend, im Fokus der Serie. Jay-Den haben wir schon kennengelernt, seine zukünftigen Freunde sind – zumindest im Piloten – noch sehr eindimensional. Wir haben einen pazifistischen Klingonen, eine extrem kluge, ambitionierte junge Streberin, einen Angeber in Biff-(aus Zurück in die Zukunft)-Manier, der sich mit Jay-Den streitet, und dann noch die total überdrehte Sam, die ein Hologramm sein soll. Puh. Insbesondere Sam ist schon sehr nervig. Da irgendwann Tilly aus „Star Trek: Discovery“ noch auftreten wird, weiß ich jetzt schon, dass diese beiden sich befreunden.
Gegen diese Charaktere gibt es für mich das große Highlight: Der Voyager-Doctor ist zurück. Und Robert Picardo, der Schauspieler des Doctors, macht es großartig. Mir tut es für ihn ja etwas leid, dass sein Comeback in dieser Serie stattfindet, statt in einer Voyager-Reunion oder wenigstens einer etwas ernsteren Geschichte. Dann könnte er wirklich glänzen. Sein Humor, der durch Arroganz und Engstirnigkeit funktioniert, kommt nicht gut rüber, wenn alle in der Serie lustig sein wollen. In Voyager hat dieser Kontrast sehr gut funktioniert, in „Star Trek: Starfleet Academy“ fühlt sich der Doctor meiner Meinung nach etwas deplatziert an.
Insgesamt ist die Geschichte der ersten Folgen kurzweilig. Obwohl die Laufzeit der ersten Folge deutlich über eine Stunde ist, frage ich mich rückblickend schon, warum die Zeit nicht etwas besser genutzt werden konnte.
Das große dramatische Ereignis ist, dass die Kadetten auf dem Weg zur Erde abgegriffen werden. Schuld ist unser Jay-Den, der seine Mutter anfunken will und damit genau den Verbrecher anlockt, der damals schuld daran war, dass er von seiner Mutter getrennt wurde.
Jay-Den kann aber alle retten und wird natürlich nicht bestraft. Warum auch – es sind sicher nur zehn Menschen gestorben, wenn man die ganzen Explosionen auf dem Schiff sieht.
Statt mich auf die Story zu konzentrieren, habe ich mich dabei ertappt, wie ich mich auf Details konzentriere, die mich nerven. Warum trägt Captain Nahla Ake eine Brille? Und warum kann sie sich nicht richtig auf ihren Captainstuhl setzen? Sie rekelt sich stattdessen auf dem Sessel der Macht wie auf einem Sofa Freitagabend nach getaner Arbeit. Es erinnert leider auch stark an das Bild von Kellyanne Conway während der ersten Trump-Administration auf dem Sofa im Oval Office. Denn beide sind in Rot gekleidet, beide in ähnlichen Posen, da die Beine nicht den Boden berühren. Ob das gewollt war? Sehe nur ich diese Verbindung?
Insgesamt wirkt die erste Folge belanglos. Mich, als eingefleischten Star-Trek-Fan, stört viel, aber darüber werden andere, weniger Star-Trek-involvierte Menschen hinwegsehen können. Trotzdem muss man festhalten, dass sogar der Auftakt von „Star Trek: Discovery“ besser war. Denn dieser war wenigstens spannender und relevanter. Damals dachte ich ja noch, dass „Star Trek: Discovery“ Potenzial hat. Bei „Star Trek: Starfleet Academy“ frage ich mich: Was will die Serie sein? Comedy, Drama, Dramedy oder Sitcom? Ich checke es nicht.
Visuell ist die Serie – wie alle kürzlichen Star-Trek-Veröffentlichungen – herausragend. Da braucht sich keiner zu beschweren.
Wie kann ich das alles zusammenfassen? Die Serie würde ohne die Star-Trek-Lizenz weniger Ballast mit sich herumtragen, so muss man das, was da präsentiert wird, einfach in den Kontext setzen. Ich schwanke zwischen schlecht und belanglos und tendiere zu dem etwas positiveren „belanglos“. Die Serie kann man, wenn man sein Hirn ausschaltet, durchaus ertragen. Wenn man mit der Pinzette herangeht und die Star-Trek-Brille aufsetzt, wird man auf keinen Fall glücklich – das steht fest.
Wie geht es euch? Wie seht ihr den neuesten Star-Trek-Ableger?
Bilder: Paramount+ / CBS Studios







































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