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Französische Comedy in zehn Folgen

Serientipp: Derby Girl

Mini-Spoiler
23. Mai 2021, 10:02 Uhr
Mini-Spoiler
Michael
23.05.21

Ich stehe weder auf Eiskunstlauf noch kannte ich die Sportart Roller Derby – bis jetzt: Zwar bin ich, nachdem ich die französische Comedy-Serie „Derby Girl“ gesehen habe, immer noch kein Eiskunstlauf-Fan, weiß aber zumindest in Sachen „Roller Derby“ mehr. Nur sollte man nicht davon ausgehen, dass einem Roller Derby ausgerechnet in dieser Serie schmackhaft gemacht wird (dann lieber in Drew Barrymores „Roller Girl“ reinschauen!) – sie ist hier mehr Mittel zum Zweck, als größtmöglicher Kontrast zwischen dem glitzernden Sport auf Kufen und dem martialischen Kontaktsport auf Rollen. Wofür es diesen Kontrast braucht? Um die Fallhöhe der „Heldin“ in „Derby Girl“ zu beschreiben – Lola Bouvier.

Sie war auf dem Weg, ein Eiskunstlauf-Star zu werden, patzte aber im entscheidenden Wettkampf und rächte sich noch auf dem Podium an ihrer Kontrahentin, was gleichzeitig ihr Karriereende bedeutete. Jetzt sitzt Lola missmutig hinter dem Tresen eines Sportartikelgeschäfts und lässt alle an ihrer miesen Laune teilhaben. Als sie auf eine ehemalige Mitschülerin Jennifer Martin trifft, fühlt sie sich wieder herausgefordert, und tritt einer Roller Derby-Mannschaft in ihrer Heimatstadt bei, den „Cannibal Licornes“ (großartige Wortschöpfung!). Roller Derby in einer französischen Kleinstadt als Kompensation für die glitzernde Eiskunstlauf-Karriere – will man das sehen? Unbedingt!

Denn Nikola Lange und Charlotte Vecchiet machten daraus eine sehr unterhaltsame, zehnteilige Comedy-Serie, die zwar leider ein paar Mal zu oft unter der Gürtellinie agiert, sonst aber durch clevere und witzige Einfälle überzeugt. Da sind zum Beispiel die schnippischen und oft fast zu ehrlichen Kommentare der Hauptfigur Lola, die wirklich großartig von Chloé Jouannet in Szene gesetzt wird. Sind ihr die Sprüche und Gemeinheiten natürlich von Nikola Lange noch in den Mund gelegt, gefällt mir bei ihr aber vor allem die Mimik und Gestik in vielen Szenen. Bei manchen Sätzen ihrer Mitspielerinnen oder Kontrahentinnen setzt sie so einen ganz speziellen, nachdenklichen Blick auf, der einen dazu animiert, selbst noch einmal darüber nachzudenken, was wir da an Dialogen eigentlich gerade gehört haben. Lola fällt von einem Extrem ins andere, von egoistischer Zicke zu bester Freundin, von ehrgeiziger Sportlerin zu verletzter Tochter – und das macht Chloé Jouannet wirklich gut.

Auch Nikola Langes Inszenierung finde ich absolut gelungen. Hier wird mit verschiedenen klassischen Elementen unterschiedlicher Genres gespielt, so dass diese zu einer ganz ungewöhnlichen Melange vermischt werden – zum Beispiel die mystischen Elemente bei der Ernennung neuer Mannschaftsmitglieder mit der fast schon banalen Gut-gegen-Böse-Zuspitzung beim Roller Derby-Wettbewerb oder dem eher beiläufigen Gute-Freundinnen-Gequatsche nach bester Teenie-Serien-Manier, alles aber immer sorgsam unterbrochen von witzigen Einfällen von Nikola Lange. Da ist zum Beispiel die wilde Verfolgungsjagd zwischen Lola und einer Ladendiebin gleich in der ersten Folge, die erst reißerisch inszeniert wird – die Diebin auf dem Roller, Lola im Auto hinterher. Dann bemerken wir aber, dass dieser Roller extrem gedrosselt ist und Lola in einem führerscheinfreien Microcar unterwegs ist, was Nikola Lange uns dann in einer Totalen beim Vorbeischleichen der beiden Kontrahentinnen zeigt – großartig!

Ich mag auch den Mix aus Visuellem und der Musik – die nutzt Nikola Lange nämlich hier als wichtiges Stilelement, um die Handlung zu beeinflussen. Die gerade schon beschriebene Verfolgungsjagd ist ein gutes Beispiel dafür, das taucht aber auch an vielen anderen Stellen auf, wo sich gerne mal 80er- oder 90er Jahre-Klänge mit Metal-Fragmenten abwechseln. Leider findet sich nirgends ein Soundtrack oder eine Playlist zur Serie, so dass ich bei Spotify mal eine Playlist erstellt habe – hier zu finden:

Ob Inszenierung, Dialoge oder Audio-Video-Collage – Nikola Lange hat noch mehr großartige Einfälle, die „Derby Girl“ einfach zum Serientipp machen, auch wenn man wie gesagt die Ausflüge in Bereiche unterhalb der Gürtellinie irgendwie aushalten muss. Der Rest macht großen Spaß, so dass man sich definitiv einmal die 4 Stunden für diese Staffel Zeit nehmen sollte.

„Derby Girl“ ist bis zum 27. Juni 2021 in der ZDFmediathek zu sehen sowie als lineare Ausstrahlung am Stück auf ZDFneo am Freitag, 28. Mai 2021, ab 23:30 Uhr.

Bilder: Beta / ZDF

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