Refugees welcome

Arsch hoch, Zähne auseinander!

Spoilerfrei
Tobias
27.08.15

refugeeswelcomeklein

Die ersten Zeilen eines Serienartikels sind für mich meist die schwierigsten Momente. Trifft man den richtigen Ton, soll man direkt zur Sache schreiten oder erst ein paar einleitende Dinge voranschicken? Bei diesem Artikel hier ist es gleich noch eine Ecke härter. Für uns sind Serien Hobby und geliebte Freizeitbeschäfigung und wir machen nichts lieber als über Serien reden bzw. hier über Serien schreiben. Aber manchmal muss man auch mal was „außer der Reihe“ machen und da sollte man schon die richtigen Worte finden. Ob mir das gelingen wird, wer weiß. Andere Personen aus dem und im TV haben es vorgemacht.

Keine zwei Meinungen

Jeder von uns dürfte die aktuelle Debatte über die europaweite Verteilung der Flüchtlinge, „besorgte Bundesbürger“ und brennende Unterkünfte mitbekommen haben. Die Social Media-Kanäle, egal welcher Couleur, sind derzeit über und über mit diesem Thema vollgestopft. Und das ist gut so, denn dazu sind sie da. Zum Austausch von Meinungen, Gegenmeinungen und natürlich auch der Erkenntnis, dass man bei dem ein oder anderen Thema nicht auf einen Nenner kommen kann. Menschen sind nun mal unterschiedlich, das ist völlig okay. Bei diesem Thema, da sind wir uns hoffentlich alle einig, kann es aber keine zwei Meinungen geben.

Flüchtlinge, ob sie nun vor einem Krieg, persönlicher Verfolgung oder auch dem wirtschaftlichen Nichts fliehen, ist völlig egal, sie haben das Recht auf eine angemessene Behandlung in diesem, unserem Land. Es kann keine zwei Meinungen geben, dass es nicht ok ist, wenn „besorgte Bürger“ vor Flüchtlingsunterkünften stehen und den rechten Mob optisch vergrößern und diesen argumentativ unterstützen. Von aktiven Handlungen einmal ganz abgesehen. Und es kann auch keine zwei Meinungen geben, dass sich jeder mal Gedanken machen sollte, was er wohl fühlen und denken würde, wenn er anstatt der Flüchtlingsfamilie aus Syrien in einer der zahlreichen, meist unzureichend ausgestatteten Flüchtlingsunterkünfte hausen müsste und vor der Tür stehen „besorgte Bürger“ und gröhlen Parolen, die zu keiner Zeit eine Daseinsberechtigung haben.

Til Schweiger, Halligalli & Co.

Und nun kommt ein harter Cut: Til Schweiger. Mit ihm und seinen Äußerungen zu entsprechenden Kommentaren auf seiner Facebook Seite und mit seinen eigenen Kommentaren zur Lage der Flüchtlinge in Deutschland dürfte dieses Thema so richtig angekommen sein in den Sozialen Medien. Vorher hatte man natürlich schon Links, Weiterleitungen von Zeitungsberichten und Kommentare seiner Facebook-Freunde oder seiner Follower bei Twitter in seiner Timeline. Mit der seitdem anschwellenden Debatte, ausgelöst durch Aktivitäten wie diese von Til Schweiger, ist das vorherige Randthema in den Sozialen Medien zum echten Hauptthema geworden.

Eines Tages, wenn man auf diese Zeit zurückblickt, wird man anerkennen müssen, dass diese gesellschaftliche Debatte, in der wir uns derzeit befinden und die wahrscheinlich noch länger andauern wird, vielleicht durch Til Schweiger angestoßen oder zumindest auf eine größere Aufmerksamkeitsebene gehievt wurde. Ich empfinde das zumindest so. Hätte ich ehrlicherweise auch nie gedacht, dass ich Til Schweiger einmal mit Derartigem verbinden werde.

Richtig hoffähig wurde dieses Thema aber dann durch den klaren Kommentar von Anja Reschke in der Tagesschau vom 05.08.2015. Den medialen Aufschrei, den dieser Kommentar entfachte, war enorm. Die negativen Äußerungen an die Adresse von Anja Reschke wohl auch. Aber es ist wichtig für eine Gesellschaft, wenn in der Öffentlichkeit stehende Menschen auf diese Thematik in dieser klaren und unmissverständlichen Form hinweisen. Unbelehrbare Schreihälse wird es immer geben, wichtig ist, dass sie von allen Seiten das Gefühl erhalten, sehr, sehr einsam mit dieser ausgrenzenden Meinung zu stehen. Und wenn dies im Nachrichtenformat Nr.1 in Deutschland zur besten Sendezeit gesagt wird, umso besser.

