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101 für Nachrichten, 200 für Sport...

Kolumne: Videotext ist Kunst (und Kult) im TV

Spoilerfrei
13. August 2023, 08:13 Uhr
Spoilerfrei
Michael
13.08.23

Schonmal in den Videotext reingeschaut? Oder ist überhaupt klar, was Videotext ist? Vermutlich für viele nicht – wenn ich meine Kinder fragen würde, würden sie vermutlich nur ungläubig gucken. Immerhin ist der Videotext fast genauso alt wie ich (er wurde 1980 auf der Internationalen Funkausstellung präsentiert und löste Begeisterungsstürme beim TV-Publikum aus), und zumindest seit dem massentauglichen Aufkommen des Internets zur Jahrtausendwende hat der Videotext sicher für viele an Bedeutung verloren. Die Zahlen belegen das: Zur Hochphase 1997 gab es 44 Millionen verschiedene Nutzer der Angebote von ARD und ZDF – heute sind’s noch um die zehn Millionen. Aber – es gibt ihn eben noch (anders als BTX, das Telegramm & Co.), und er hat sich zu so etwas wie einer Kunstform gewandelt. Im wahrsten Sinne des Wortes: Aktuell läuft im ARD-Videotext eine Ausstellung, zu der zahlreiche internationale Künstler eigene Werke beigesteuert haben. Das zeigt: Videotext ist Kunst im TV!

Wenn man genau sein möchte, reden wir natürlich eigentlich von Teletext – so lautet die offizielle Bezeichnung. In Deutschland hat sich aber Videotext durchgesetzt, und ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da der Videotext dazu gehörte wie heute das Smartphone. Second-Screen-Information auf dem First Screen sozusagen. Kam mein Vater nach Hause, wurde erstmal beim Videotext durchgeguckt, was es so Neues gab – 101 für die Nachrichten oder 111 für die aktuelle Meldung. Ich hab‘ natürlich auf die 200 gewartet – Sport! Ab 300 gab’s das TV-Programm, hinten bei 500 dann noch das Wetter.

Wie ging das nochmal mit dem Videotext? In analogen Zeiten nutzte die Technik die sogenannte „Austast-Lücke“, also jenen Augenblick der Übertragung, in dem der Elektronenstrahl einer Bildröhre dunkel wird und an den Ausgangspunkt zurückspringt. So hatten sich das britische Techniker in den 70ern ausgedacht. Fun Fact: In Großbritannien gibt es übrigens keinen Videotext mehr. Und auf Nutzer:innen-Seite? Dazu gab’s (bzw. gibt’s) einen Knopf auf der Fernbedienung, normalerweise so ein Rechteck mit ein paar Strichen drin. War man drin, konnte man Nummern eingeben und der Suchlauf wurde gestartet. Später ging’s schnell, da wurde blockweise gesprungen, oder man konnte vor- und zurückwählen. Auf unserer Fernbedienung hab’s übrigens einen kleinen Schieberegler, mit dem man den Videotext zuschalten konnte – cool!

Mein Highlight früher – aktuelle Spielstände von Fußball-Spielen. Klar, Bundesliga gab’s über die Radio-Konferenzschaltung, aber zweite Liga und tiefer (sorry, Nischeninteresse, ich weiß), das gab’s damals nur im Videotext. Videotext 90 Minuten im Dauerbetrieb, an den lilafarbenen Ziffern beim Spielstand konnte man erkennen, ob das Spiel noch lief. Im Hintergrund lief das TV-Programm, anfangs nur als Ton, später konnte man den Videotext auf transparent schalten, so dass nur die Schrift zu sehen war, der schwarze Hintergrund wurde ersetzt durch das TV-Livebild.

Bestückt wird der Videotext von einer Nachrichtenredaktion. Und es gab sogar den Job „Grafiker Videotext“ – würde ich heute gerne mal in einem Lebenslauf oder auf einer Visitenkarte sehen. Zurück zum Kunst-Thema – die ARD hat sich daran gemacht, sich künstlerisch mit dem Videotext auseinander zu setzen. Die Idee: Was passiert, wenn man engagierten Teletext-Künstler:innen die Stichworte „Sommer und Teletext“ an die Hand gibt? Klötzchenkunst! Der ARD Text präsentiert auf den Seiten 840ff fast den ganzen August hindurch die daraus entstandene On-Air-Ausstellung „Sommer des Teletextes“ mit Arbeiten von 17 Künstler:innen aus Großbritannien, Deutschland, Österreich, Belgien, Indonesien und den USA. Die Teletextwelt wurde mit nur wenigen Pixeln, sechs Farben plus Schwarz und Weiß geschaffen. Die teilnehmenden Künstler:innen sind Carl Attrill (Großbritannien), Sarah Burgess (Großbritannien), Ceefaux (Großbritannien), Wim Dewijngaert (Belgien), Dan Farrimond (Großbritannien), Muhammad Fidyan Genial (Indonesien), Max Haarich (Deutschland), Dave Hingley (Großbritannien), Andy Jenkinson (Großbritannien), Justadude (Großbritannien), littlebitspace, Logiker (Österreich), Losso / Alex Grupe (Deutschland), Anton Van Oosbree (USA), Pixelblip (Großbritannien), Polyducks (Großbritannien) und tius / Matthias Waldorf (Deutschland).

UPDATE: Zum Thema Teletext habe ich Radio Basilisk in der Schweiz ein kurzes Interview gegeben – hier kann man reinhören:

Bilder: ARD Text

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