Reboot als Mini-Serie

Review: Scream – Staffel 3 (Resurrection)

16.07.19 10:46
ReviewScream
SPOILER !!
Maik
16.07.19

Es geschehen noch Zeichen und Wunder – „Scream“ hat doch tatsächlich noch eine dritte Staffel erhalten und sie ist dank Marathon-Programmplanung und verkürzter Episodenzahl auch schon wieder rum. Zumindest in den USA, wo nach fast drei Jahren des Wartens die sechs Folgen täglich im Zweierpack vom 8.-10. Juli liefen. Wann die Staffel bei uns zu sehen sein wird, ist noch unklar, die ersten zwei Staffeln sind über Netflix zu sehen, daher gehen wir trotz des US-Senderwechsel (ehemals MTV) davon aus, dass sie im Laufe der nächsten Monate auch den Weg dorthin finden wird.

(SPOILERFREI, bis ich es schreibe. Es wird zunächst eine allgemeine Einstufung der Staffel geben, ehe ich ins Detail gehe.)

Scream – Staffel 3: Reboot statt Anthologie

Sind „Anthologieserien“ ja eigentlich total trendy, bleibt man bei „Scream“ lieber im Jargon des klassischen Horrorfilms. Nachdem die sehr gute erste Staffel und die noch ganz okaye zweite Staffel mit gleichen Figuren am gleichen Ort spielte und eine fortlaufende Geschichte erzählt hatten, war klar, dass eine Änderung her musste. Und so hat man sich zum Reboot entschieden, was ich eigentlich ganz spannend fand, da das Setting ja im Grunde genommen immer gleich ist und man recht willkürlich Schauplatz und Charaktere austauschen kann. Unter dem Titel „Scream: Resurrection“ sollte die Staffel analog z.B. „American Horror Story“ entsprechend eigenständig benamt werden.

„This is a reboot, your rules don‘t apply here.“ – „Yeah, because reboots suck…“ (Kym & Beth)

Wir hatten die lange Wartezeit noch mit Ersatz-Slashern totgeschlagen, uns dann aber doch sehr gefreut, als die ersten Trailer zur Rückkehr des Originals erschienen. Also, dem Reboot davon…

Kürzer, schneller, Abziehbildhafter

Ausnahmsweise gibt es mein Gesamturteil vorab, ohne inhaltsbezogene Spoiler. Leider hat sich das lange Warten nicht so richtig gelohnt. In fast allen Belangen ist die Staffel den vorherigen aber vor allem der ersten unterlegen. Das liegt meiner Meinung nach vor allem an der von 10 bzw. 12 auf 6 reduzierten Anzahl an Episoden. So geht es viel zu schnell zur Sache, wirkt insgesamt recht hektisch und so richtige Atmosphäre kann sich nur selten etablieren. Entsprechend gibt es auch viel häufiger Jump-Scares und schnelle Schock- und Gore-Momente zu sehen, das war (soweit ich mich noch erinnern kann) in den vorherigen Staffeln abwechslungsreicher.

„Jumpscare, really?!“ (Beth)

Auch wirken die Figuren deutlich flacher. Auch zu MTV-Zeiten war die Serie natürlich modern und jung und schnell, aber jetzt ist sie nochmal eine Stufe jugendlicher und Abziehbild-hafter geworden. Gerade das in die Story verwobene Football-Spielen hat mich irgendwann nur noch genervt. An sich ist das ja nicht schlimm, aber die Art und Weise war nicht selten unstimmig. Allgemein hat man zwar immer wieder versucht, die Klischee-Situation als solche zu thematisieren und so ein bisschen Gegenwind aus den Segeln zu nehmen, aber das macht die Situation eben auch nicht besser.

Es bleibt am Ende eine Mini-Serie, die man sich gerne mal anschauen kann, wenn man Slasher-Filme mag und eine rund vierstündige Langfilmvariante sehen möchte. Schlechte Unterhaltung ist „Scream: Resurrection“ sicher nicht, vor allem, was Humor, Kritik an der modernen Gesellschaft und Anspielungen auf Horrorfilme und Subkulturen anbetrifft. Aber in reiner Bewertung der Unterhaltungs-Qualität einer Serie muss sich Staffel 3 hinten anstellen, was die Serien-Adaption des Franchises anbetrifft.

Kommen wir zu den Innereien…

AB HIER GIBT ES SPOILER!!!

