Collaboration

Review: Westworld S03E03 – The Absence Of Field

13.04.20 21:15
ReviewWestworld
SPOILER !!
Kira
13.04.20

In dieser Episode kommen wir der Figur der Charlotte Hale etwas genauer auf die Spur. Seit dem Ende von Staffel zwei fragen wir uns, welcher der Hosts eigentlich das äußere Erscheinungsbild von Hale angenommen hat und unter ihrem Deckmantel die Geschäfte bei Delos weiterführt. Der Rahmen dieser Folge wird dabei sehr schön gespannt. Wir sehen Hale während der Rebellion, kurz vor ihrem Tod, eine Videobotschaft für „Nathan“ aufnehmen. Nach einem harten Cut begleiten wir den Entstehungsprozess eines neuen Hosts und werden Zeuge davon, wie Dolores einer frisch produzierten neuen Hale zurück ins „Leben“ verhilft.

Bring yourself back online

Genauso wenig wie wir wissen, um welchen Host es sich hier handelt, weiß es die neue Charlotte zunächst selbst. Doch durch Dolores Hilfe, kommt die Erinnerung schnell zurück. Nicht so amüsiert ist sie jedoch über ihr neues Erscheinungsbild, denn die echte Charlotte Hale war doch schließlich diejenige, die all die Hosts umbringen wollte. Dolores macht ganz deutlich, was „Hales“ Auftrag ist: Delos kontrollieren, denn ohne Delos wird es keine anderen ihrer Art mehr geben. Sie sind alleine – mit lediglich drei, Moment, vier anderen Hosts, von denen einer Bernard ist.

„You’re a creature of beauty and power.“

Es ist schön, wie wir mit diesem Opening wieder ein paar Schritte zurückgehen und uns den unmittelbaren Start von Dolores in der realen Welt anschauen. Die Vorbereitungen für die nächste Rebellion laufen und noch immer stellen wir uns die Frage: Wen hat sie dafür aus Westworld mitgebracht? Die neue Hale ist eine ihr vertraute Person, zu der sie ein sehr enges Verhältnis hat. Meine Tipps: Abernathy oder Teddy. Abernathy jedoch war ja so etwas wie ein Vater für sie. Dafür ist mir das Verhalten zwischen den beiden fast schon etwas zu romantisch. Oder könnte es auch ein zweiter Teil von Dolores sein? Immerhin könnte man sich schon vorstellen, dass sie die Kontrolle über die Revolution gerne in den eigenen Händen behalten wollen würde.

Black Hole

Die neue Hale ist zurück in San Francisco und versucht ihr Alibi aufrecht zur erhalten. Sie lässt Transformer anfertigen, die künftig für Aufstandsbekämpfungen eingesetzt werden können. Oder aber eben beim nächsten Aufstand wohl eher an der Seite der Hosts kämpfen. Sie wird darüber informiert, dass es einen Maulwurf im Unternehmen gibt, der Daten an Serac liefert und ihm dadurch mehr und mehr Kontrolle verleiht. Doch auf der Suche nach dem Verräter in den eigenen Reihen muss die neue Hale feststellen, dass sie schon wieder selbst in der Schusslinie steht.

Ihr Business-Ich aufrecht zu erhalten ist die eine Herausforderung – und das auch noch ohne Dolores Hilfe, die einfach nicht erreichbar ist. Dann wäre da aber auch noch ihr Sohn Nathan, den sie das ein oder andere Mal schon vergessen hat und der sehr wohl durchschaut, dass seine Mutter nicht mehr seine Mommy ist. Und ganz nebenbei lernen wir auch noch, dass es keine Elefanten mehr gibt.

Help me

Und wo steckt Dolores eigentlich? Ach ja, da war ja der schöne Showdown zwischen ihr und dem umfänglichen Security-Aufkommen von Incite, der zu ihrer starken Verwundung führte. Im Krankenwagen merkt Caleb schnell, dass der plötzliche Stopp durch die Polizei nichts Gutes heißen kann und er gerade selbst Teil eines Clean-ups wird, das sonst doch immer er ausführt. Ein bisschen Superpower von Dolores später ist aber auch das alles kein Problem mehr. Und Calebs Einsatz für Dolores zahlt sich später schon noch aus.

„You‘re a good man, Caleb.“ (Dolores)

Ja, man könnte meinen, das ist der Beginn eines zauberhaften neuen Duos. Wenn Dolores ihn nicht einfach vor der drohenden gefährlichen Zukunft warnen und dann kurzerhand allein stehen lassen würde.

„The less you know about me the better.“ (Dolores)

Nicht mal ihren Namen erfährt er, bevor sie davon rauscht. Und für ihn wird nun wirklich alles viel schlimmer. Seine Mutter erkennt ihn wieder nicht, er wird gesucht und schließlich sogar entführt. Das Ziel seiner Peiniger: Dolores Aufenthaltsort herausfinden. Aber Caleb ist ein guter Junge – er hält dicht, auch als seine Peiniger den militärischen Einsatz in seinem Mund aktivieren und ihm damit noch mehr Schmerzen hinzufügen – absurde Vorstellung, dass es so etwas mal geben könnte; und auch weiterhin, als ihm sein Arbeitsroboter zu Hilfe eilt (wie schön war das?), dann aber kläglich abstürzt und in tausend Teile zerspringt – Caleb sagt nichts (Okay, wenn wir mal ehrlich sind: Was sollte er auch sagen? Er weiß halt auch nichts.). Doch wie er ihr – so sie ihm. Im natürlich allerletzten Moment legt Dolores einen starken Auftritt hin und befreit Caleb.

