Tiefer Fall

Review: Fear The Walking Dead S05E15 – Channel 5

SPOILER !!
Maik
23.09.19

Hallo, ich bin Maik („Hallo, Maik.“). Willkommen zur dieswöchigen Sitzung der Gruppe „Fear ‚Fear The Walking Dead'“. Leider habe ich wenig bis keine Ratschläge, das Unheil zu mildern, aber vielleicht hilft es ja, darüber zu sprechen schreiben…

Die neue Folge startet direkt mal mit einem eher umstrittenen Stilmittel – noch ein Werbevideo, dieses Mal für Virginia und ihre Reiterstaffel. Ganz nett als Charakterisierung der neuen Gruppe ist, dass eigentlich in einem negativen Kontext getroffene Aussagen Toms so in andere geschnitten wurden, dass sie positiv erscheinen. Ein Hoch auf die Propaganda! Der Effekt wird allerdings mal wieder dadurch zerstört, dass den dummen Zuschauern x-fach erklärt wird, dass das nicht die feine Art ist. Wirklich viel schlauer über Jennys Organisation sind wir jedoch nicht geworden, lediglich die Info, dass es sich bei den auf der Karte zu sehenden Orte um den bereits besuchten Wohnkomplex, eine Bowling-Anlage, eine Holzfällerei, eine Rollschuhbahn und einen Country Club handeln soll. Das lässt das Kopfkino zumindest schon mal anrollen.

„It‘s not the truth.“ (Al)

Al ist von der neuerlichen Nutzung des Retro-Tapings ebenso wenig erfreut wie ich es bin. Schlimmer finde ich jedoch, dass der eigentlich nett gemeinte Übergang über die Verkleinerung der Ansprache auf den Fernseherbildschirm durch halbgare Umsetzung zunichte gemacht wird. Es gibt keine wirklichen Licht-Reflektionen im Raum, die Mattscheibe hat OLED-Qualität und kann das Gerät sich nach Ende des Bandes selbst abstellen? Es sind die kleinen Dinge, verdammt nochmal. Wobei, wer soll das erwarten, wenn die großen Dinge bereits gekonnt verkackt werden?!

Gerade, als man denkt, die Doku-Welle sei (zum Glück) nur eine kurze Einstiegs-Referenz zum Midseason-Auftakt gewesen, startet die Folge auch bei unserer Gruppe zunächst wieder im alten Doku-Stil. Und so beginnt der Wettstreit, welche Gruppe im kommenden Jahr den Emmy für die besten TV-Doku erhalten wird. Mein Tipp: niemand. Immerhin gibt es durch die Situation, dass Figuren die Kamera zum Filmen abstellen ein paar unkonventionelle Perspektiven zu sehen. Das war es dann aber auch.

„We need good people, and there aren‘t many left. There aren‘t many people left, full stop.“ (Virginia)

Ansonsten ist vieles beim Alten. Grace lebt noch – mal mehr, mal weniger – aber nicht nur kann Neverending-Morgan ihr einfach nicht erzählen, was er sagen will, es hat auch niemand ein Glas Wasser für sie. Totaaaal überraschender Weise war die gerettete junge Frau am Funkgerät tatsächlich Toms lang vermisste Schwester Jeanice. Und selbst Alicia kann nicht recht erklären, was diese ganze Malerei-Sache eigentlich genau soll.

Dann soll uns noch glaubhaft gemacht werden, dass man wirklich ganz dolle nach diesem perfekten Aufenthaltsort für die Gruppe sucht. Man grast und kreuzt Orte ab als Möglichkeiten und bis auf einen recht unzusammenhängenden kurzen Gedanken Daniels spricht niemand über das Einkaufszentrum. Stattdessen wird lieber alles auf eine auf alt getrimmte und vermutlich recht schlecht geschützte Western-Stadt gesetzt. Das macht Sinn. Keinen.

Aber es war nicht alles schlecht. Die One-Shot-Flucht-Szene über die Brücke war ganz angenehm choreografiert (bis auf Als seltsamen Kampfstil). Aber dann heißt es nicht nur „Bye, Tanker“, sondern auch „Bye, Tom“. War schön, dich anderthalb Folgen gekannt zu haben. Die emotionale Wirkung ist auch hier natürlich gewohnt gering ausgefallen, von der Vorhersehbarkeit der Sache mal abgesehen.

Nach 30 Minuten ist der Spuk zum Glück vorbei. Also, die VHS-Wackelkamera-Optik, der Rest bleibt leider noch eine Weile. Gut, dass die Speicherkarte in Toms Kamera den Sturz anscheinend unbeschadet überstanden hat. Das stimmt Morgan gar so froh, dass er bei der verzweifelten Aussage, dass die Tages-Wander-Etappe „nicht leicht“ werden würde, kaum aus dem Lachen raus kommt.

Das Ende der Folge lässt dann die letzte Mittelmäßigkeit weichen und macht Platz für Augenrollen und Abwinken. Anscheinend hatten alle mit einem super aufgeräumten Vier-Sterne-Resort gerechnet, aber nein, da befinden sich einige Walker auf dem Gelände. Wer hätte das denn gedacht?! Okay, es sind ein paar mehr, aber nichts, was nicht bereits von kleineren Gruppen mit weniger Ausrüstung in anderen Serien recht problemlos bereinigt worden wäre. Da sind massenhaft Zäune, da können die doch einfach mit Messern, Stöckern und abgebrochenen Auspuff-Metall-Dingens entlang gehen, oder nicht?! Ein bisschen Kreativität kann auch nicht schaden. Aber nein, man schafft diese künstlich erscheinende „Utopie“, damit die Charaktere den Weg gehen, den sie Minuten zuvor noch als unmöglich angesehen hatten: Virginia um Hilfe bitten. Da will ich es Dwight gleichtun und einfach nur umdrehen und gehen…

„Now, I‘m a part of this bullshit…“ (Wes)

Puh… Wenn selbst ich zu derart niedrigen Wertungen greife, muss da schon viel im Argen liegen. Zumindest war das nochmal schlechter als vergangene Woche, vor allem aufgrund des erneuten Rückgriffes auf diese schlicht nicht funktionierende Retro-Inszenierung im Doku-Stil. Und um die Relation zu wahren, bleibt halt nicht mehr viel unter zwei Kronen.

Viele Charaktere verhalten sich nur noch mitlaufend, Rationalität ist Irrglauben und irgendwelchen scheinromantischen Ideologien gewichen. Und selbst in der eigentlichen Logik-Welt der Gruppe und Serie wird sich nicht konsequent verhalten und binnen einer Folge werden Verhaltenswechsel durch scheinbare Hindernisse hervorgebracht, die sowas offenkundig konstruiert sind. Auch wenn der Doku-Stil natürlich einiges an vor allem visueller Qualität auf der Strecke liegen lässt, bleiben selten packende Dialoge und die Story ist einfach nicht mehr ernst zu nehmen. Wir befinden uns eine Episode vom Staffelfinale entfernt und der große Cliffhanger ist, dass sie bei einer Frau/Gruppe um Hilfe bitten, mit der sie eigentlich nichts zu tun haben wollen. Bin ich froh, wenn das nächste Woche zumindest vorerst vorbei ist und ich „Chan(n)el No. 5“ abschalten kann.

Bilder: amc

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