Der Einstieg strotzt nur so vor Anspielungen. Begonnen beim meiner Meinung nach etwas zu verspielten Ghostface-Gesicht im Mond und vor allem der guten alten Film-Formel: Nacht, Küchenmesser, vollbusige Jung-Erwachsene und ein unbekannter Anrufer. Ist es mittlerweile zum Klischee geworden, mit diesen Klischees zu spielen, kann man das noch als verbeugende Hommage ans Original werten und darüber hinwegsehen.

„Is this Nancy Gibbons?“ – „Nope, wrong number.“ (Anrufer & Angerufene)

Wichtiger ist die Grundstory, die uns aus dieser kurz gezeigten Zeitepoche transportiert wird: „Hookman“, ein Mann mit einem Haken als Hand, erwischt einen der Jungs, der im Ghostface-Kostüm auf seinem Schrottplatz unterwegs war. 8 Jahre später kann der überlebende Buddy Deion Elliott noch immer schneller als der Bus laufen, was ja grundsätzlich von Vorteil in so einem Genre sein könnte, aber, um es vorwegzunehmen, selten bis gar keine Plot-technische Bedeutung hat und dazu auch noch inhaltlich zumindest fragwürdig ist.

Die richtige Geschichte beginnt mit einem „TWINS“-Schokoriegel im Rucksack und Spint, der nicht nur Erinnerungen, sondern auch gehaltvolle Andeutungen mit sich bringt. 12 Minuten dauert es letztlich bis zum ersten Auftritt des richtigen Ghostface-Killer und direkt dem ersten Mord – er kann nicht gut mit 0-Sterne-Bewertungen umgehen…

Wo wir bei Klischees sind: Der gute alte „alle Figuren treffen beim Nachsitzen aufeinander“-Trick findet Anwendung, wobei wenigstens auf den „Breakfast Club“ hingewiesen und der „Deadfast Club“ gegründet wird. Allerdings kommt es mir zu häufig so vor, als versuche man, uninspirierte Handlungen mittels offener Adressierung relativieren zu wollen. Ja, das macht es erträglicher und zeigt, dass man sich dessen bewusst ist, macht aber die grundsätzlich suboptimale Inzsenierung auch nicht verschwunden. Beim Blick in die Runde haben sich für mich dann jedenfalls zwei bekannte Gesichter ergeben: Die grummelige Goth-Tante Beth wird von Giorgia Whigham gespielt (bekannt aus „Punisher“) und die sehr redselige Kym von Keke Palmer, die in „Scream Queens“ bereits Slasher-Erfahrung sammeln konnte.

„Listen to your gay BFF…“ – „‚B-F-F – the ‚gay‘ is always silent, except he doesn‘t want it to be!“ (Aufsichtslehrer und Kym)

Zur Machart lässt sich sagen, dass die Serie durchaus auf rein technisch gesehen modernem Niveau produziert worden ist. In einigen dunklen Passagen hat der Film doch sehr gekörnt, da hat man wohl zu offensichtlich etwas Bildschärfe der Stimmung geopfert. Der hippen Jugendbildsprache entsprechend gab es auch einige Lens Flare-Effekte und andere „Coolheiten“ zu sehen. Wirklich ästhetisch schöne Shots waren dann aber doch Mangelware, auch wenn es zwischendrin immer mal welche wie diese hier zu entdecken gab (wobei man gerade beim ersten noch so schön symmetrisch hätte sein können…):

Um nicht zu lang zu werden, fasst ich mal etwas zusammen. Die ganze Vorgeschichte um Deion hat mich vor allem hinten raus etwas genervt. Dass in der rückblickenden Erzählung etwas faul sein muss, war ja recht schnell klar, spätestens, als das eine hellhäutige Kind plötzlich dunkelhäutig war. Dass Marcus irgendwie überlebt haben könnte, hat sich mir noch grundsätzlich ergeben, dass der sich aber nie bei seiner Familie meldet und dann Jahre später zum Rachefeldzug übergeht, war nie eine wirklich sinnvolle Erklärung für mich. Dass Deion aber Marcus ist, fand ich vor allem deshalb bescheuert, weil eine Mutter so etwas einfach weiß, da gilt „Schock“ für mich nicht als Erklärung. Ganz davon abgesehen, dass man nicht einfach das Football-Talent des Bruders übernimmt, indem man sein Kostüm überstülpt.

