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Morty ruiniert "Spaghetti Night"

Review: Rick and Morty S07E04 – „That’s Amorte“

ACHTUNG: SPOILER !!
9. November 2023, 15:18 Uhr
SPOILER !!
Maik
09.11.23

So langsam aber sicher hole ich die jüngsten Folgen „Rick and Morty“ auf, so dass ich ab nächster Woche wieder pünktlicher in Sachen Reviews unterwegs sein sollte. Die aktuelle Folge „That’s Amorte“ hat mir jedenfalls ganz gut gemundet, so viel sei schon einmal verraten. Wobei an dieser Stelle auch eine Unverträglichkeits-Warnung ausgesprochen gehört: Die Episode handelt nicht nur dezent sondern morbide-direkt vom Thema Selbstmord.

Dass irgendwas am im Cold Open gezeigten Setting nicht stimmt, dürften Fans der Serie binnen Sekunden bemerkt haben. Statt einem ausgetauschten Rick oder einer die Gedanken manipulierenden Tomatensauce haben wir es jedoch mit Spaghetti zu tun, die aus Menschen besteht. Nein, kein klassischer Kannibalismus, die Spaghetti werden aus den Torsos von Verstorbenen entnommen, die sich selbst das Leben genommen haben. Das betrifft jedoch lediglich Individuen auf einem fremden Alien-Planet, auf dem so ziemlich alles exakt wie bei uns zu sein scheint, außer, dass man das Konstrukt „Spaghetti“ nicht kennt.

„Hey, big boy. Are you depressed? Uhh… Mama likes depression. Huh – uppsie! I spilled my milk – now we’re both sad.“ (Bad Family Therapist Farm Girl)

Morty wird zum Spaghetti-Planeten „42-Kepler-B“ zurückgebracht, um als Botschafter zu fungieren. By the way: Den Exoplaneten (also erdähnlichen Planeten) Kepler-42 b gibt es übrigens wirklich, ob es dort Spaghetti zu holen gibt, ist aber bis dato nicht bekannt.

Die weitere Handlung verknüpft irdische Fleischkonsum-Diskussionen mit Kapitalismus-Kritik. Erst geht es um „Guilt-free“ Spaghetti, die man gewissenhaft zu sich nehmen kann, aber Morty will unbedingt den Namen derer wissen, die er da verspeist. Sein Wunsch soll sich ins Abstruse überdreht überfüllen, befinden sich doch auf schnurstracks rausgebrachten Konservendosen der „Morty-O’s“ Knöpfe, die Hologramm-Botschaften der einen guten Appetit wünschenden Verstorbenen abspielen. Na dann – guten!

„The only reason you’re still alive is because you don’t turn delicious when you die!“ (Rick)

Der ganze Planet richtet sich auf den neu gefundenen Wirtschaftszweig aus – es gibt Nudelsiebe an der Brücke mit der höchsten Selbstmordrate, die Sonne wurde in einen Depressionen fördernden Grauton gefärbt und das Radioprogramm spielt gar keine Musik mehr (nicht mal Enya!). Ein Selbstmord-fördernder Kapitalismus in der Reinform. Leider müssen wir uns in diesem Moment eingestehen, dass unsere reale Welt vielleicht nicht so cartoonhaft überzeichnet ist, aber keine unähnliche Entwicklung durchmacht.

„Uhh, grey areas – my specialty!“ (Rick)

Morty überredet Rick dazu, Alternativen zu schaffen. Der Schnitt vom Gedankenspiel um ein utopisch erscheinendes Klon-Programm hin zur gerade mal drei Tage später aus dem Ruder laufenden Umsetzung hat mir gut gefallen. Ebenso demonstrieren die folgenden genetischen Experimente gut, welch bescheuerte „Lösungen“ die Industrie und Politik zunächst angehen möchte, um auch ja nicht alles am Grundsatz-Problem verlieren zu müssen. Stattdessen werden Menschen-ähnliche Geschöpfe zu schaffen, die es gerade so hinbekommen, sich selbst umzubringen. Praktischerweise geschieht das direkt am Fließband, wo die gezüchtete Spaghetti in Packungen mit der Aufschrift „It’s people!“ abgefüllt wird. Sind wir Zuschauer gerade damit beschäftigt, uns zu überlegen, vor wie vielen Minuten die moralische Grenze endgültig unterwandert worden ist, stoßen noch gegensätzlich denkende Protestgruppen aufeinander, die unsere moderne „Diskurs“-Gesellschaft abbilden. Nebenbei gibt es zudem erneut einen Seitenhieb auf den aufkeimenden Faschisten-Anteil (richtig so!).

