Staffelauftakt im Kino mit neuem Doktor

Doctor Who S08E01 – Deep Breath

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Nicky
24.08.14

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Ich bin zwar nicht krank, war gestern Abend aber trotzdem beim Doktor. Denn die erste Episode der achten Staffel von Doctor Who feierte weltweit Premiere. Während britische Zuschauer gemütlich den Fernseher an und BBC einschalten konnten, durften es sich deutsche Whovians im Kinosessel mit Popcorn, Nachos und Softdrinks bequem machen.

Als das Licht im Saal ausging, war nicht nur ich ganz aufgeregt und in freudiger Erwartung auf den neuen Doktor, sondern auch die Zuschauer links und rechts neben mir. Bereits im Vorfeld hochgelobt, tritt der zwölfte Doktor in große Fußstapfen und muss sich erst in die Herzen der Fans spielen. Zumindest ist es bei mir so, denn keiner der bisherigen Doktoren hatte es in meinen Augen leicht. Denn sobald es einen neuen Doktor gab, hatte ich mich bisher immer geweigert, weiterzuschauen. Irgendwann war die Neugier allerdings so groß, dass ich es doch nicht aushielt. Und siehe da – jeder der Schauspieler war einmalig und konnte durch seine eigene Interpretation des Doktors überzeugen, so auch der neueste im Bunde: Peter Capaldi.

Eröffnet wird die erste Folge der achten Staffel nach dem Fanmade Intro mit einer Videobotschaft von Strax (Dan Starkey). Der kleine rundliche Sontaraner resümiert alle Doktoren, kommt jedoch während der Aufzählung durcheinander und weiß nicht ganz ob der neue Doktor nun der elfte, zwölfte oder vielleicht auch der dreizehnte ist. Szenenwechsel: Wir befinden uns im viktorianischen London und stoßen gleich auf bekannte Gesichter. Madame Vastra (Neve McIntosh), ihre menschliche Ehefrau Jenny Flint (Catrin Stewart) und Strax beobachten ein seltsames Phänomen: Ein Tyrannosaurus Rex stolziert durch die Londoner Innenstadt am Big Ben vorbei und spuckt würgend die TARDIS aus. Wenige Augenblicke später, sieht man schon Peter Capaldi in Großaufnahme auf der Leinwand. Wie nach jeder Reinkarnation steht ihm zunächst Verwirrung ins Gesicht geschrieben, er verwechselt Clara (Jenna Coleman) mit Strax und hält einen Plausch mit dem Dino – bis zu dem Moment, in dem er in Ohnmacht fällt und erst im Haus von Madame Vastra und Jenny wieder aufwacht. Diese hoffen darauf, dass der Doktor das Urzeitwesen schnell zurück in seine Zeit befördert. Doch daraus wird nichts, als der T-Rex plötzlich in Flammen aufgeht. Ebenso wie viele weitere Londoner, die sich in letzter Zeit spontan selbst entzündet haben. Für den Doktor ergibt sich dadurch ein erster Fall.

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Im Vordergrund des Staffelauftaktes steht allerdings weniger die Handlung um den Gegenspieler, der als Roboter menschliche Ersatzteile nutzt, um sich selbst so lange zu erhalten bis er the promised land findet, als viel mehr Claras Skepsis gegenüber dem neuen Doktor. Für sie wirkt die Verwandlung besonders befremdlich, gibt es doch einen extremen Altersunterschied zwischen dem bisherigen jüngsten Doktor Matt Smith und dem neuen ältesten Doktor Peter Capaldi. Zuvor als möglichen boyfriend empfunden, wirkt der neue Begleiter zumindest vom Alter her eher wie Claras Vater. Doch nicht nur äußerlich hat sich der Doktor verändert, auch sein Verhalten erlebt einen Wandel. Einerseits gibt es noch immer diese irren Momente, in denen man den Doktor durch seine liebenswürdige Abgedrehtheit ins Herz schließt (beispielsweise als er im Nachthemd über die Dächer Londons spaziert und zu einem Kutscher meint „Shut up, I was talking to the horse“), andererseits erleben wir auch einen düsteren, abgeklärten und gleichzeitig unsicheren Mann. Als Reaktion auf sein Spiegelbild glaubt er, dass ihm sein Unterbewusstsein eventuell mit der Wahl des neuen Äußeren etwas sagen will…

„Shut up! I was talking to the horse“

Ein Highlight in Deep Breath, wo jedem Zuschauer der Atem stockte, war der Moment, als der Doktor seine Begleiterin in den Fängen des Roboters allein gelassen hat – untypisch für den Doktor, den Clara kannte. Als sie allerdings ihre Hand nach hinten ausstreckt und inständig hofft, dass der Doktor die Hand ergreifen und sie retten wird, ist er natürlich da und beweist, dass er Clara nie im Stich lassen würde.

Dass der Doktor im Kern noch immer derselbe ist, zeigt sich auch am Ende der Episode – mein persönlicher Höhepunkt. Die Szene spielt sich vor der TARDIS ab, der Doktor will Clara zu Hause absetzen, weil er den vermeintlich richtigen Eindruck hat, dass sie nun nicht mehr mit ihm reisen möchte. In diesem Moment klingelt ihr Handy und am anderen Ende ist der Doktor – IHR Doktor, welcher aus der Vergangenehit anruft und sie inständig bittet, seinem zukünftigen ich nicht nur eine Chance sondern auch Halt zu geben. Er charakterisiert sich selbst als ängstlichen, unsicheren und verletzten Mann, der Clara unbedingt an seiner Seite wissen will. Erst als sie feststellt, dass der neue Doktor die Erinnerung an diesen Anruf auf der Vergangenheit hat, erkennt sie, dass es derselbe Mann ist, nur mit grauen Haaren und mehr Falten im Gesicht.

Fazit: Eine Episode, die unbedingt ins Kino musste, war Deep Breath nicht. Zwar ist ein neuer Doktor immer ein Phänomen für sich und die Reaktionen seiner Umwelt bringen Spannung in die Folgen, aber die Story um den bösen Roboter war dann doch irgendwie 0-8-15. Mich persönlich hatte Capaldi schon recht früh in der Folge als neuer Doktor überzeugt: Er wacht in Madame Vestras Haus auf, will dem in Flammen aufgegangenen Dinosaurier zu Hilfe eilen, rennt zur Tür, schaut skeptisch und nuschelt vor sich hin „Door? No, that´s not me…“, springt im Nachthemd aus dem Fenster, rennt über die Dächer Londons und bleibt kopfüber im Baum hängen. Wir werden sicherlich viel Spaß mit der neuen Staffel Doctor Who haben, da bin ich mir sicher!

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