"I got a feeling that I can´t let go"

Review: Bosch – Staffel 2

Mini-Spoiler
Tobias
27.05.16

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Vor ein bisschen mehr als einem Monat wurde die zweite Staffel von „Bosch“ bei Amazon Prime freigeschaltet – und ich habe es einfach übersehen. Erst mit der Meldung zur Fortsetzung wurde mir wieder bewusst, dass ich da noch etwas nachzuholen habe. Nachdem ich eine andere Staffel einer anderen Serie beendet hatte, war nun Zeit für „Bosch“.

Und ich schiebe es nicht auf die lange Bank sondern formuliere es gleich am Anfang: irgendwie hatte ich mir mehr versprochen?! Etwas anderes. Enttäuscht bin ich aber auch nicht. Weird?

Handlung

Im Mittelpunkt der zweiten Staffel steht dieses Mal kein Serienkiller sondern ein Mord an einem Filmproduzenten, der unsere beiden Detectives zehn Folgen lang beschäftigt. Bosch selbst ist erst kurz vorher wieder in den aktiven Dienst zurückgekehrt, nachdem er im letzten Staffelfinale suspendiert wurde, da er einen Vorgesetzten unsanft (geht auch sanft?) durch eine Scheibe geworfen hatte. Sein Kollege Edgar war eine Zeitlang einem anderen Kollegen zugeordnet, aber das Dreamteam ist schnell wieder gemeinsam in der Spur und unterwegs.

Bevor es aber richtig losgehen kann, musste erst noch der „Dreitagebart“ runter. Der Tochter missfiel das Gestrüpp. Gut dem, der einen Bart aber keine Tochter hat. Mit ein wenig Pflege hätte unserem Hieronymus der Bart bestimmt gestanden und auch seiner kritischen Tochter gefallen.

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Der Fall führt Bosch sogar bis nach Las Vegas wo jene Tochter lebt und seine Ex Frau immer noch ihrem Kartenspiel nachgeht. Wenn auch nicht mehr so euphorisch wie gewohnt. Auch die Beziehung zu ihrem Partner scheint Risse zu haben, zudem drücken Eleanor wohl auch etwas Geldprobleme. Im Laufe der Staffel deuten sich aber Hilfen an, die dazu führen könnten, dass sie in ihrem alten Beruf, Profiler beim FBI, wieder anfangen könnte. Damit verbunden wäre dann wohl auch wieder ein Umzug nach Los Angeles. Schauen wir mal was die dritte Staffel hier bringen wird.

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Nach und nach deuten sich im Hauptfall der Staffel Verwicklungen des Toten zur armenischen Mafia an, auch das FBI hat so seine Finger mit ihm Spiel. Allerdings stellt sich am Ende etwas ganz anderes dabei heraus.

Der andere große Handlungsbogen gehört dem Sohn von Deputy Chief Irving, der Undercover gegen Kollegen eingesetzt wird, die – sagen wir es mal so – es nicht allzu genau mit dem Gesetz nehmen und selber groß Kasse machen. George kann sehr schnell das Vertrauen der korrupten Kollegen erlangen und dringt so immer tiefer in den eigenen Sumpf. Und kommt dabei um. Nun ist es an Shief Irving selbst, die Mörder seines Sohnes zu finden. Er tut dies ebenfalls im Geheimen und holt sich dazu Bosch an seine Seite.

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Als dritten Plot, wenn man so will, hätten wir noch das politische Geschäft der Stadt, die Bürgermeisterwahlen stehen ins Haus und die Kandidaten versuchen sich entsprechend in Stellung zu bringen und Koalitionen zu bilden, vorrangig mit Chief Irving, einem prominenten und beliebten Mann der Stadt. Dieser ist aber mehr als vorsichtig, mit wem er sich vor die TV Kameras blicken lässt.

Im Staffelfinale fließen dann natürlich wieder alle Stränge zusammen und am Ende kann Bosch wieder in aller Ruhe seine Jazzplatten auflegen, hoch über der Stadt und mit einem berauschenden Blick auf diese. Der weiß schon zu residieren, dieser Bosch.

