Tragikomödie namens Leben

Wer MASTER OF NONE schaut, mag auch…

Spoilerfrei
Maik
28.10.18

Wöchentlich schauen wir auf den Streaming-Plattformen und Sendern dieser Welt ultrageheimen Agenten-Dramen, futuristischer Science Fiction oder epochalen Fantasy-Spektakeln zu, dabei hat sich in den letzten Jahren ein gewisser Trend zu vermeintlich langweiligen Thematiken entwickelt. Zu dem, was wir eigentlich eh den ganzen Tag über machen und kennen: Leben. Das ist als Nominativ sowie Verb gemeint. Wir leben den ganzen Tag vor uns hin und haben privat mit Dingen wie der Wohnungssuche, dem Arbeitsleben, der Familie und vor allem dem großen Thema Liebe zu tun. Vermutlich dürften wir gerade deshalb Gefallen an Formaten haben, in denen wir uns und die um uns herum seienden wiedererkennen können. Natürlich sind diese Themenwelten keineswegs neu, vor allem nicht im seriellen Fernsehen, aber doch schaffen es immer wieder Formate, sie auf erfrischende Art und Weise neu zu vermitteln.

Wer MASTER OF NONE schaut, …

Einer meiner absoluten Paradebeispiele dafür ist „Master of None“. Schon alleine, weile es vom Titel her so super passt, bedeutet die (gekürzte) Redewendung doch in etwa so viel, dass man vieles ein bisschen, aber nichts so richtig kann. Klingt jetzt negativer als es ist, aber die Serie hat eben nicht DEN Hook, der einen bei der Handlungszusammenfassung direkt die DVD bestellen lässt. Außer vielleicht Aziz Ansari, der mit seiner charmanten Art eigentlich den utopischen Weltfrieden hinbekommen müsste. Letztlich weiß man dann gar nicht so genau, weshalb man „Master of None“ als Serientipp aufstellt und auch der zweiten Staffel eine gute Bewertung ausstellt. Es ist halt besonders. In seiner Mischung, in seiner Originalität und in seiner Stimmungsfarbe. Lebensnah, liebenswert und experimentierfreudig. Unterhaltung fast ohne Spektakel, sondern einfach nur ein Blick ins Leben.

… mag auch ATLANTA.

Wenn man so will ist Donald Glover die afro-amerikanische Version des afro-hinduistischen Ansari. Nur halt mit mehr Street Credibility und weniger dreinlächelndem Babyface. Aber auch „Atlanta“ widmet sich dem Leben selbst, hat nur eine wenig konkrete Rahmenhandlung, die zwar immer wieder Halt bietet, aber eben eher ein Korsett für viele dramaturgische Ausflüchte bereithält. Analog zu „Master of None“ wird gerne mal episodenhaft experimentiert, was die Erzählweise angeht. Das trifft nicht immer ins Schwarze, aber bringt Abwechslung. Dazu eine fein ausgeführte Prise Humor und gute Musikauswahl.

Mehr zu „Atlanta“ findet ihr hier bei uns im Blog, in Sachen Streaming bietet bislang lediglich EntertainTV eine Flatrate-Inklusion der ersten Staffel, beide Seasons könnt ihr gegen Kohle aber u.a. bei Amazon (Partnerlink) beziehen.

… mag auch LOVE.

Wie gesagt ist die Liebe DAS Thema schlechthin, das das Leben ausmacht. Entsprechend drehen sich auch viele Formate analog zu „Master of None“ um die Beziehungen zwischen Menschen. Freundschaft und Liebe sind in „LOVE“ natürlich auch präsent. Dazu hat man auch hier oftmals nach einer Episode das Gefühl, dass sie zwar kurzweilig war, aber so recht nichts passiert ist. Die Kleinig- bis Nichtigkeiten des Lebens werden zu Episodenlänge ausgedehnt, was mal Charme, mal Absurdität bringt. Auch wenn die Experimentierfreudigkeit hier deutlich abgespeckter ist, so kann man doch stets die Hoffnung haben, dass nach einer schlechten eine gute Folge folgt.

Weiteres zu „LOVE“ gibt es hier zu sehen, alle drei bisherigen Staffeln sind über Netflix zu sehen.

… mag auch LOVESICK.

