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Review: Nola Darling – Staffel 1

Mini-Spoiler
Susanne
18.01.18

Ihr seid auf der Suche nach einer Serie über eine polyamouröse, pansexuelle, afroamerikanische Künstlerin aus Brooklyn? Dann ist Nola Darling yo‘ thang. Bereits vergangenen Sommer hatte ich, die im Original mit She’s gotta have it betitelte neue Netflix-Dramödie angekündigt. Nun habe ich mir, die auf Spike Lees Regiedebüt basierende Serie über eine selbstbestimmte Afroamerikanerin angesehen.

Die Endzwanzigerin Nola Darling versucht sich mit einem Gelegenheitsjob als Kunstlehrerin über Wasser zu halten, während sie auf den großen Durchbruch als Künstlerin hofft und datet nebenbei drei Männer und eine Frau. Den just geschiedenen Banker Jamie, das selbstverliebte Model und Fotograf Greer, den durchgeknallten Kindskopf Mars, sowie die alleinerziehende Lesbe Opal. Während jeder Nola für sich beansprucht, will sie sich nicht nur auf einen Partner festlegen.

„I’m not a freak.“

Als 1986 Spike Lee sein Debütfilm über eine polygame Afroamerikanerin veröffentlichte, dürfte das eine kleine Independent-Sensation gewesen sein. Über 30 Jahre später hat er seinen eigenen Stoff in 10 Episoden adaptiert.
Während der Originalstreifen in schwarz-weiß gedreht wurde, kommt die serielle Umsetzung in bunten, auf Hochglanz polierten, kräftigen Farben daher und transportiert das Geschehen ins Heute.

In Zeiten von Tinder wirkt die Ausgangssituation nicht mehr ganz so sensationell, umso mehr müssen daher die Figuren überzeugen. Schauen wir uns daher die Charaktere an.

Da ist zuallererst einmal die Hauptfigur Nola. Die 27-jährige Künstlerin ist eine durchweg sympathische, gebildete und gutaussehende Frau, die große künstlerische Ambitionen hegt und für ihre Freunde und Nachbarn da ist. Dafür, dass sie aber ein selbstbestimmtes Leben führt, wirkt sie häufig unsicher und sucht eine Psychologin auf, nur um sich die Bestätigung zu holen, dass alles was sie tut eine Berechtigung hat. Ihre Kunst ist, wie ein Kritiker es treffend ausdrückt „langweilig“. Zu glatt und fotorealistisch malt sie Bilder von schwarzen Schönheiten. Vielversprechender ist hingegen ihre Straßenkunst, mit der sie gegen die Diffamierung afroamerikanischer Frauen ein Zeichen setzt. Auf diversen Plakaten prangen die Worte „My Name is not Mamacita/Baby Gurl/…“ – ein Statement, dass in Zeiten von #metoo und #blacklivesmatter genauso brisant ist, wie in den 1980ern. In diese Richtung hätte die Figur gerne weiter vordringen können, stattdessen schwadroniert sie über ihre vermeintlichen Vorbilder wie Fellini oder Polanski, die mit Sicherheit zu Lees Favoriten zählen, aber zu einer jungen Afroamerikanerin nicht richtig passen wollen.

Einer ihrer Auserwählten Männer, ist der seriöse Geschäftsmann Jamie, der insgeheim gerne Poet wäre. Er lässt auch keine Gelegenheit aus, um seine Wortgewandtheit zum Besten zu geben. Leider wirken die Phrasen auf Dauer ermüdend.

„Sometimes, I feel like a walking time bomb of undetonated memories.“

Kandidat Nummer zwei ist der eingebildete Greer, der außer einem perfekten Körper keine weiteren Facetten zu bieten scheint.

Der letzte Mann in der Runde ist der Basketball- und Sneaker-Fan Mars, der mit seinem Retro-Charme gut in das Konzept der Serie passt, aber nicht ganz als Nolas Liebhaber überzeugt. Im Originalfilm hatte Spike Lee die Figur noch selbst gespielt, diesmal wurde er durch einen puerto-ricanischen Schauspieler ersetzt.

In einer Szene trägt Nola einen Pullover, der durch ihre Malerei mit Farbflecken versehen ist. Dieser Pullover stellt eigentlich gut dar, was mit der Serie nicht stimmt. Er will um jeden Umstand kunstvoll sein, wirkt aber zu inszeniert. Jeder Farbklecks wurde ordentlich aneinandergereiht und gleichmäßig aufgetragen, dabei geht leider die Echtheit verloren.

Aber es gibt auch nennenswerte Highlights. Darunter tolle Inszenierungen, z.B. der Einsatz von Kameraeinstellung aus der Vogelperspektive im Schlafzimmer oder der Stadtteil Brooklyn, der hier in glorreiches Licht gerückt wird und das Leben inmitten einer Millionenmetropole widergibt.

Einen wesentlichen Reiz der Serie macht auch der grandiose, mit bekannten Rap- und Soul-Klassikern, untermalte Soundtrack von Miles Davis über Maxwell bis hin zu KRS-One aus. Und wenn „Raspberry Beret“ von Prince ertönt, möchte man am liebsten mit Mars mittanzen.

Fazit

Eine Serie, die gerne künstlerisch anspruchsvoll sein will, aber dabei zu affektiert wirkt. Dafür überzeugt der coole Soundtrack.

Nola Darling ist auf Netflix im Stream verfügbar

Bilder: Netflix

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