Einfach eine gute Fernsehserie für die gesamte Familie

Review: This Is Us S01E01-E06

Mini-Spoiler
Tobias
26.05.17

Verspürt ihr auch manchmal keinen Sinn mehr nach der nächsten und übernächsten Superheldenserie? Also ich schon, in letzter Zeit sogar recht häufig. Von daher weiß ich die guten alten Fernsehserien zu schätzen. Da ging es noch um normale Menschen, mit normalen Problemen. Und vor allem um normale Geschichten. Durch gute Schauspieler und ein entsprechendes Drehbuch hatte man am Ende dann einfach eine gute Fernsehserie. Für die gesamte Familie. So einfach kann das sein.

Wie bei „This Is Us“. Und shame on me, dass ich erst jetzt meine Videodateien der Originalausstrahlung der 1. Staffel (Sep 16 – März 17 bei NBC) aus der Versenkung geholt habe. Anlass war die deutschsprachige Premiere an diesem Mittwoch bei Pro7. Die Quoten des Piloten lassen leider vermuten, dass es die Serie schwer haben wird, ihr reguläres Staffelende bei Pro7 zu finden. Was sehr schade ist. Denn sie ist gut. Zur Ausstrahlung bei Pro7 habe ich es dann aber zeitlich nicht geschafft. Also habe ich auf meine Aufnahmedateien auf meiner Festplatte zurückgegriffen und sechs Episoden später sitze ich nun an diesem kurzen Review.

Denn, und das meine ich absolut ernst, schaut in diese Dramedy! Wenn schon nicht ins Original dann nutzt zumindest die aktuelle Möglichkeit bei Pro7. Echt, die Serie ist wirklich gut gemacht und erzählt eine emotionale und schöne Geschichte.

Plus: es verging bisher keine Folge, in der man als Zuschauer von den laufenden Ereignissen nicht völlig überrascht wird . Mit diesem Wissen kann man ohne Zweifel die Behauptung aufstellen, dass die Trailer zu „This Is Us“ echt gut gemacht sind. Sie transportieren die Stimmung und die Emotionalität der Serie, verraten aber nichts über diese ominösen Ereignisse und Erkenntnisse, die diese Serie zu etwas besonderen machen.

Schaut Euch den Trailer ruhig zweimal an. Einmal jetzt, und noch einmal nach meinem Review. Natürlich werde ich hier kurz auf die Hauptgeschichte eingehen, strenggenommen ist das natürlich ein Spoiler, aber dasselbe Wissen hat man auch nach der ersten Folge. Und ich werde Euch auch nur diese Erkenntnis spoilern, den Rest nicht.

Den Rest und am besten die gesamte Staffel müsst ihr euch schon selbst erarbeiten. Aber den meisten von Euch dürfte die Serie gefallen. Und es gibt Milo Ventimiglia mit nacktem Oberkörper. Interessiert?

Handlung

Im Mittelpunkt der Serienhandlung stehen vier Menschen, die zu ihrem 36. Geburtstag jeweils eine lebensverändernde Entscheidung treffen. Die Rede ist von Kate, Kevin, Randall und Jack.

Randall ist Partner in einer großen Brooker Firma und wohnt in entsprechend wohlhabenden Verhältnissen. Ein perfektes Leben? Aus der Sicht von Randall nicht. So hatte er sich erst vor kurzem dazu durchgerungen, einen Privatdetektiv nach seinem biologischen Vater suchen zu lassen. Randall wurde nämlich kurz nach seiner Geburt vor einer Feuerwache abgelegt und wuchs bei Pflegeeltern auf, die ihn adoptierten.

Just an seinem Geburtstag erhält er nun die Nachricht, dass der Privatdetektiv seinen Vater gefunden hat. Nun steht die Entscheidung an, was er mit dieser Information anfangen soll. Darüber hatte er nämlich noch nicht nachgedacht. Aber ist das wirklich eine Frage?

Natürlich sucht Randall seinen Vater auf, mit dem Plan und einer gehörigen Portion Wut im Bauch, seinem Vater von seinem erfolgreichen und tollen Leben zu berichten. Ein Leben, welches er führen konnte obwohl ihn sein Vater auf den Stufen einer Feuerwache abgelegt und sich nicht weiter um ihm gekümmert hat. Weil er eben ganz tolle Pflegeeltern hatte, die sich um ihn gekümmert haben. Was dann aber passierte, dürfte nicht geplant gewesen sein. Zunächst unterhalten sich beide recht intensiv so dass sein Vater von den damaligen Umständen (Drogen, Tod der Mutter) berichten und seinem Sohn versichern kann, dass es ihm natürlich Leid täte.

Und es endet damit, dass Randall seinen Vater mit zu sich nach Hause nimmt, um seine Schwiegertochter und seine beiden süßen kleinen Enkelkinder kennen lernen zu können.

Personenwechsel.

