Überinszeniertes Halbstarken-Gehabe

Review: Gotham S04E07 – A Day in the Narrows

03.11.17 14:40
GothamReview
SPOILER !!
Maik
03.11.17

Mixt euch einen Dosen-Bellini – ihr werdet ihn brauchen. Denn diese Woche will „Gotham“ nicht wirklich, dass man die Folge nüchtern genießen kann. Dabei fängt es eigentlich noch ganz okay an, als eine Schweinekopflieferung – äh, ich meine natürlich – OHREN! – „Bacon flavored death masks“ – das Polizeirevier erreichen und lauter „habt ihr denn das Blut nicht gesehen?!“-Sprüche fallen.

„Called dips on my office? I ain‘t dead yet.“ (Harvey)

Die erste Enttäuschung hört auf den Namen „Mr. Headhunter“. Dass eh jeder dahergelaufene Victor-Ersatz es schwer bei mir (und allen anderen) haben dürfte, ist eh klar, das ist aber ein überzogenes Abziehbild eines gerissenen Headhunters, der überspielter kaum sein könnte (so dass direkt klar wird, dass er nicht lange unter uns weilen dürfte). Sein Doppellampenschuss war dazu schlechter animiert als seine Sprüche sind. Wenigstens sieht Jim ein, dass diese ganze “Sie müssen mehr Angst vor uns als vor den Bösen haben“ „ridiculous“ ist…

„I‘m giving you three seconds.“ – „I‘m giving you two.“ – „No one is counting!“ (Jim, Mr. Headhunter & Harvey)

Noch bescheuerter ist nur die Seitengeschichte um die drei harten Mädels. Die bösen Rocker geben erstmal eine Runde Gummi, statt den flüchtenden Dieb zu suchen? Effekthascherei. Und dann kommt Cat da nicht weg, weil drei Typen in der Gegend herumstehen? Und dann stecken auch noch beide in der versteckten Falle?! Kannst du dir nicht ausdenken. Wobei, schon, aber DARFST du einfach nie so produzieren.

„Did someone of you order thai food?“ – „No.“ – „Good, because I don‘t have any.“ (Barb)

Die Cocktail Lounge-Szene mit dem etwas gereizten Bruce war bereits zu Beginn seltsam und überspielt. Selbstfindung, Pubertät, Mordschuldgefühle – geschenkt. Mit Grundschul-Grace steht steht plötzlich eine nie gesehene alte Bekannte auf der Fußmatte, die zum geselligen Beisammensein (=Ablenkung) einlädt. Warum nicht?

„What do you do for fun?“ – „I used to walk on rooftops and fight crime. Now I‘m not so sure.“ (Brandon & Bruce)

Das ganze artet in Halbstarken-Gehabe der Sonderklasse aus, was man früher wohl bei „Eis am Stiel“ beobachten konnte. Der Sonnenbrillen „Deal with it!“-Move (und Diebstahl, das hat ein Multimillionär doch nicht nötig, ähem…) vom neugewordenen Draufgänger Bruce war so lächerlich, wie sein Tanzstil. Die Musik von The Prodigy habe ich noch am meisten gefeiert – obwohl es mal so gar nicht in die Serie passt. Aber da drücke ich heute mal mehr Augen zu als Mr. Headhunter.

Womit wir wieder bei der Haupthandlung wären. Ich hatte mir direkt gedacht, dass der blutende Polizist Pyg sein könnte, aber ehrlicherweise nicht ganz dran geglaubt, dass die Serie das umsetzen könnte. Chapeau, da hatte ich zu wenig Vertrauen. Oder zu viel Vertrauen darin, dass den vermeintlichen Polizisten zwar alle mit Namen kannten, aber keiner ihn erkannte (oder dass er es eben gar nicht ist). Dachte erst, er wäre einfach einer der Kops, aber alleine der falsche Bart und die Perrücke – das darf man als Super-Detektiv schon einmal merken aus dieser „Entfernung“.

Was mir diese Folge wieder besonders aufgefallen ist: Harvey nimmt mehr und mehr Pillen, wenn er unter Stress ist. Mag da noch was in Sachen Burnout oder so kommen? Beinahe hätte ich diesen Gedankengang auch schon wieder gestrichen, da er in den sicheren Tod geritten ist. Aber nein – Harvey stirbt erneut nicht?! So kurz hintereinander?! Das wäre so ein guter Zeitpunkt gewesen, vor allem nach seinem „not yet“-Statement zu Beginn. Allgemein stirbt natürlich nur das „Canonfutter“ (obwohl nicht wie erst besprochen war die Penguinsche Vorhut vorgegangen ist…), selbst Mr. Headhunter wird nicht tödlich verwundet. Also, zunächst. Mit dem räumlichen Sehen dürfte es eh schwer geworden sein…

„Second one‘s my signature.“ (Penguin)

Am Ende gibt es dann zumindest etwas nachwirkende Entwicklung. Der leise Abgang des verbitter-betrunkenen Harvey Bullock. Sowohl in seinen Prinzipien, als auch rein physisch, von Schreibtischlampen gestützt. Folgt schon bald die Wachablösung auf der Wache?

Das war nichts und eine der schwächsten Folgen seit langem aus Gotham. Die sonst größtenteils so gekonnt gewandelte Linie zwischen Comic-Überzeichnung und Ernsthaftigkeit wurde ein ums andere Mal ins Lächerliche durchbrochen. Das wirkte alles zu inszeniert, teils unlogisch und letztlich in viele Richtungen gehend, nur nicht voran. Klar, da ist ein bisschen Penguin, ganz viel Jim und sein Standing im Revier und vor allem die (zumindest innerliche) Degradierung Bullocks. Aber das ging dann doch alles unverständlich schnell und plump vonstatten. Passt irgendwie zum Halbstarken-Gehabe von Bruce, als hätte auch die Serie selbst ihre Pubertät erkannt und wahrgenommen. Danke, aber ich hätte gerne wieder erwachsenes Drama, okay? Einzig löbliche Sache: Wir erhalten mal wieder eine Story, bzw. einen Gegenspieler, der uns anscheinend eine längere Zeit beschäftigen wird.

Bilder: FOX

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