Meinung

Als ich so in der Mitte der Staffel bemerkte bzw. eine Ahnung entwickelte, wie die Zusammenhänge sind, wer welche Rolle zu spielen hat, war ich etwas enttäuscht. Die zweite Staffel hat eine ganz andere Stimmung als die erste Staffel, in der wir einer rauschenden und spannenden Jagd eines Serienkillers beiwohnen konnten. Zudem hatten wir mit Jason Gedrick als Raynard Waits einen angsteinflößenden Serienkiller und Gegenspieler Boschs. Dieser potente Gegenspieler fehlt in der zweiten Staffel. Es kristallisiert sich zwar ein „harter Hund“ als finaler Gegenspieler am Ende doch noch heraus, aber dieser kommt so gar nicht an das Format eines Raynard Waits heran. Leider.

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Dafür lässt die zweite Staffel den anderen Figuren der Serie deutlich mehr Freiraum als noch in der ersten Staffel, in der sie meist „nur Beiwerk“ oder Handlanger für Bosch waren. Das kommt ganz gut. Auch die Fortsetzung der immer noch engen Verbindung zwischen Bosch und seiner Ex Frau Eleanor wird sinnvoll vorangetrieben, dieses Mal rein auf der emotionalen und familiären Ebene, ihre professionelle Hilfe benötigt Bosch in dieser Staffel nicht.

Natürlich kommt es zur erwarteten zwischenzeitlichen Entführung der Tochter und von Eleanor aber diese Episode wurde m.E. nur genutzt, um uns nochmal den Familienvater Bosch in Erinnerung zu rufen, uns zu vergewissern, dass er für seine Familie alles tun würde. Die Entführung selbst weilte nur kurz und wurde auch viel zu schnell wieder gelöst. Und zu einfach. Das hätte auch anders realisiert und inszeniert werden können. So richtig Gefahr wollte sich nicht einstellen.

Wenn einem Bosch in der ersten Staffel noch zu unnahbar vorgekommen sein sollte, der sollte seinen Spaß in der zweiten Staffel haben. Denn der Bosch der zweiten Staffel ist lange nicht so hart und unerbittlich wie noch zu Beginn der Serie. Diesen leichten Charakterwechsel bekommen sie in meinen Augen sehr gut hin. Man darf dies aber nicht mit einer geringeren Zielstrebigkeit Boschs verwechseln.

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Die zweite Hälfte des Plots um den getöteten Sohn von Chief Irving brachte dann auch endlich etwas Fahrt in die gesamte Staffel, leider kann man mit diesem Part auch die nervigste Geschichte der zweiten Staffel verbinden, es kommt nämlich zum Bruch zwischen Irving und seiner Frau. Die wurde nämlich belogen, sie dachte, ihr Sohn wäre längst von der Straße und in einer sicheren Stellung, das man ihr von der Undercoveraktion nichts erzählt hat, sollte auf der Hand liegen. Aber dennoch hat sich Connie Irving in den Kopf gesetzt dass nur ihr Mann die Schuld am Tode von Georg trägt. Rein emotional gesehen völlig nachvollziehbar, dennoch war sie die Mutter eines Polizisten und die Frau eines Chiefs. Da muss man in meinen Augen anders reagieren, vorbereitet sein. Für mich war dies der schwächste Part da für mich schwach verkörpert und nicht wirklich nachvollziehbar gespielt.

Alles in Allem macht Bosch aber weiterhin viel Spaß und hält einem über die gesamten zehn Folgen gut bei Laune. Es ist zwar deutlich weniger spannend als noch in der ersten Staffel, dafür ist es zwischen den beteiligten Figuren ausgeglichener. Bosch steht nicht mehr so im Fokus obwohl er dies natürlich dennoch tut.

Bosch ist nun nicht mehr der einsame Krieger, der sich auf einem persönlichen Kreuzzug gegen die Ungerechtigkeit der Welt befindet sondern ein sehr guter Cop mit genug Charisma für weitere Staffeln und einem guten Musikgeschmack.

Schlussendlich muss ich wohl dann doch sagen, dass ich zufrieden mit der zweiten Staffel bin. Auch wenn sie anders war, als das, was ich erwartet hatte. Aber es ist nicht schlechter, als das, was ich erwarten konnte. „Bosch“ ist und bleibt eine sehr unterhaltsame Cop Serie mit dem gewissen extra Schuss hardboiled Detective.

So muss das sein, so darf es bleiben.

Bilder: Amazon

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