„I‘m not actually gonna die, right? Cause my parents will kill me…“ (Amir)

Allgemein hat die Serie so ihre logischen Unzulänglichkeiten. Das fängt bei Kleinigkeiten, wie der im Wasserdampf auf dem Spiegel hinterlassenen Nachricht, obwohl noch gar nicht mit dem Duschen begonnen wurde, an und geht über Film-typische Dinge, wie dem ständigen „Messerschwing“-Soundeffekt (selbst bei sich herausstellenden Plastik-Attrappen) oder dem seltsam wirkenden Gefühl, wenn als rennend dargestellte Figuren gar nicht wirklich schnell rennen, sondern offenkundig nur so tun, weiter. Es haben mich immer wieder Kleinigkeiten genervt, amüsiert und letztlich aus dem Seherlebnis rausgezogen. Vor allem bei den Dingen, die nicht nur kleine Unperfektheiten waren, sondern explizit die Handlung betreffen. Als Deion (ich bleibe jetzt mal bei dem Namen) bei der Party war, wo er umzingelt von Leuten im Ghostface-Kostüm ist (eigentlich eine tolle Idee, aber vor allem bildlich wäre da so viel mehr drin gewesen!), wird er angerufen und am Arm geschnitten. Die Silent Disco hat wenigstens mal erklärt, wie Leute in Filmen mitten auf der Tanzfläche telefonieren können, das war okay. Dass der Killer „sagte doch, dass ich in der Nähe bin“ sagt, nachdem Deion geschnitten wird, hätte aber offenbaren müssen, dass es (mindestens) zwei Killer gibt, denn sonst hätte Deion die unmittelbar neben ihm sprechende Stimme doppelt (und ohne Stimmverzerrer) hören müssen. Mal ganz davon ab wird er da an seinem Arm zumindest merklich geschnitten und spielt bereits einige Stunden später wieder munter Football, als wäre nichts gewesen.

Wie in einigen Sequenzen zudem der Killer auf lächerliche Art und Weise laufen gelassen wird (in der Schule von Shane und Kym) oder selbst nicht konsequent genug in seiner Umsetzung ist (Livs Vater hätte mehrere Male dran glauben müssen und sein Überleben war eigentlich mehr oder weniger überflüssig für das Weitere) kommt noch hinzu. Dass Deion den Moment im Polizei-Auto überlebt, war ja letztlich noch irgendwo erklärbar, ging es ja alles nur um Moral und Leid.

Die große Moral von der Geschicht‘

Denn natürlich ist da nicht einfach irgendwer, der irgendwelche Jugendliche aus Spaß umbringt. Also, zumindest nicht ganz. Denn für ein gutes Slasher-Format voll Emotionen und Twist-Möglichkeiten, braucht man einen persönlichen Bezug, ein Motiv, eine mit vielen Ebenen versiegelte Hintergrundgeschichte, die nach und nach aufgelöst werden kann. In diesem Fall soll die Wahrheit über die Jugendlichen von Ghostface ans Licht gebracht werden. Ihr „Inneres“, ansonsten halt ihre Innereien. Irgendwann werden diese netten Wortspiele etwas zu häufig wiederholt und vor allem fand ich das Timing, mit dem die Offenbarungen folgten, nicht sehr stimmig. Aber vermutlich bin ich mittlerweile zu wenig Jugendlicher, um nachvollziehen zu können, dass man so lange derart verschlossen mit solchen Geheimnissen ist, ehe dann plötzlich alle mit dem fröhlichen Ausplaudern beginnen.

Schon besser fand ich grundsätzlich den Umgang mit gesellschaftskritischen Themen. Vor allem Rassismus und in dem Zuge auch Cop-Brutalität wurden mehr als direkt (und leider auch hier etwas zu oft und in gleicher Weise) angegangen. Das ist wichtig und dafür ziehe ich meinen Hut.

Horror auf der Meta-Ebene

Den interessantesten Aspekt gab es beim Schritt auf die Meta-Ebene. Hier hat Beth in gewisser Weise die Rolle von Noah aus den Vorstaffeln übernommen und sich als Horrorfilm-Expertin positioniert. Das hätte noch deutlich mehr Potenzial gehabt, finde ich. Am Ende der ersten Folge hatte ich mir noch erhofft, die Serie würde komplett auf der Meta-Ebene spielen und so ein wahrlich besonderes Format werden. So blieb es beim üblichen „habe ich schon in Filmen gesehen“-Anspielungs-Spielchen.