„How long does a society take to collapse?“ – „Let’s find out.“ (Spaghetti-Präsidentin & Rick)

Die vermeintlich finale Lösung steht liegt mit Fred bereit. Der im Sterben liegende alte Herr stimmt ein, das letzte Opfer zu sein, damit Rick auf Basis seiner Selbstmord-Spaghetti-Verwandlung eine synthetische Kopie erstellen kann (quasi die Erbsen-Eiweiß-Soja-Variante?). Sein Leben bekommen wir in einem hoch-emotionalen Schnelldurchlauf geboten, der an Montage-Videos älterer „Rick and Morty“-Folgen erinnert. Die ausführliche Achterbahnfahrt bietet uns Liebe, Liebeskummer, die umjubelte Erfindung von LEGO – äh, „Fredblox“, die Offenbarung, dass man auf diesem erdgleichen Planeten „Friendbook“ nutzt und am Laptop mittels einer mittig auf der Tastatur angebrachten Mauskugel navigiert (Flashback für alle älteren unter uns, die damit leben mussten), und viel Marmelade. Erst nahm ich an, der prominent gezeigte hohe Marmeladen-Konsum hätte zu einer Geschmacks-Verfärbung geführt, aber wer weiß, vielleicht ist das ja auch ganz normal für die Spaghetti-„Erdlinge“. Aber nein, Ricks Plan war es von vornherein, durch die emotionalisierte Darbietung Ekel anstelle von Appetit zu setzen. Dass das derart leicht und umfassend aufgeht, ist zumindest mal diskutabel, aber so wird uns gezeigt, dass auch moralische Flexibilität ihre Grenze hat, an der aus Zurechtbiegen Brechen wird (im wahrsten Sinne des Wortes…).

„You’re asking whether this was a story about right and wrong, the answer is: I don’t care.“ (Rick)

Mir haben allgemein die kleinen Erwartungs-Enttäuschungs-Muster gefallen. Wie zum Beispiel als Rick sich scheinbar versehentlich mit dem „Men in Black“-Stab blitzdingst, was sich dann aber als ausgefeilte Sci-Fi-Version der „Ich habe einen Herzinfakt!“-Vortäuschung entpuppt, mit der man aus einer verzwickten Lage rauskommen möchte. Das Schema führt Rick anscheinend immer mal wieder durch. Außerdem hätte der „All you had to say.“-Running-Gag gerne noch ein bis zwei Male mehr vorkommen dürfen.

Auch hat mir dieses Mal der Post-Credit-Clip gefallen, der aufzeigt, wie in einem Parallel-Universum Staubsauger lernen müssen, dass ihre Beutel aus sich das Leben nehmenden Baumkreaturen stammen – igitt-igitt!

Das war dann wohl die bislang beste Episode der bisherigen Staffel. Man merkt direkt, wie viel angenehmer es wird, wenn eine Geschichte zwar abgedreht ist, aber doch einen überschaubar kleinen Rahmen bespielt. So wirkt die Geschichte angenehm kompakt und griffig in ihrer Erzählung. Auch empfand ich es als angenehm, mal wieder die komplette Smith-Familie zu sehen zu bekommen und auch ein klassisches Rick-und-Morty-Abenteuer in der eigentlichen Ausführung. Für einige dürfte jedoch beim nächsten anstehenden Spaghetti-Mahl ein Klos im Hals spürbar sein. Vielleicht doch lieber was anderes essen?

Persönlich bin ich jetzt gespannt darauf, ob Mortys Versprechen, zwei Wochen lang zu allem „Ja“ zu sagen, das Rick vorschlägt, noch eine Rolle in den nächsten Folgen spielen wird.

Bilder: Adult Swim

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Ein Kommentar

  • JohnLuther

    Für mich klar die beste Folge der bisherigen Staffel und sehr nah am Niveau der ersten Staffeln.

    Hab mich zwar auch vorher gut unterhalten gefühlt, aber dieses Mal war wieder der gewohnte Mix aus Humor und viel Tiefgang erkennbar.


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