Muss jede Serieninfo veröffentlicht werden?

Die schmale Grenze zwischen Spoilern, News und Clickbait

Spoilerfrei
Maik
21.11.18

Mit ziemlicher Sicherheit teilen wir aus dem seriesly AWESOME-Bloggerteam mit euch LeserInnen vor allem eine Sache: Leidenschaft für Fernsehserien. Vor allem von seinen Lieblingsformaten kann man einfach nicht genug bekommen. Mehr Staffeln, mehr Folgen, mehr Bonus-Material, mehr Extras, mehr Behind the Scenes, mehr Mehr! Dass das Thema Serien allgemein seit Jahren im medialen Aufwärtstrend ist, erfreut uns alle, aber es bringt auch seine Schattenseiten mit sich. Je mehr Interesse ein Thema erhält, desto mehr wird es für die moderne Nachrichtenwelt ausgenutzt. Sei es als Hype-Treiber mit Erinnerungsfunktion für die Serienmacher und Sender, als Clickbait-Motor für Seitenbetreiber oder schlicht Informations-Fluch wie -Segen für die Zuschauer. Ich versuche mal, diese Dreifaltigkeit geordnet darzubieten.

News für die Zuschauer

Natürlich haben alle Seiten etwas davon, wenn Vorfreude auf eine neue Serie(nstaffel) gemacht wird. Stellt Sender XY einen Teaser zu einer nächsten Folge oder die Meldung, dass etwas „total Großartiges!“ passieren wird („echt jetzt, nicht wie vergangene Staffel…“) oder ein prominenter Cast-Zuwachs, dann erhält die Serie Aufmerksamkeit, die letztlich zu höheren Quoten, höheren Werbeeinnahmen und steigender Chance auf weitere Episoden und größeres Produktionsbudget bedeutet. Und wir Zuschauer freuen uns. Win-Win.

Aber mittlerweile wird mir persönlich diese eigentlich gute Mechanik vor allem bei den großen Serien zu weit geführt. Kann ich den „Nächste Woche bei XY…“-Teasern noch ganz gut ausweichen, indem ich sie einfach nicht anschaue, ist das bei News-Beiträgen nicht immer so einfach. Und die werden immer kleinteiliger, bis jeder noch so kleine Pups vom Set als große Neuigkeit aufgebauscht wird. Müssen wir denn wirklich JEDEN Aspekt wissen? Wir hier bei sAWE.tv sind ja eh weniger News-getrieben und eher in Puncto Meinung und Bewertung am Start, aber manchmal wird es wirklich lächerlich, wenn irgendwelche Kleinstinhalte mit wackeligen Mini-Bezügen aufbereitet werden. „Ach, die Schwester der Putzfrau von Hauptdarsteller John Doe hat am Set von Serie XY einen Donut angebissen und wieder zurückgelegt?“. Okay, das will ich wissen. Noch schlimmer wird es aber, wenn sich zwischen dieser vermeintlichen News-Flut wahrhaft Wichtiges befindet, das ernsthaft spoilern könnte.

Spoiler-Gefahr

Was Spoiler sind, wisst ihr sicher alle (wenn nicht, hier unsere Definition und Geschichte des Begriffes im Video). Spoiler sind natürlich kacke, auch wenn die Befindlichkeiten heutzutage im Rahmen der allgemeinen #Empörungsgesellschaft unnormale Maße angenommen hat (das findet nicht nur George R.R. Martin). Aber niemand will bei Filmantritt von „Titanic“ wissen, dass das Boot am Ende sinkt (Upps, sorry!). Wir haben deshalb seit Jahren unsere Spoiler-Ampel hier im Blog-Einsatz und versuchen allgemein darauf zu achten, dass ihr Spoiler entsprechend nur zu sehen bekommt, wenn ihr das auch wollt. Aber mittlerweile scheinen nicht nur Medienhäuser, sondern auch Show-Produzenten es nicht mehr ganz so genau damit zu nehmen.

