Welcome to Shogun World!

Review: Westworld S02E05 – Akane No Mai

22.05.18 08:45
ReviewWestworld
SPOILER !!
Kira
22.05.18

Okay, das war irgendwie anders, oder?

How the story turns

Wir starten zur Abwechslung mal wieder mit der Gegenwart. Wir erinnern uns: Etwa zwei Wochen nach Fords Ermordung sind die Delos Sicherheitskräfte unter der Leitung von Karl Strand noch immer auf der Suche nach Peter Abernathy und den wertvollen Daten, die auf ihm gespeichert sind. Das Team hat mittlerweile begonnen, die im See schwimmenden, dutzenden Hosts aus dem Wasser zu pferchen und genauer unter die Lupe zu nehmen. Doch ohne gewünschten Erfolg: Antoine, der technische Experte, klärt Strand darüber auf, dass sie etwa ein Drittel aller Daten verloren haben, denn viele der Hosts wirken nahezu jungfräulich, unbespielt. Weder ein Reset noch das Abrufen eines Backups ist möglich.

Und dann bestätigt sich auch noch der Verdacht, der seit dem ersten Blick in den von „Leichen“ getränkten See bestand: Teddy ist einer der gefallenen Hosts, der nun nicht mehr ist, als die Spitze des Berges nutzloser Maschinenkörper. Und Bernard? Der steht da und schaut einfach nur zu.

„How did all of these disparate threads come together to create this nightmare? If we figure that out, we’ll know how the story turns.“ – Karl Strand

Finding a new voice

Wie bereits in der vorletzten Folge kurz angekündigt, sind Maeve und ihr kleiner Clan inzwischen in einer neuen Welt angekommen. Gefesselt von Samurai-Kämpfern werden sie abgeführt und in einen Ort gebracht, der ihnen jedoch gar nicht so fremd erscheint. Schnell stellt sich heraus, dass Shogun World ein recht deutlicher Abklatsch von Westworld ist: Die Charaktere, die von den Hosts verkörpert werden, ähneln sich und sprechen teilweise sogar den exakt gleichen Text. Und die Storylines sind fast 1:1 kopiert. Da kam Lee Sizemore wohl nicht hinterher, sich für seine 300 neuen Narrative auch wirklich etwas Neues auszudenken. Shogun World ist also einfach das etwas ungezügeltere Westworld. Übersetzt bedeutet das: Hier geht es noch brutaler und blutiger zu. Und das finden wir dann auch selbst recht zügig heraus.

Sehr schön inszeniert ist der Loop, in den wir bei Erreichen eines kleinen Dorfs eintauchen: Wie bereits mehrfach bei Hector und Armistice beobachtet können wir diesmal zwei Shogun-Charakteren dabei zusehen, wie sie versuchen aus einem Mariposa-ähnlichen Raum einen Tresor zu stehlen. Es wird sogar die gleiche Musik gespielt, nur im Shogun-Style. Und während Hectors Pendant Musashi ebenfalls eine Narbe im Gesicht trägt, sich jedoch mit einem Samurai-Schwert statt einer Waffe verteidigt, trägt Armistice Gegenstück statt einer Schlange einen Drachen im Gesicht.

Doch kommen wir zu dem Handlung vorantreibenden Faktor: Maeves japanisches Abbild ist Akane, unter deren Obhut die junge Sakura steht. Ein Gesandter des Shogun taucht auf und möchte die tänzerisch scheinbar sehr begabte Sakura kaufen – zu jedem Preis. Doch Akane lehnt das Angebot ab und bringt ihn um. Das lässt der Shogun, den wir bisher noch nicht zu Gesicht bekommen haben, nicht auf sich sitzen und lässt Sakura durch seine Krieger, u.a. durch flinke Ninjas, entführen. Akane, die wie Maeve von ihrem Mutterinstinkt angetrieben wird, macht sich mit dem Maeve Clan auf zum Shogun, um Sakura zu befreien. Der Preis für ihre Freiheit: Sie sollen beide für ihn tanzen. Scheint mir ein günstiger Preis zu sein. Doch der Shogun hat längst geplant, Sakura niemals wieder gehen zu lassen und bringt sie vor den Augen ihrer Ziehmama Akane um. Diese führt daraufhin einen red dance, einen Bluttanz, auf und bringt, wer hätte das gedacht, aus Rache den Shogun um. Und Maeve? Die aktiviert ihre neuen Fähigkeiten, andere Hosts nicht nur durch Worte, sondern pure Gedankenkraft steuern zu können und lässt die Krieger sich gegenseitig ausschalten.

