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Es ist aktuell die heiß diskutierteste Science-Fiction-Serie: „Star Trek: Starfleet Academy“. Heiß diskutiert bedeutet, es gibt zwei Lager. Eines findet die Serie großartig, das andere hält sie für die Ausgeburt der Hölle. Und das ist nicht übertrieben – es wird gerade sehr viel Hass gegenüber der Serie geteilt, mit durchaus heftigeren Kommentaren.

Ich habe mir den Piloten angeschaut und ein Review verfasst. Inzwischen sind wir in der Mitte der ersten Staffel angekommen. Vom Piloten auf die ganze Serie zu schließen, mag unfair sein, deswegen schauen wir noch einmal genauer hin und werfen einen Blick auf rund fünf Stunden neueste Star-Trek-Inkarnation.

Star Trek: Starfleet Academy | Opening Title Sequence | Paramount+

Nach dem Piloten ist einiges passiert. Wir haben politische Entwicklungen mit Betazoiden gesehen, die erneut der Sternenflotte beigetreten sind. Dann gab es Highschool-Kitsch mit der Auseinandersetzung zwischen Sternenflotten-Kadetten und Kriegsschul-Studenten. Eine Klingonen-Folge war auch dabei, und Folge 5 lieferte Fanservice – dazu später mehr.
Der größte Hass-Aspekt im Internet ist der Vorwurf, dass „Star Trek: Starfleet Academy“ zu „woke“ sei. Diese Kritik wurde schon bei „Star Trek: Discovery“ angebracht. Und ja, homosexuelle Beziehungen werden gezeigt, und wir haben viele Frauen in Führungspositionen. Ob unser Klingone Jay-Den ebenfalls homosexuell ist, finde ich noch nicht so klar. Aber auch hier wird Kritik laut, dass das nicht zu den Klingonen passe.

Star Trek: Starfleet Academy | Classes Begin for the New Cadets (S1, E2) | Paramount+

Aus meiner Sicht stört mich der Wokeness-Grad (noch) nicht. Die lesbischen Beziehungen sind nicht Kern der Geschichte, es ist einfach so und nicht der treibende Aspekt der Erzählung. Bei „Star Trek: Discovery“ hatten wir den Aspekt, dass mit Gewalt eine nonbinäre Beziehung in den Vordergrund gestellt wurde, die keinerlei Bedeutung für die Geschichte hatte und absolut deplatziert wirkte. Für „Star Trek: Discovery“ würde ich den Punkt „zu viel Wokeness“ daher gelten lassen – für „Star Trek: Starfleet Academy“ nicht.

„Sitcom statt seriöser Science-Fiction-Serie“ wird ebenfalls kritisiert. Und ja, das kann man schon so sehen. Die Erwartungshaltung bei Star Trek ist einfach eine gewisse Ernsthaftigkeit. Nicht todernst, aber durchaus ernst. „Star Trek: Starfleet Academy“ geht sehr stark in die Comedy-Richtung. Und bei den komödiantischen Aspekten von „Star Trek: Starfleet Academy“ muss man leider sagen: Richtig witzig ist es nicht. Das Niveau ist vergleichbar mit einem durchschnittlichen Highschool-Film aus den 90ern. Ich für meinen Teil habe mich bei der Folge, in der die Kadetten mit dem Kriegskolleg aneinandergeraten, eher fremdgeschämt und nicht verstanden, was das ganze soll.

Star Trek: Starfleet Academy | Calica Tryouts (S1, E3) | Paramount+

Für mich ist der gewichtigste Kritikpunkt die Treue zur Star-Trek-Marke. Passt „Star Trek: Starfleet Academy“ zum großen Star-Trek-Universum? Antwort: Nein, tut es leider nicht. Zu „Star Trek: Discovery“ vielleicht. Aber allein der Punkt, dass die Sternenflotten-Akademie eigentlich für die Besten der Besten steht – all die Würde und Ehre der Sternenflotte wurde über Bord geworfen.

Natürlich kann man sagen: Warum muss man sich am Alten orientieren und nicht neue Wege einschlagen? Aber diesem Argument würde ich entgegenhalten: Niemand hat Paramount gezwungen, ihre „Space 90210“-Serie im Rahmen von Star Trek abzudrehen.
In der B-Note möchte ich auch hervorheben, dass ich sehr enttäuscht bin, wie stark man die Klingonen zurückgestuft hat. Man könnte fast meinen – im Kontext der Woke-Kritik, dass eine sehr maskulin geprägte Zivilisation, die auf Kampf, Stärke und weniger auf Diplomatie oder Gleichheit setzt, in diesem Star-Trek-Universum keinen Platz mehr hat. Und das ist gerade im Sinne von Akzeptanz und Vielfalt doch eigentlich sehr schade.

