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Mit Rentnermütze ins Abenteuer

Review: Star Trek Picard S03E01 – Die nächste Generation (Staffelstart)

ACHTUNG: SPOILER !!
17. Februar 2023, 20:54 Uhr
SPOILER !!
Jonas
17.02.23

Bevor es in die erste Folge geht, möchte ich ein paar einleitende Worte los werden: Da ist sie, die sagenumwobene dritte Staffel „Star Trek: Picard“. Aus unzähligen Pressemitteilungen, Interviews und Trailer wissen wir, dass in dieser letzten Staffel der Serie endlich (!) alle alten Helden aus „Star Trek: The Next Generation“ vereint werden. Erste Artikel zu dieser Staffel sind auch schon erschienen, die großen Player im Mediengeschäft durften die erste Hälfte der letzten Staffel sehen und sind begeistert. Ich persönlich bleibe skeptisch. Zu viel Porzellan haben die erste und insbesondere die zweite Staffel der Serie zerschlagen. Viel gelungen ist meiner Meinung nach nicht in den bisherigen Folgen. Gleichzeitig freue ich mich aber natürlich auch auf das große Wiedersehen mit Doktor Crusher, Worf, LaForge und Riker. Außerdem sehen wir Brent Spiner auf den Plakaten, kommt also auch Data zurück? In jedem Fall kann man festhalten, dass die Macher es eingesehen haben und den Fans endlich das geben, was sie von vorneherein wollten. Ein neues Abenteuer für die Helden der Kindheit. In diesem Sinne lösche ich die negativen Erinnerungen an die ersten zwei Staffeln, behalte mir die positiven Aspekte bei und gehe so unvoreingenommen wie möglich auf die dritte Staffel zu.

Die nächste Generation

Die erste Szene der Staffel setzt den Spannungsbogen. Wir sehen den früheren Doktor der Enterprise D, Beverly Crusher. An ihr ist, wie auch bei den anderen Charakteren, die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen, aber auch ihr schadet das nicht. Man erkennt sie sofort und ist mitten in alten Erinnerungen und voller Vorfreude auf ein neues Abenteuer. Beverly ist an Bord eines Föderationraumschiffes, so sieht es zumindest aus. Dieses ist runtergekommen, sie hört sich alte Logbücher von Picard an (warum?) und hört Musik, die sie von ihm als Geschenk bekommen hatte. Dann folgt ein Angriff und sie muss sich verteidigen, ihr Schiff wird geentert. Dass sie es ernst meint, merkt man daran, dass sie mit ihrem Phasergewehr keine Gefangenen macht; auf höchster Stufe pulverisiert sie ihre maskierten Gegner. Und statt wie in den früheren Folgen oder Filmen, in denen so ein Gewehr einfach ohne Ende feuern kann, muss sie dieses Gewehr wie eine Schrotflinte laden, um schießen zu können. Nun ja, es dient offenbar der Dramaturgie. Beverly überlebt den Angriff, wird aber getroffen und sendet mit den letzten Kräften eine Nachricht an Picard. Was sie bedroht, wissen wir noch nicht. Und damit kommt meiner Meinung nach noch nicht so richtig Spannung auf, aber als Start gehen diese Szenen in Ordnung.

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Nach einem harten Schnitt wir sind auf dem Chateau Picard. Der alte Mann packt seine sieben Sachen, denn seine Freundin Laris (aha, das hat also gehalten) will auf einen anderen Planeten und er kommt als pensionierter Sugardaddy mit. Doch was ist das? Etwas piept. Beverlys Nachricht wird auf seinen alten Communicator der Enterprise D übertragen, der sich in einer bereits gepackten Kiste befindet. In der Zukunft hat man das Problem mit Batterien offenbar nachhaltig gelöst. Und mit dem Hilferuf von ihr haben wir also den Beginn seines neuen Abenteuers. Laris sieht das alles auch nicht so eng und erlaubt ihm auch, noch einmal auf Reise zu gehen; sie würde einfach an der Bar auf dem neuen Planeten warten.