Ich ganz persönlich finde es symptomatisch für unsere aktuelle Gesellschaft, dass diese Debatte in den Sozialen Medien, aber auch drumherum von unten angestoßen wurde. Von „oben“ wurde es eher mit populistischen Tönen befeuert. Als ein in Bayern lebender Mensch könnte ich ein Liedchen darüber singen. So schräg wie die Aussagen der politischen Vertreter dieses schönen Bundeslandes. Aber so nach und nach ändert sich allmählich die Tonlage auch bei unserer politischen Führung. Für viele zu spät, die finalen Aussagen sind aber eindeutig. Es wäre nur schön gewesen, wenn die Politik mit einer offenen Vision vorangeschritten wäre als dass sie sich von den aktuellen Ereignissen treiben lassen. Dass ihnen bisher eine Vision fehlte, möchte ich den sich nun äußernden Politikern natürlich nicht unterstellen.

Das Social Web nimmt solche Äußerungen natürlich gerne auf. Auch unsere TV-Formate mit entsprechender Ausrichtung mischen hier mahnend mit. Seien es eindeutige Meinungskundgebungen, gephotoshoppte und plakative Bildchen oder eben das ein oder andere Video. Jeder auf seine eigene Weise, aber immer mit derselben Aussage: Fremdenhass ist durch nichts gedeckt und schon gar nicht durch die in Deutschland herrschende Meinungsfreiheit. Meinungsfreiheit heißt ja nur, dass man für seine Meinungsäußerung nicht persönlich belangt wird, in einem gewissen Rahmen, Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass Fremdenhass dadurch legitimiert wird.

Bild‘ Dir Deine Meinung!

Und das sollte jedem bewusst sein. Jeder sollte sich in seinem sozialen Umfeld klar positionieren. Man muss nicht gleich die zahlreichen Diskussionen bei Facebook mit sachlichen Fakten beglücken oder besonders auffällig seine Meinung zu diesem Thema vertreten. Man muss nicht gleich morgen zu einer der zahlreichen gemeinnützigen Organisationen rennen und seine Hilfe anbieten. Man muss nicht Geld spenden. Man muss nicht seinen Kleiderschrank nach alten, schon lange nicht mehr getragenen Klamotten durchsuchen, um diese bei entsprechenden Institutionen abzugeben. Das muss man alles nicht. Man kann. Aber man sollte eine Meinung zu diesem Thema haben. Und hier kann es keine zwei Meinungen geben.

Refugees welcome. Ohne Einschränkung.

Natürlich ist mir und uns in der sAWE-Redaktion klar, dass wir nicht die Reichweite beispielsweise eines Jan Böhmermanns oder jetzt zuletzt eines Klaas Heufer-Umlaufs und Joko Winterscheids haben. Das ist aber auch gar nicht notwendig. Wir wissen auch, dass dieser kleine, sehr subjektive Blick auf unsere Zeit die Welt nicht sofort besser macht. Dies kann nur ein sehr kleines Signal sein. Aber es ist ein Signal. Und dieses positive Signal kann jeder von uns in die Welt senden.

Daher dieser Artikel, daher dieser lange Eintrag. Auch wir sind ein Teil des Social Webs oder des Internets, wie man es gerade einordnen will. Und wir möchten über unser Sprachrohr, über sAWE.tv, ein klares Signal senden. Auch wir haben eine Meinung und die ist 100% pro Flüchtlinge und der Aufnahme und dem respektvollem Umgang mit diesen Menschen in Deutschland.

Daher unsere Bitte an euch Serienfreunde: Macht euch Gedanken, wie ihr zu dieser Debatte steht. Und posaunt es in die Welt, denn wir denken, dass der Großteil von euch das genauso sieht. Jedes Signal ist wichtig. Auch wenn ihr denkt, ihr erreicht nur eure Freunde. Egal. Ihr wisst doch, über sieben Ecken kennen wir jeden Menschen auf dieser Welt. Und somit auch die syrische Flüchtlingsfamilie in dem Flüchtlingsheim in deiner Nähe. Und Freunden sollte man helfen. Am Ende sind wir alle Menschen, nur durch künstliche Grenzen und Stempel im Pass unterschieden. Am Ende sind wir alle AWESOME.

Mit besten seriellen Grüßen an euch da draußen, egal woher ihr auch stammt. Seid ein Signal.

Tobias – stellvertretend für die gesamte sAWE-Redaktion

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