Dieser Erzählstrang ist zunächst mit viel Witz und Charme versehen, der sich vor allem daraus nährt, dass wir eine gespiegelte Westworld-Welt vorfinden, in der wir sehr viele nette kleine Gemeinsamkeiten entdecken können. Das ist unterhaltsam, gipfelt aber nach kurzer Zeit in einem reinen Blutbad nach japanischer Filmvorlage, das mir zum einen gefällt, da es ein ganz neues Genre für „Westworld“ als Serie und die unterschiedlichen Parks eröffnet und sich diesem auch in Stil und Musik anpasst und damit die Wandelbarkeit zeigt. Zum anderen geht mir jedoch das Gemetzel zu weit, die Blutströme in Slow Motion und das Durchtrennen von ganzen Köpfen in Nahaufnahme nehmen mir ein wenig die Lust an dieser Erzählung, obwohl ich toll fand, wie aufgeladen der Bluttanz von Akane war und wie dieser als Metapher für die gesamte vor sich gehende Entwicklung in Westworld gesehen werden kann. Mit dieser Welt muss ich trotzdem wohl noch ein bisschen wärmer werden. Die von Ramin Djawadi adaptierte Version von Wu-Tang Clans „C.R.E.A.M.“ macht auf jeden Fall einiges gut.

Ungeklärt bleibt (zunächst), wie Maeve die Verbindung zu den anderen Hosts ohne Worte herstellen kann und von wem eigentlich der Shogun das Abbild ist. Ich könnte mir aber vorstellen, dass wir auf eine Auflösung nicht sehr lange warten müssen.

Hell of a Homecoming

Unterdessen kehren Dolores, Teddy und Co nach Sweetwater zurück, um den Zug wieder in Gang zu bringen und nach Mesa zu gelangen, wo sie Peter Abernathy vermuten. Dolores und Teddy reiten zu „ihrem Spot“ und schwelgen in Erinnerungen. Diesmal jedoch ist Teddy es, der Dolores vorschlägt, einfach loszureiten und der Welt, die sie kennen, zu entfliehen.

„What if someday was right now?“

Und während genau das noch vor kurzer Zeit Dolores größter Wunsch war, ist es diesmal sie, die diesen Vorschlag ablehnen muss. Doch noch mehr als das: Sie testet Teddy mit einer metaphorisch wieder einmal sehr aufgeladenen Geschichte von infizierten Kühen auf ihrer Farm, die von Fliegen angesteckt und von ihrem Vater daher verbrannt wurden, um die restliche Herde zu schützen. Teddy jedoch, in die Situation hineinversetzt, hätte die infizierten Kühe gerettet – und das bestätigt ihren lange schon gehegten Verdacht, dass Teddy für ihre harte bevorstehende Mission einfach ein zu weicher Kerl ist.

Beinahe schon abschiedstauglich verbringen sie eine letzte Nacht zusammen, bevor Dolores Teddys Code ändern lässt und damit riskiert, dass sie ihn, wie sie ihn kennt und wie er sie kennt, für immer verliert.

„To grow we all need to suffer.“

Besonders stark an diesem Part ist wieder einmal das gekonnte, emotionale Wanken von Dolores bzw. Wyatt, die nur noch einem höheren Ziel zu folgen scheint als ihren zwischen-host-lichen, „wahren“ Gefühlen für Teddy. Und auch wenn wir die vollkommen aufgelöste Clementine nur für wenige Sekunden im Mariposa sehen und verfolgen, wie sie auf ihren Ersatz trifft, deren Text sie noch ohne Probleme mitsprechen kann, überzeugt Angela Sarafyan nicht weniger durch ihr Schauspiel.

Selten ist eine Folge „Westworld“ von den Erzählsträngen so überschaubar gewesen wie „Akane No Mai“. Zum wiederholten Male tauchen wir ein in eine neue, eine von Kleidung, Vegetation und Menschen so unterschiedliche und dennoch dem zuerst kennengelernten Themenpark so ähnliche Welt. Ein netter Twist, dass herauskommt, dass sich zumindest diese beiden Themenparks so gleichen und das nur aufgrund menschlicher Trägheit.

Während wir in Raj nur einen winzigen Blick werfen durften, dürfen wir in die blutige Welt des Shogun ziemlich tief eintauchen. Und auch wenn „Westworld“ damit sein Reichtum öffnet, war mir das irgendwie zu weit weg von dem Gefühl, dass durch die Episode in der letzten Woche aufkam. Vielleicht muss ich die neue Welt aber auch erst noch ein wenig länger auf mich wirken lassen. Ob Dolores wohl mal in Shogun World eintauchen wird? Wäre auf jeden Fall eine spannende Verwandlung!

Ich liebe es, wie „Westworld“ mit den Melodien und ihren Abwandlungen spielt, wie leitmotivisch wiederkehrende Tonabfolgen einen anderen Stil verpasst bekommen und uns durch jede der Welten führen, die uns hier offenbart wird. Auch das Spiel mit Metaphern, wie hier beispielsweise der Fliege, die uns schon von Folge 1 an begleitet, ist ein spannendes und macht die Serie so interessant. Und in dieser Episode haben mir auch die Bildkompositionen besonders gut gefallen. Stilistisch ist „Akane No Mai“ wieder einmal eine extrem starke Folge, erzählerisch ist hier für mich noch Spielraum nach oben.

Bilder: HBO

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