„I‘ve got some bad news, you guys: we‘re not the type of characters that make it to the end.“ (Beth)

Dass Kym inmitten des Abschlachtens, das ja lediglich über wenige Tage verteilt war, noch Zeit findet, so ziemlich jeden Horrorstreifen der Filmgeschichte aufzuholen, passt in das leicht löchrige Bild der Story. Aber auch das Verhalten einiger Figuren wird in gewisser Weise erklärt:

„Do you like scary movies?“ „No, I do not, because everyone in them is stupid as hell!“ (Ghostface & Kym)

Aus Horror- wird auf der Zielgeraden dann kurzerhand ein Buddy Cop-Film, was zumindest für ein paar nette Einzeiler langt. Insgesamt wirkt es aber auch hier seltsam koordiniert, dass es zunächst ständig „Snitches die!“ heißt und man dann doch ständig bei der Polizei ist, die halt einfach ihren Job nicht ernst genug nimmt. Zwischenzeitlich dachte ich noch, Livs Vater sei ggf. irgendwie involviert und hielte das alles künstlich klein, aber nicht wirklich. Und habt ihr auch diesen kleinen „Westworld“-Moment verspürt, als Liv die Ghostface-Zeichnung gezeigt bekommen hatte? #ThisDoesntLookLikeAnythingToMe

„Am I Chris Tucker or Jackie Chan?“ – „Bitch, I‘m both!“ (Beth & Kym)

Allgemein bleibt zum Horror noch zu sagen, dass es wenig Subtiles und viel schnelle Kost gab. Zeit für das Schaffen von Suspense und Atmosphäre war in den sechs Folgen schlicht zu wenig gegeben. Man hat lieber den Tötungs-Moment möglichst intensiv wirken lassen, indem man ihn schnell ablaufen ließ. Das war in der Abwechslung ja durchaus in Ordnung, auch wenn es auf mich komisch wirkte, dass Ghostface mit einer Drogenspritze hantiert. Aber gerade der Fahrstuhlmord und der Kopftstich am Ende im Krankenhaus waren schon harte Kost.

Wer steckt hinter der Maske?

Aber wer war es denn nun? Wer ist der Mörder? Dass es zwei sein dürften, war ja eigentlich recht schnell klar und ist mittlerweile ja alleine schon deshalb zum Status Quo geworden, da so kaum noch jemand ausgeschlossen werden kann, selbst wenn jemand dem Mörder begegnet war. Die Serie hat es schon ganz gut hinbekommen, dass nicht nur wir Zuschauer gerätselt haben, sondern auch die Figuren untereinander verdächtigt wurden. Natürlich waren da einige sehr offenkundig gelegte Fährten, aber so läuft das Spielchen halt.

„Everybody knows that nobody knows who Fade really is, you know. Kinda like Banksy or Batman…“ – „Everybody knows who Batman is!“ (Shane & Amir)

Deions Bruder Ludacris Jay hatte ich recht früh im Kreis der Verdächtigen, weil ich einfach annahm, es sei eine Person aus dem inneren Kreis und ein Außenstehender (er oder Livs Vater). Dafür wurde Jay einfach zu erst nebensächlich und dann doch sehr prominent eingebunden. Dazu der persönliche Bezug zu Deion und seiner Vorgeschichte, das hat gepasst. Dennoch muss ich gestehen, hinten raus aufgrund der hin und her schwenkenden Erzählweise nicht mehr ganz sicher gewesen zu sein (der nette Backpulver-Streich hatte mein Herz gewonnen).

„New phone, who‘s this?“ (Jay)

Zwischendurch hatte ich Amir sehr im Verdacht, das hätte halt auch sehr gut in das gängige Muster gepasst, dass die Außenstehendsten zum Killer werden. Nach dem seltsamen Verhalten rund um den Feld-Mord und vor allem dem Satz „you‘ll be safe tonight, I promise“ zu Beth, der sich dann aber ja noch anderweitig erklären ließ. Seinen persönlichen Todesmoment, in dem er die erste noch nicht sichtbare Demaskierung vornahm, war ganz gut, hat aber dann doch einen sehr auffälligen Hinweis zu Beth gebracht. Ebenso das Küchenmesser, das einfach so auf dem Sofa liegt.

