Soundtrack der Woche #67

Musik in: Black Mirror, Nosedive (Max Richter)

Mini-Spoiler
Michael
14.11.16

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Neue Folge unserer Serie „Soundtrack der Woche“: Hier stellen wir Euch regelmäßig Scores, Tracks und Musik-Alben zu unseren Lieblingsserien vor. Dabei gehen wir einerseits auf die Akteure hinter dem Soundtrack ein, aber natürlich auch ausführlich auf die Musik selbst – und ihre Wirkung auf die Serie. Folge 67: Black Mirror, Nosedive.

Die Serie – darum geht’s

„Black Mirror“ ist eine britische Science-Fiction-Miniserie, deren erste Staffel im Dezember 2011 vom britischen Sender Channel 4 ausgestrahlt wurde. Staffel 2 folgte im Februar 2013, jetzt ist gerade die dritte Staffel auf Netflix erschienen. Die Staffel ist in sechs verschiedene Episoden unterteilt, Folge 1 heißt „Nosedive“, und um die geht es hier. Das Leben von Lacie (Bryce Dallas Howard), einer Büroangestellten, dreht sich in dieser Folge vorrangig darum, möglichst wenig anzuecken, freundlich durchs Leben zu gehen und jedem Menschen ein Lächeln zu schenken. Denn jeder Mensch wird jederzeit von den Mitmenschen bewertet (1-5 Sterne) und die Welt ist nahezu komplett auf diese Bewertungen ausgerichtet. Und Lacie lebt dieses Leben mit voller Wonne. Man könnte wohl zurecht behaupten, dass Lacie recht obsessiv darum bemüht ist, ihren 4.3 Status zu halten und wenn möglich auszubauen.

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Dann trifft sie einiges Tages eine Freundin aus ihrer Teenagerzeit wieder und sie ist in dieser Welt ein wahrer Sternestar. Ist Naomi Lacies Chance ihren Status auszubauen und endlich die große Anerkennung zu bekommen, nach der sie sich so sehr sehnt?

Hinsichtlich des Inhaltes und der Struktur der Serie bemerkte Produzent Charlie Brooker gegenüber dem Guardian, dass „jede Episode eine unterschiedliche Besetzung, einen unterschiedlichen Schauplatz, gar eine unterschiedliche Realität“ besitze. Sie handelten aber alle von „der Art, wie wir alle leben und wir innerhalb von 10 Minuten leben könnten, wenn wir ungeschickt wären“.

Mehr zu den Folgen der dritten Staffel hat Tobias in seinem Review geschrieben.

Der Komponist

Max Richter haben wir hier schon zweimal vorgestellt, jeweils mit seinen Arbeiten zu der Serie „The Leftovers“ (Staffel 1 & 2). Der Komponist und Musiker wurde in Deutschland geboren, ist in England aufgewachsen und lebt heute in Berlin. Er komponiert einerseits viel Filmmusik, auf der anderen Seite hat er auch einige Alben mit „klassischer Musik“ (passt begrifflich nicht ganz, lässt sich so aber am leichtesten einsortieren) veröffentlicht. Das Recomposed-Album hatte ich ja bereits erwähnt. Nachdem ich das Album gehört hatte, habe ich mich an die ersten Alben Memoryhouse und The Blue Notebooks herangetraut. Sie gefielen mir auf Anhieb, vor allem die Kombination aus getragenen, orchestrierten Melodien und sphärischen Elektronikklängen. Die Stücke auf The Blue Notebooks sind außerdem angereichert mit Kafka-Texten, die von der Schauspielerin Tilda Swinton vorgelesen werden.

Staffel 1 von „The Leftovers“ war Max Richters erste TV-Produktion. Das Produzenten-Team Damon Lindelof und Peter Berg hatte sich unabhängig voneinander Max Richter ausgeguckt, wie der Komponist in einem Interview mit The Playlist anmerkt. Damon Lindelof erinnerte sich an Max Richters erste Alben und rief ihn an. Executive Producer Peter Berg war auf Max Richters Musik über das Broadway-Musical Macbeth aufmerksam geworden. Als sich beide über ihren jeweiligen Favoriten in Sachen Score unterhielten, merkten sie, da beide von der gleichen Person redeten. Max Richter las daraufhin das Skript und war fasziniert vom Stoff und von der Art und Weise, wie er geschrieben war. Von da an ließ ihn „The Leftovers“ nicht mehr los und er sagte für seine erste TV-Produktion zu.

Auch die Produktion für eine Serie selbst macht Max Richter demnach großen Spaß. Man sei mit einer einfachen Sprache gestartet, und im Laufe der Serienprodutkion wachse das Reservoir an Material immer stärker an. Er bedient sich dabei an Elementen der ersten Folgen und entwickelt diese im Laufe der Staffel weiter. Für ihn sei es schön, mit dem Material für eine längere Zeit zu leben. Bei Kinoproduktionen sei die zeit arg komprimiert – und damit auch der Schaffensprozess. Für ihn ist die Arbeit für eine Serie wie eine Skulptur, die man sich immer mal wieder ansieht, jeweils aus unterschiedlichen Perspektiven und mit verschiedenen Ansätzen. Beim Komponieren für „The Leftovers“ konnte er das Material immer wieder aus unterschiedlicher Position annehmen und bearbeiten.

Bei „Black Mirror“ hat Max Richter schon die Grundidee gefallen, wie er Fact gegenüber betont:

I thought the story was fantastic. The whole Black Mirror universe is really interesting. Charlie’s writing is really spot on – he’s like a fortune teller, isn’t he? Especially in ‘Nosedive’ – it feels like it’s just round the corner, and I think the themes are very important. Not only in terms of making a wonderful bit of drama, but actually in the society right now that we live in. You see it coming down the tracks towards us all, and it’s great to be able to take a look at it in that fictional safe space.

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