Mein aktueller Aufhänger (ja, nach ~300 Wörtern komme ich auch mal dazu…) ist wie so oft in letzter Zeit „The Walking Dead“. Dort haben gerade zwei Hauptdarsteller mitsamt ihrer Figuren die Serie verlassen. Das ist an sich schade, aber total legitim. Was mich eher stört, ist die Tatsache, wie schnell und vor allem auf welche Weise das publik gemacht wurde. Es gab große News dazu, was ja irgendwie noch verständlich ist, aber dann wurden mehr und mehr Details laut, wie und vor allem wann der Abschied in der Serie ablaufen wird. Klar, ohne konkrete Details, aber die große Überraschung blieb eben aus. Ich hätte es vor allem im Hinblick auf die ja bereits bekannte Comic-Vorlage und die damit verbundene Abweichung klasse gefunden, wenn ich gar nicht gewusst hätte, dass da jemand aussteigt, geschweige denn, wer. Und dann einfach die Figur hops gehen lassen, und alle „Das kann nicht sein!“ denken lassen. Aber nein, so wird eine elementare Entwicklung vorweggenommen.

Und das wird auf ganz unterschiedliche Arten geregelt, was mich zum eigentlichen Ansatz dieses Kommentares (yay, nach ~500 Worten…) führt: Die Krux zwischen Spoiler-Vermeidung und Clickbait.

Clickbait-Ansatz

Letztlich gibt es doch zwei Optionen. Entweder ich schreibe etwas wie „John Doe hört nach Staffel X bei Serie XY auf!“, was für Aufsehen sorgt, aber nicht nur Leute spoilern könnte, sondern auch die wichtigsten Infos bereits vermittelt. Wozu also noch klicken? Die Alternative lautet „Dieser Hauptdarsteller steigt bei Serie XY aus“. So in etwa haben wir es bei „The Walking Dead“ gemacht. Jetzt könnte man natürlich sagen, dass das plumpes Clickbaiting ist, muss ja jeder erst in den Beitrag, um die eigentliche Info zu erfahren. Schwierig.

Allgemein ist es eben ein schmaler Grad zwischen Information, Spoilern und Clickbaiting. Wir leben in einer Welt, in der es nicht nur immer mehr Serien sowie Content und Informationen rund um sie gibt, sondern diese auch immer schneller und allumfassender konsumiert werden. Da gilt es schlicht abzuwägen, was einem selbst als Information wichtig genug ist, um eventuell das Sehvergnügen auf die eine oder andere Art zu beeinträchtigen. Dabei sollte die Wahl aber dem Leser bzw. Zuschauer überlassen werden. Möchte ich nichts über die kommende Episode erfahren, schalte ich den Ausblick halt ab oder drücke beim entsprechenden YouTube-Video gar nicht erst auf „Play“. Websites, die in Überschriften spoilern, werden zukünftig zu Hochzeiten meiner Lieblingsserie oder allgemein gemieden. Und wenn dann mal etwas „Clickbait“ zu rufen scheint, betrachte ich lieber zunächst, was denn die Alternative wäre. Das soll kein Freifahrtschein für Clickbait jeglicher Art sein, im Gegenteil. Gute Beiträge zeichnen sich nicht nur die Anzahl der Klicks aus, sondern über ihre Qualität im Inhaltlichen und Stilistischen. Wissen LeserInnen das zu schätzen, lesen sie sich den gesamten Beitrag schon durch, obwohl die Grundinfo in der Überschrift bereits kommuniziert worden ist. Weil sie alle Detailinformationen wissen möchten oder einfach nur den Schreibstil mögen. Und wenn nicht geklickt wird, ist bestimmt nur die Angst vor Spoilern schuld.

Informations-Management

Letztlich ist das ein kleiner Appell an Sender, Seitenbetreiber und Zuschauer. Überdenkt euer Informations-Management, sowohl, was Aufnahme wie Weitergabe anbetrifft. Teilt keine bewusst abstrakt bleibenden News-Beiträge mit den eigenen Worten „Krass, der John Doe stirbt in Episode 5…!“. Und liebe Produzenten: Fokussiert eure Energie und Muse doch bitte auf das Produzieren toller Fernseh-Inhalte und erst DANN auf das Verbreiten von Infos und zweitklassigem Promo-Material. Danke.

Clickbait-Haken-Bildmotiv: Slate.

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