Apropos Bar, ebenfalls an einer Bar trifft Picard dann auf Captain William Riker, den er um Hilfe gebeten hat. Riker ist auch nicht traurig auf ein unbekanntes Abenteuer zu gehen, denn offenbar kann er etwas Abstand zu seiner Familie gut gebrauchen. In Staffel 1 haben wir Riker schon getroffen, aber da gab es noch keine Bromance, die sich in dieser ersten Folge abzeichnet. Oder umschreibt es sich besser als ein Hauch „Lethal Wheapon“ – nach dem Motto: „Ich bin zu alt für den Shit“? Wobei Riker und Picard durchaus Lust darauf haben, ein Abenteuer zu bestehen. Vielleicht passt also der Walter Matthau und Jack Lemon Vergleich, zwei alte Freunde, die schon viel erlebt haben und mit Humor an die Sache gehen. In jedem Fall ist die Interkation der beiden erfrischend. Die alte Picard vs Crew Autorität existiert nicht, Riker und er sind einfach zwei alte Haudegen – mich freut das sehr. Ihr Plan ist es, auf Rikers altem Schiff – der Titan – eine „Inspektion“ durchzuführen und dabei einen kleinen Abstecher zu Beverlys Koordinaten zu unternehmen. Offiziell dürfen sie keine Hilfe verlangen, denn laut Beverly darf die Sternenflotte nichts mitbekommen.

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An Bord der Titan werden die beiden von Seven of Nine begrüßt. Die hört aber jetzt auf ihren alten Namen Annika Hansen, da der Captain nichts für Borg übrig hat. Er ist, glaube ich, der unfreundlichste Star Trek Charakter, den ich je gesehen habe. Für Riker und Picard hat er nicht viel übrig und sie dürfen nur in einem Hochbett schlafen – mehr konnte er in so kurzer Zeit nicht zur Verfügung stellen. Ihr Plan, einen kleinen Umweg mit dem Schiff zu machen, stößt bei dem Captain nur auf ein klares „nein“. Nicht zu vergessen ist, dass Riker und Picard auf die Tochter von Geordie LaForge treffen, die am Steuer der Titan sitzt. Die Serie breitet also hier schon einmal den Teppich für den früheren blinden Chefingenieur der Enterprise aus.

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Seven durchblickt, dass es bei dem Anliegen der beiden, mit der Titan einen Umweg zu fliegen, um mehr geht, und stellt Picard und Riker zur Rede. Und es kommt, wie es kommen muss, sie erfährt den Hintergrund und hilft den beiden. Denn Seven ist mehr als unglücklich unter dem ständig mies gelaunten Captain. Nachdem sie also die Unterredung hatten, denkt man, ok, sie lenkt das Schiff um oder meutert. Aber sie hatte schon längst den Kurs geändert. Nun ja, etwas unlogisch, aber in Ordnung. So geht es also direkt weiter, Picard und Riker fliegen zu Beverlys Raumschiff mit einem Shuttle. An Bord der Titan bekommt Seven von Captain Shaw einen Einlauf, aber er veranlasst dennoch nicht, das Shuttle zu stoppen und den Kurs umzudrehen.

Riker und Picard gehen mit „zittrigen Händen“ und „steifen Knien“, die letzten Worte der beiden im Shuttle, ins Raumschiff auf die Suche nach Beverly. Sie sehen die Kampfspuren und stellen fest, dass die frühere gutherzige Ärztin sich inzwischen verändert hat. Beverly Crusher auf der Enterprise D hätte sicher nicht absichtlich Gegner pulverisiert. Picard findet nach kurzer Suche seine frühere Liebe in einer Stasiskammer und Riker trifft auf ihren Sohn. Der bedroht ihn, aber nachdem er sich vorstellt und Picard auf ihn eingeredet hat, lässt er die Waffe fallen – muss sich aber von Riker erst noch eine Schelle abholen, bevor es weiter geht. Ob Wesley weiß, dass er inzwischen einen Bruder im Alter 20 bis 30 Jahren hat? Bevor abgeblendet wird, greifen die Fremden erneut das Schiff von Beverly und Sohn mit Picard und Riker an Bord an. Für den Kampf müssen wir aber auf Folge 2 warten.