Mit Kevin haben wir einen erfolgreichen Schauspieler und Darsteller in einer Sitcom. Allerdings nervt Kevin seine Rolle als Schönling, der hauptsächlich mit nackten Oberkörper durchs Set läuft, seit geraumer Zeit mächtig. Er will ein „richtiger“ Schauspieler sein und ernst genommen werden. Allerdings ist die Sitcom über einen Manny (männliche Nanny) derart erfolgreich – vor allem bei den Damen – dass die Produktionsfirma nicht im Traum daran denkt, irgendetwas an der Rolle zu ändern.

In Kevin reift daher der Entschluss den Job zu schmeißen und aller Warnungen zum Trotz eine neue schauspielerische Karriere einzuschlagen. Er zieht daraufhin nach L.A. und begibt sich in den ganz normalen Castingwahnsinn. Wie tausende Schauspieler vor ihm und noch tausende Schauspieler nach ihm.

Personenwechsel.

Als Drittes hätten wir Kate, eine übergewichtige Frau, die sich am Tag ihres Geburtstages dazu entschließt, den Pfunden nun wirklich den Kampf anzusagen. Ernährungsumstellung und Selbsthilfegruppe inklusive. Dort lernt sie dann Toby kennen und nach einiger Zeit auch lieben. Toby allerdings nimmt die Gewichtsreduzierung deutlich lockerer als Kate was hier und da auch zu komischen Szenen führt.

Die sich anbahnende Beziehung zwischen Beiden ist übrigens Gold für die Serie, da die Figur des Toby absolut sympathisch, verrückt und eben goldig ist. Er legt sich nämlich absolut ins Zeug um Kates Herz zu erobern, die dieses Gefühl gar nicht kennt, dass sich ein Mann für sie interessiert. Und was sich Toby so alles ausdenkt ist herzallerliebst und für den Zuschauer Freude und Emotionalität pur.

Personenwechsel.

Eine ähnliche Freude und Emotionalität dürfte Jack an seinem 36. Geburtstag fühlen, gepaart mit ein bisschen Bammel, denn die Fruchtblase seiner Frau ist gerade und damit sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin ihrer Drillinge geplatzt (Hebammen würde hier an dieser Stelle natürlich von „gesprungen“ sprechen). So kommt es eben nicht zum obligatorischen Geburtstagstanz seiner Frau sondern man verbringt den Geburtstag gemeinsam im Krankenhaus und erwartet die Geburt der Kinder.

Eine Drillingsgeburt ist für sich genommen schon kein Spaziergang aber man rechnet aufgrund der Lage der Drillinge zudem mit weiteren Komplikationen. Das Nervenkostüm von Rebecca und Jack ist daher eh schon angespannt. Dazu kommt noch, dass der eigentliche Arzt, der sie seit dem Beginn ihrer Schwangerschaft begleitet, verhindert ist und ein Kollege, eigentlich schon seit Jahren im Ruhestand, die Geburt übernehmen soll.

Eine Geburt, die dann in der Tat zu mehr als einer Komplikation führt. Das erste Baby, ein Junge, kommt noch ganz normal. Aber dann setzt ein Sauerstoffmangel bei der Mutter ein und es kommt zu weiteren Schwierigkeiten. Lebensgefährlichen Schwierigkeiten. Mit tödlichem Ausgang.

Das zweite Baby kann der Arzt noch retten, ein Mädchen, aber für das dritte Kind kommt jede Hilfe zu spät. Aufgrund der Lage der Kinder in der Gebärmutter hatte sich die Nabelschnur um seinen kleinen Hals gelegt und ihn ersticken lassen. Die vollständige Katastrophe, der Tod der Mutter, kann aber abgewendet werden.

Bis hier hin dürften wir eine okaye bis durchschnittliche Serienprämisse haben. Vier Geschichten voller Emotionalität, Witz und Drama. Aber in den letzten zwei Minuten dreht sich die Serienprämisse um 180 Grad. 180 Grad, die dazu führen, dass wir hier eine tolle bis supergute Serie vor uns haben.

Die letzten beiden Minuten der Auftaktepisode:

Wir sehen wie Jack vor diesem berühmten Fenster zum Babyraum steht und seine beiden Zwillinge beobachtet. Glücklich auf der einen Seite, dass seine Frau und die zwei Babys überlebt haben. Traurig, weil man einen Sohn verloren hat. Neben ihm steht ein weiterer Mann, der ebenfalls glücklich durch die Scheibe schaut.

Sie unterhalten sich kurz und natürlich fällt die Frage, welches denn das eigene Baby wäre. Jack zeigt auf die zwei Kleinen rechts, der Mann auf das Baby links daneben. Wir sehen ein schwarzes Baby. Und der Mann ist nicht nur „ein Mann“ sondern ein Feuerwehrmann. Klingelt es schon?

Korrekt. Auf einmal blendet die Szene auf, wir sehen plötzlich und wie von Geisterhand gesteuert deutlich mehr Menschen um Jack herum und auf einmal fällt einem auf, dass diese Menschen Kleidung tragen, die man heute wohl als Retro bezeichnen würde. Wir befinden uns Ende der 70iger Jahre und Jack und seine Frau Rebecca werden schlussendlich nicht nur ihre Zwillinge mit nach Hause nehmen sondern auch das schwarze Baby adoptieren, welches ein Feuerwehrmann erst wenige Stunden zuvor vor seiner Wache liegend gefunden hatte.