Star Trek: Starfleet Academy | Meet the Cadets | Paramount+

Zunächst wurden in „Star Trek: Picard“ die Romulaner ihrer Heimatwelt beraubt, und jetzt trifft es auch die Klingonen. Oder soll das den Bruch mit dem Alten darstellen? In jedem Fall finde ich es sehr schade.
Zu diesem Aspekt sei auch der Fanservice erwähnt. Mit dem Doktor aus „Star Trek: Voyager“ versucht man, eine Brücke zu Fans wie mir zu schlagen. Robert Picardo macht das auch wirklich gut – schade nur, dass er ausgerechnet in dieser Serie sein Comeback feiern muss.

Die fünfte Folge versucht dann noch, „Star Trek: Deep Space Nine“-Fans einzufangen. Und hier weiß ich wirklich nicht, was man erreichen wollte. Die Suche nach Sisko endet damit, dass Sam – um sie geht es in der ganzen Folge – mit einem Hologramm von Jake Sisko redet. Der nennt sie „Süße“. Warum? So hat Jake nie geredet. Und die Erkenntnis ist am Ende nur, dass Benjamin ein feiner Kerl war. Punkt. Kein Auftritt von Sisko, keine tiefere Erkenntnis, einfach nur eine seichte Erinnerung.
Der Stil der fünften Folge, sich auf Sams kindliches Niveau herabzubegeben, ist stellenweise sogar ganz unterhaltsam. Aber dafür hätte es Benjamin Sisko wirklich nicht gebraucht.

Fazit

Ich fasse zusammen: Die Serie ist nicht die Ausgeburt der Hölle. Sie verkauft keine Ideologie, wie es die Anti-Woke-Fans behaupten. Sie ist leider nur eine sehr seichte und belanglose Science-Fiction-Serie. Am meisten ärgert mich die fehlende Star-Trek-Kontinuität, die Degradierung der Klingonen und der halbgare Fanservice.
Insofern passt meine Ersteinschätzung nach wie vor: „Star Trek: Starfleet Academy“ ist belanglos. So spannend wie „Team Knight Rider“ in den 90ern. Man kann sie neben dem Putzen der Küche oder des Wohnzimmers laufen lassen. Wenn man 15 Minuten Dialog verpasst, macht das nichts. Deshalb werde ich wahrscheinlich auch weiter schauen – aber nur auf diesem kognitiven Niveau und mit Second Screen. Für die volle Aufmerksamkeit müsste die Serie deutlich mehr bieten.

Die Zukunft von Star Trek

Nachsatz: Selbst wenn man die ganze Kritik nicht nachvollziehen kann und der Serie noch etwas abgewinnen kann, sollte den Lenkern von Star Trek eines bewusst werden: Die ganzen lauten und wütenden Fans reichen doch als Publikum, um eine Serie im TNG-Ära-Stil neu aufzulegen.
Retro ist in. Ich wette, dass so eine Serie – klassische Föderation ohne dämlichen Brand, klassische Bösewichte wie Romulaner, Kardassianer und Co., dazu Technobabble – auch heute noch sehr gut funktionieren würde. Das alles fehlt in „Star Trek: Starfleet Academy“ leider komplett.
Der nächste Serienhit oder zumindest ein Publikumsliebling wäre geboren.
Los, Paramount – macht das doch mal.

Beitrag von:
Sonntag, 8. Februar 2026, 10:20 Uhr
Starfleet Academy
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Ein Kommentar

  • Ich habe bisher erst die ersten beiden Folgen gesehen – und finde es ehrlicherweise recht unterhaltsam. Wäre gut, wenn sich die Serie mehr für Humor und weniger für Teenie-Sprech entscheiden würde, das stört mich aktuell noch. Aber gerade bei der zweiten Folge musste ich schon einige Male schmunzeln; allein die „Pa-Pa-Pa-Pa-Pa-Pa-Papagena“-Sequenz ist natürlich großartig – auch im übertragenen Sinne, gerade die Zauberflöte in den Kontext der diplomatischen Auseinandersetzung zu stellen, das fand ich recht gelungen.

    Vermutlich ist es aber schon wie von Dir angedeutet eine grundsätzliche Frage, wieviel Humor Star Trek bieten darf/soll – ich hatte ja auch erst mit Lower Decks gefremdelt, war am Ende aber ziemlich angetan und fand’s recht witzig.

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