Zusammenleben und Sterben

Mama liebt Serien: Krank

11.01.18 11:00
Kommentar
Spoilerfrei

Autor: - 11.01.18
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Vor Kurzem schrieb mir meine Freundin, dass sie mit ihrem Liebsten zusammenzieht. Das ist schön! Wunderbar! Alles Gute von Herzen!

Während ich mich für sie freue, setze ich meine vollständig angezogene Tochter in die Badewanne. Ihre Begeisterung hält sich in Grenzen. Meine auch. Hinter uns hockt ihr Vater vor dem Klo und hat eine heftige Beziehung mit der Schüssel begonnen. Der Magen-Darm-Virus hat Opfer gefunden und seinen Angriff ausgeführt. Ich wasche also das Erbrochene von meinem Kind, befülle die Waschmaschine und ziehe das Kinderbett ab. Nebenbei höre ich die geflüsterten Liebesbekundungen meines Mannes an unseren Porzellanthron. Ich bin nicht eifersüchtig. K1 liegt mit einem Eimer unter der Nase wieder im Bett. K2 steht in seinem Gitterbett und guckt sich alles interessiert an. Es ist übrigens Anfang Dezember und Weihnachten ist in “Riechweite”. Was ich hier im Moment rieche, ist alles andere als weihnachtlich. Wenigstens hat es Pupsnase Nummer Zwei nicht erwischt. Mich auch nicht. Denke ich. Irrtum. Schade. Nun beneide ich meinen Mann doch ein wenig um die innige Verbundenheit zum sonst anderweitig genutzten Pott.

HIMYM-toilet Mama liebt Serien: Krank

Können solche Zeiten vielleicht das Verbundenheitsgefühl sogar stärken? Man will nicht angefasst werden, man weiß nicht, wann man wieder Richtung Bad sprinten muss und merkwürdigerweise ist es einfach nicht so gemütlich wie sonst. Ungemein verbindet allerdings die gemeinsame Suche nach dem Täter, die „CSI“ in den Schatten stellt. Wer hat uns das angetan? War es das Nachbarskind, dass letztens durch unsere Wohnung stromerte? Es sah schon irgendwie kränklich aus. Und es hat unsere Türklinken angefasst. Verdächtig. Oder war es vielleicht doch der Lebkuchen vom Weihnachtsmarkt? So astrein war der auch nicht mehr. Oder versucht uns jemand aus dem Weg zu räumen? Man könnte unsere unvorstellbaren Reichtümer klauen wollen. All das „House of Cards“-Schauen macht einen paranoid und mein Mann beschließt sich vorsichtshalber auf unseren Drachenhort zu setzen. Ich vermute eher, dass er wieder zu seinem WC schleicht. Vielleicht wurden wir als Versuchskaninchen absichtlich verseucht? Ist jemand auf unsere besonderen biologischen Eigenschaften gestoßen? Ich bin eine glühende Verfechterin der These, dass dies die Apokalypse ist und die Menschheit ihr verdientes Ende in besudelten Badezimmern findet. Ich hasse die Welt gerade ein bisschen.

Nach der durchwachten Nacht wird unsere Suche rationaler. Der Schuldige für unser Ungemach ist schnell gefunden. Ein Anruf im Kindergarten reicht, um unseren Verdacht zu bestätigen. Dort wird auch gebrochen, was das Zeug hält. So ist das halt.

Aber kommen wir zum Thema zurück: Das Zusammenleben mit Leuten die man mag oder sogar selbst produziert hat. Es hat halt auch seine schattigen und vollgekotzten Seiten. Und manchmal kümmert man sich ja auch ganz gerne. Oder so mittelgerne.

Und manchmal macht man es halt weniger gerne. Oder so gar nicht gerne.

Das gehört eben dazu. In guten, wie in kotzüblen Zeiten. Das gilt für alle Beziehungen. Ich bin mir allerdings noch etwas unschlüssig, ob ich meiner Freundin davon erzählen sollte. Ich denke, ich lasse uns erstmal gemeinsam Gardinen aussuchen gehen. Immerhin könnte ich meine Geschichte mit einem Happy End enden lassen: Mein Mann hat mit der Toilette Schluss gemacht. Sie wollen allerdings Freunde bleiben.

Das wäre das Happy End, aber das reale Ende sieht anders aus: Als ich ein paar Tage später mein wieder gesundes Kind in den Kindergarten bringe, falle ich fast in Ohnmacht. Dort steht in roten Lettern: Wir haben Scharlach.

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