Nach „LOVE“ kommt „Lovesick“, nicht nur in unserer Serienübersicht. Ja, dieses Format ist noch liebesbezogener und dazu mit seiner britischen Art deutlich anders in Sachen Stimmung und Humor, aber irgendwie ist die Grundrezeptur doch die gleiche, wie bei „Master of None“. Wie in meinem Serientipp zu „Lovesick“ geschrieben, werden da „keine Fabeln erzählt, alles wirkt nachvollziehbar und realistisch“ – eben das echte Leben. Okay, nur mit vielen möglichen Liebesanbandlungen…

Hier geht es zu unserer „Lovesick“-Kategorie, auch hier sind alle drei bestehenden Staffeln über Netflix zu sehen.

… mag auch YOU’RE THE WORST.

Wem dieser ganze Liebeskram zu verblümt und kitschig ist, der erhält bei „You’re The Worst“ ordentlich übercoole Antiliebes-Liebe. Denn eigentlich geht es hier gar nicht um Liebe, sondern um Sex, Alkohol und Bücher. Oder so. Auch hier kram ich einen alten Serientipp von mir heraus, der sich mittlerweile durchaus weiterentwickelt hat. Auch er ist etwas sesshafter und romantischer geworden, was nicht immer gut tut, aber noch immer meist zu unterhalten weiß. Zwei Sturrköpfe, die Liebe doof finden, aber sich verlieben, ohne es wahrhaben oder zugeben zu wollen. Plus: vieeeeel Sarkasmus.

Mehr zu „You’re The Worst“ haben wir hier für euch, anschauen kann man die Serie aktuell nur gegen Geld, z.B. über Amazon (Partnerlink). Im Fernsehen läuft es momentan vor allem auf P7 Fun und hin und wieder auf sixx.

… mag auch GIRLS.

Wie ihr vielleicht wisst, mag ich „Girls“ nicht. Aber wenn ich einen Beitrag über „Serien ohne große Handlung“ spreche, komme ich um dieses Ungetüm der Nichtigkeit und des Selbstmitleides nicht herum. Auch hier ist das Leben der Star, der Drama aus dem Nichts und verquerte Liebes-Wirren entfacht.

Wer wirklich mehr zu „Girls“ sehen möchte, kann das hier bei uns oder bei Prime Video, wo alle sechs Staffeln zu streamen sind.

… mag auch ENTOURAGE.

Die bessere „Girls“-Variante, quasi das „Boys“ mit Humor und Coolness, gibt es mit „Entourage“. Okay, meine Mutter hat das auch mal als „‚Sex And The City‘ mit Männern“ umschrieben, was ich natürlich so gar nicht unterstreichen möchte, aber… nun ja… ein bisschen stimmt es womöglich. Einige Freunde um einen aufstrebenden Schauspielstar, die das Leben genießen, jede Party mitnehmen und aus jugendlichem Leichtsinn in ernstzunehmende Karrieren durchstarten. Dazu der vermutlich beste TV-Agent der Welt, ein richtig guter Soundtrack und allerlei Gaststars, die davon ablenken, dass auch hier oftmals nichts wirklich Wichtiges in den Folgen passiert. Aber für eine abendliche Bingerei ist das optimal!

Weitere Beiträge zu „Entourage“ haben wir hier für euch, anschauen kann man alle acht Staffeln aktuell über Sky, empfehlenswert ist ansonsten noch die DVD-Komplettbox zur Serie (Partnerlink).

… mag auch MAN SEEKING WOMAN.

Experimentierwahn mit einzelnen Erzählvarianten pro Folge? Check. Themen aus dem Leben auf originelle Art und Weise erzählt? Check! Ein liebenswürdiger Hauptcharakter? Naja… „Man Seeking Woman“ geht auf jeden Fall eigene Wege, wenn es um das Erzählen von Liebesthemen geht. Vor allem die anarchische erste Staffel hatte es mir angetan. Die aktuelle dritte Staffel war dagegen so, dass ich meine Einzelfolgenreviews schnell aufgegeben und ein Staffelreview hinterhergelegt hatte. Es war halt zu wenig passiert. Passt ja dann irgendwie ganz gut hier rein, oder?

„Man Seeking Woman“ haben wir hier im Archiv, streamen könnt ihr die Serie momentan leider nirgens. Die erste Staffel kann man hier (Partnerlink) kaufen, ansonsten könnte man auf Wiederholungen bei TNT Comedy hoffen.

… mag sonst noch?

Habt ihr Serien, die eurer Meinung nach in dieser Auflistung fehlen und die Atmosphäre und Unterhaltungsrichtung eines „Master of None“ in etwa treffen? Schreibt eure Meinungen und Tipps gerne in die Kommentare. Vielleicht „BoJack Horseman“ ein bisschen? Oder „New Girl“? Oder gar „The Last Man On Earth“? Hm…

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