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Parallel zu diesen Ereignissen sehen wir noch Raffi in einer zunächst noch abgetrennten Geschichte. Sie ist undercover unterwegs und behauptet in ihrer Rolle als Drogensüchtige in der Unterwelt, dass sie nicht mehr mit ihrer Freundin zusammen ist. Ob das auch in echt so ist, wird nicht klar, aber es würde einen nicht wundern. Warum sonst sollte sie sich für so eine Mission melden. Raffi ist auf der Suche nach Technologie, die als Waffe eingesetzt werden kann. Und – ich kürze etwas ab – Terroristen setzen diese tatsächlich ein und richten verheerende Zerstörung an. Auch wenn man hier noch nichts weiter erfährt, liegt die Vermutung sehr nahe, dass Beverlys Kämpfe gegen Aliens und Raffis Mission irgendwie zusammenhängen. Was mich an dieser Story etwas stört, ist dass die futuristische Stadt, in der Raffi ihre Mission verfolgt, aussieht wie aus Star Wars oder einem sonstigen Sci-Fi Franchise. Mir fehlen die vielleicht etwas plumpen, aber klar als Star Trek Kulissen zu erkennenden Bilder aus den früheren Serien. Was mich aber an diesem Teil der Geschichte wieder versöhnt, ist eine Erinnerung an eine großartige „Star Trek: The Next Generation“ Episode mit dem Namen „Die alte Enterprise“. Raffi findet den Ort des Anschlages, leider zu spät, indem sie das Codewort entschlüsselt, welches die Statue von Captain Rachel Garret gemeint hat. Captain Garret steuerte die Enterprise C, die durch einen Riss in der Zeit mit der Enterprise D unter Captain Picard zusammentrifft und damit die Zeit verändert hat. Nur durch die Reise zurück in die Vergangenheit konnte die eigentliche Zeitlinie wiederhergestellt werden und die Enterprise C einen Krieg verhindern. Dafür bekam offenbar Captain Garret posthum eine Statue. Dieser kleine Exkurs in die Historie von „Star Trek: The Next Generation“ sei mir bitte verziehen.

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Und mehr passiert nicht in der ersten Folge. Meiner Meinung nach ist es ein solider Auftakt, aber auch nicht so bombastisch wie die erste Folge der zweiten Staffel. Anderseits hat der super Auftakt der zweiten Staffel nicht verhindert, dass die Staffel an sich furchtbar war. Insofern vielleicht ein gutes Zeichen, wenn es etwas ruhiger zugeht. Das Highlight in S03E01 mit dem Titel „Die nächste Generation“ ist für alle Star Trek Fans der Riker und Picard Roadtrip. Zwei alte Männer, die ihre früheren Hierarchieebenen über Bord geworfen haben, als Freunde unterwegs sind und sich dabei über ihr Alter lustig machen. Diesen humoristischen Ansatz kennen wir von vielen Comebacks in der Film- oder Serienwelt. Während dieser Teil nicht bierernst daher kommt, will die Serie aber offenbar die Terroristen in Raffis Teil und auch Beverlys Aliens als ernste Bedrohung etablieren. Ich hoffe, dass dieser Spagat funktioniert. Ich hätte beispielsweise nichts dagegen, wenn wir eher in Richtung Star Trek 4 gehen und zwar einen Konflikt haben, uns aber eher an den Gesprächen der Charaktere erfreuen.

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In jedem Fall hoffe ich sehr, dass diese Staffel sich möglichst viel von dem – teilweise angestaubten – Humor behält, der sich zwischen Admiral Picard und Captain Riker entfaltet. Die Staffeln 1 und 2 von „Star Trek: Picard“ wollten da viel zu viel und sind an bedeutungsschwangeren Handlungssträngen gescheitert. Der Anfang für einen würdigen Abschied der „The Next Generation“-Crew in der dritten und letzten Staffel wurde gemacht, so kann es gerne weiter gehen.

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Bilder: Paramount+ / AmazonPrimeVideo / CBS Studios

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