„Until last night, when they stabbed me in the back. Actually, the front…“ (Jay)

Dass es am Ende Beth war, fand ich sogar noch okay, die Erklärung war auch einigermaßen schlüssig, zumal es angenehm ist, mal einfach nur eine Killerin zu haben, die angibt, genau das zu sein. Was mich eher gestört hat, ist, dass nie jemand der Beteiligten sagen konnte, ob Ghostface nun eher groß, klein, schwer, leicht oder was auch immer sein könnte. Vor allem, wenn dieser zwischendurch in der Erscheinung abweichen sollte (Jay dürfte doch deutlich größer gewesen sein, oder nicht?). Klar, die Todesangst spielt da mit rein und vermutlich hat man bei der Flucht wenig Sinn dafür, Maße zu nehmen oder die Bewegungsabläufe des Killers zu studieren. Aber da kommt halt nie etwas. Und für uns Zuschauer wurde vermutlich eh über die komplette Serie hinweg das gleiche Double in das Kostüm gesteckt.

Spielt das noch in gewisser Weise in das eigentliche Unterhaltungserleben (wäre ja ansonsten recht schnell vorbei, wenn direkt jemand meint „das muss ein großer Mann sein, du bist der einzige große Mann in unserer Gruppe, also bist du es!“), hat mich richtig genervt, dass Beth am Ende angibt, wie schwer man doch in „dem Ding“ sehen kann. Ernsthaft? Plötzlich ist der zuvor stets einen Schritt voraus seiende und so ultra-bedächtig handelnde Killer tollpatschig und recht leicht zu überwältigen?!

„Forget your line? Don‘t worry, this is the part where you scream.“ (Beth)

Das Ende

Damit sind wir dann auch schon am Ende. War die eigentliche Offenbarung des Killer(team)s noch irgendwo schlüssig, war das Drumherum dann doch sehr cheesy. Zunächst auf der sportlichen Ebene. „Football Game oder Ghostface‘ Game“ ist bereits sehr stereotypisch, dass Deion dann nach Zögern doch noch beim Spiel auftaucht und die typische US-Sport-Erfolgsstory hinlegt, ist die Krönung dessen. Natürlich letztlich in einem in unschuldigem Weiß gehaltenen Shirt.

„The killer is the real hero of the story.“ (Beth)

Vom wirklichen Ende-Ende ganz zu schweigen, das vor Schmalz und „alles ist gut geworden“-Stimmung nur so strotzt. Dass der Anruf eines unbekannten Anrufers keine Andeutung für eine Fortsetzung, sondern einfach weggedrückt wurde, fand ich gut. Weniger wegen des Gags, sondern weil ich ehrlich gesagt keine Fortsetzung mit den gleichen Figuren gebrauchen kann.

Wie eingangs gesagt, war das jetzt nicht der totale Reinfall. Auch die dritte Staffel „Scream“ weiß das Grundthema gekonnt zu bespielen und dürfte jeden grundsätzlich zu unterhalten wissen, der auf Slasher-Filme der alten Art steht. Das „whodunnit?“-Ratespielchen funktioniert eigentlich ganz gut und es gibt sowohl gut geschriebene Dialoge als auch die ein oder andere „bestechende“ Szene zu sehen. Insgesamt war mir das aber zu jugendlich-hektisch inszeniert. Man hat den Schock dem Grusel zu sehr vorgezogen. Dazu waren mir viele Figuren auch schlicht zu egal, sei es entweder, weil es nicht genug Zeit gab, sie zu etablieren, oder – noch schlimmer – weil sie zu langweilig waren. Oder eben im Sinne des „wer war es denn?“-Spielchens zu negativ befleckt wurden, damit auch ja jeder mal zum Verdächtigen wird. Dass die zwei bekanntesten Darstellerinnen (drei, wenn man Mary J. Blige als Mutti hinzunimmt) bis zum Ende (oder zumindest kurz davor) kommen, finde ich schon fast schade, weil man sich das hätte denken können.

Insgesamt bleibt also ein durchaus okayes Slasher-Kapitel, das einige schöne Referenzen an die Altwerke parat hält, aber in wenigen Punkten an die Vorstaffeln heranreichen kann. Besser als keine Staffel „Scream“, aber eben auch kein Grund, direkt die nächste anzufangen. Wenn man drei Jahre dafür gebraucht hat, braucht die nächste dann ruhig erst 2024 oder so zu kommen. Dann aber bitte richtig!

Bilder: VH1

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