Auf einmal wird alles klar, wir haben hier zwei Zeitebenen in der Serie. Jack und Rebecca in den 70igern und ihre Kinder in unserer Zeit. Kate und Kevin sind die beiden Zwillinge und Randall der adoptierte Sohn, das dritte Kind.

Diese Wendung haben die Drehbuchautoren und Kameraleute, die Ausstatter etc. einfach wahnsinnig gut hinbekommen.

Wahrscheinlich würde man mit dem finalen Wissen die Folge anders und hier und da auch schon Hinweise sehen, aber für mich kam es absolut überraschend. In den weiteren Folgen springt die Serie immer wieder von der Zeitebene der Eltern zurück in die Zeitebene der Kinder. Und das nicht immer chronologisch, was dem Handlungsverlauf eine zusätzliche Komponenten verleiht.

Wir erleben nun wie sich Randall und sein Vater näher kommen, wie Kevin sich in L.A. rumschlägt, wie Kate versucht sich an ihren Diätplan zu halten und vor allem, wie schwierig und kompliziert es für Rebecca und Jack war, Drillinge groß zu ziehen. Von denen eins adoptiert und zudem auch noch schwarz ist. In den 70igern. Und natürlich interagieren die drei Geschwister von nun an mehr miteinander, bei Kate und Kevin wusste man es im Übrigen im Laufe der Folge schon etwas eher, dass sie Geschwister sind.

Eine große, emotionale und wunderschöne Familiengeschichte mit tollen und vor allem durchweg sympathischen Figuren nimmt ihren Lauf. Einem Lauf, den Pro7 bitte nicht schon nach nur wenigen Folgen abbrechen wird.

So. Und jetzt schaut noch mal in den Trailer. Man sieht auf einmal soviel mehr.

Meinung

Ich mag dramatische und emotionale Geschichten. Und in „This Is Us“ wird genau so eine Geschichte erzählt. Die Dramatik, die sich nach und nach aufbaut, wird hauptsächlich durch die Ereignisse im Leben von Rebecca (Mandy Moore) und Jack (Milo Ventimiglia) verkörpert, bei denen natürlich nicht alles rund läuft, die Emotionalität durch die drei Geschwister in der heutigen Zeit und den entsprechenden Rückblicken in die eigene Vergangenheit, die immer wieder eingestreut werden.

Am Anfang hatte ich angedeutet, dass es viele dieser überraschenden Wendungen gibt, ich habe jetzt mal nur die Zeitebene und die persönliche Beziehung zueinander genommen. Weil sie eben das Stilmittel und die Idee der Serie darstellen. Der Rest ist aber nicht minder überraschend. Und oft wirklich emotional berührend.

Was der Serie wirklich zugute kommt sind die hervorragend ausgesuchten Schauspieler. Durchweg. Es macht Spaß, den Darstellern bei ihrer Arbeit zuzuschauen. Durch ihr schauspielerisches Können, und ich hätte das beispielsweise Moore und Ventimiglia aus dem Bauch heraus wahrscheinlich nicht zugetraut, in Verbindung mit dem Drehbuch und der Geschichte wird man sofort in einen wunderschönen Bann gezogen und von der Handlung mitgerissen.

Ich kann nun wirklich nichts Schlechtes an der Serie finden, bin aber gespannt wohin uns die Geschichte noch führen wird. Für die vollen fünf Kronen fehlen mir noch ein paar Antworten, auf Fragen, die ich jetzt hier und heute nicht stellen werde, da sie gewisse Handlungsinhalte spoilern würden.

Aber durch die Handlung selbst und da sie nur nach und nach ihre Geschichte vollständig preisgibt, bleiben selbstverständlich Fragen offen. Aber wenn die Serie diese Fragen beantwortet, in einer Art und Weise, wie die Serie bisher eben diese Fragen beantwortet hat, dann haben wir hier einen respektablen Serienhit.

Einen Serienhit, den kaum wohl jemand so erwartet haben dürfte. Bei einem Network. Also nicht bei HBO, Netflix oder Co. Bei NBC. Das man so was noch mal erleben darf. In den USA ist die 2. Staffel übrigens bereits beschlossene Sache und dieses Mal werde ich sofort in meine Aufnahmen schauen.

Und ihr solltet das auch tun. Für Freunde von Serien wie „Gilmore Girls“ oder „Parenthood“ dürfte „This Is Us“ definitiv etwas sein. Und für die meisten anderen Serienzuschauer und Dramafreunde wohl auch. Also riskiert in der kommenden Woche ruhig mal einen Blick in die Serie, mit dem Wissen dieses Beitrages seid ihr nun auf dem Wissen der Pro7 Zuschauer, die bereits in dieser Woche den Serienauftakt gesehen haben.

Ich denke, ihr werdet es nicht bereuen.

Update:

Gerade eben flimmerte die letzte Folge der 1. Staffel über den Bildschirm. Ich möchte gar nicht viel ergänzen, außer dieses:

Leute, echt, schaut in diese Serie!

Bilder: NBC

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