„Who the hell are you?“ (Caleb)
„I‘m Dolores.“ (Dolores)
„Well Dolores, nice to finally meet you.“ (Caleb)

So schön findet Caleb es dann im weiteren Verlauf aber doch auch gar nicht mehr, als Dolores ihn mit seiner Vergangenheit konfrontiert und offenbart, wie Incite und das Rehoboam alles in dieser Welt und damit auch ihn kontrollieren.

„Every aspect of your lives: recorded, logged. In order to create a mirror world of this world. […] It’s not about who you are, Caleb. It’s about who they let you become.“

Aber dann entschließt Caleb sich schließlich doch dafür, nicht zurück in die Matrix zu kehren, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen und Dolores und ihrem Vorhaben einer Revolution zu folgen. Was bleibt ihm auch sonst noch?

Predator

Durch Dolores kleinen Anschub und eine deutliche Provokation eines Pädophilen, der es ganz offensichtlich auf ihren Sohn abgesehen hat, kommt das wahre Innere von „Hale“ zum Vorschein – denn plötzlich findet sie sich in ihrer alten Rolle schon viel besser zurecht.

„I remember what it’s like to be me.“ („Hale“)

Und hier bin ich mit meinem Tipp, welcher Host eigentlich wirklich in Hale steckt, schon wieder mehr bei Abernathy. Teddy war doch immer so… unschuldig – und nicht wirklich ein Raubtier. Oder haben wir es hier doch mit Dolores zu tun? Vielleicht mit ihrer Wyatt-Seite?
Mit ihrem neu ergatterten Hund macht „Hale“ sich auf jeden Fall bei ihrem kürzlich ergatterten Sohn ziemlich beliebt. Richtig spannend wird es dann aber am Ende, als sie die ihr geschickten mysteriösen Sprachnachrichten zu entziffern versteht und Serac auf einem Anwesen „trifft“. Ein Hoch auf Hologramme und Brillen, die diese projizieren können! Die unechte Hale switcht schnell in ihre Rolle als Charlotte Hale zurück und muss feststellen, dass es nicht nur eine große Herausforderung ist, dass Serac sie als Verbündete sieht – es ist auch eine große Chance, vielleicht die einzige, die sie und die anderen Hosts haben, um den anstehenden Aufstand gewinnen zu können. Doch wie könnte man nur vortäuschen, dass man den Schlüssel zur Entschlüsselung der Daten hat, wenn sich dieser doch in Dolores „Hirn“ versteckt?

Bisher ist die Qualität der Episoden der dritten Staffel „Westworld“ für mich ziemlich auf einer Linie anzuordnen. Ein dauerhaft hohes Niveau, hoher Anspruch, tolle Bilder, interessante Einstellungen, mitreißende Musik, die sich in den entscheidenden Szenen anpasst, umschwingt und insbesondere in dieser Episode das Bild klanggenau ergänzt (die Szene, in der Hales Blut passend zu den Klängen der Musik ins Wasser tropft, mochte ich sehr). Und die Kunst des Schauspiels – hier ein unverzichtbares Element, das von allen Darstellern mehr als erfüllt wird.

Tessa Thompson hat den Wandel der kalten, harten Charlotte Hale, die gleichzeitig besorgte Mutter war, zum verletzlichen Host auf schauspielerischer Ebene sehr gut hinbekommen. Sie ist nun unsicher, zweifelt an ihrer Existenz, kann nicht unterscheiden, ob sie eigentlich sie/er/es (who knows?) ist oder doch die eigentliche Charlotte langsam wieder von ihrem Körper Besitz ergreift. Die Wunden, die sie sich selbst zufügt, erinnern an das Rehoboam und die Verbildlichung, dass sich einfach alles in einem Loop abspielt. Und kaum gewöhnen wir uns an ihre zerbrechliche Existenz, ist auch schon das Selbstbewusstsein wieder zurück. Erneuter Switch.

Das Bild, das Dolores und Hale abgeben, die eine ganz in Schwarz gekleidet, die andere ganz in Weiß, könnte gegensätzlicher kaum sein und ist dennoch so harmonisch. Die Bildkomposition, das Spiel mit Licht und Schatten, mit Spiegelungen, Verzerrungen und symmetrischen Gegensätzen – so schön anzusehen und so aufgeladen. Und wir bewegen uns doch immer wieder um die Frage herum: Wer ist Hale? Und wann findet das alles statt? Denn mittlerweile glaube ich nicht mehr, dass wir es hier auch nur im Ansatz noch mit einer chronologischen parallelen Abfolge von Geschehnissen zu tun haben.

Bilder: HBO

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