Authentisch, spannend und nichts für schwache Nerven

Serientipp: Fauda

19.09.18 18:27
DramaReview
Spoilerfrei
Jonas
19.09.18

Angestachelt durch „Jack Ryan“ habe ich mich auf die Suche nach einem Serien-Ersatz gemacht und bin auf „Fauda“ gestoßen. Die erste Staffel der israelischen Serien erschien bereits 2015 und war dort ein großer Erfolg. Doch den Durchbruch schaffte die Serie erst mit der Aufnahme in das Netflix Portfolio im Jahr 2016. Anfang 2018 erschien dann die zweite Staffel und Staffel drei ist für 2019 angekündigt.

Darum geht es in „Fauda“

In „Fauda“ geht es um eine israelische Spezialeinheit, die Undercover-Operationen in palästinensischem Gebiet durchführt. Das Besondere daran: Die Mitglieder der Einheit haben entweder arabische Wurzeln oder sehen arabisch aus und alle sprechen die Sprache auch perfekt. Anders könnten sie ihrer Arbeit auch nicht nachgehen, Terroristen zu jagen und Anschläge zu verhindern.

Das Besondere an „Fauda“

Die Serie wechselt die Seiten. Während man im klassischen Terroristen-Drama oft nur aus der Sicht der Behörden das Geschehen verfolgt, erzählt „Fauda“ auch die Geschichte der anderen Seite. Gleich in der Auftaktfolge bekommt man so hautnah mit, wie eine Aktion gegen einen Terroristen einem Zivilisten das Leben kostet, weshalb wieder Hass gesät und ein neuer Terrorist heranzogen wird. Dazu sind alle arabischen Textpassagen untertitelt und werden im Original wiedergegeben. Das ist zwar anstrengend, führt aber zu einer sehr hohen Authentizität.

Nichts für schwache Nerven

„Fauda“ ist brutal, „Fauda“ ist schnell und „Fauda“ will keine Moral transportieren. Die Protagonisten fristen ein von Gewalt und Stress geprägtes Dasein. Sie stellen ihre Aufgabe nicht in Frage, sie verfolgen kein höheres Ziel und machen sich keine Illusionen, dass sich an der Situation etwas ändern wird. Stattdessen geht es um den Zusammenhalt und auch um persönliche Rache, wenn einer aus der Truppe in das Fadenkreuz der Terroristen gerät. Doron, Kommandant der Einheit, hat vieles von Vic aus „The Shield“. Regeln interessieren ihn nicht und auch wenn er nicht Raubüberfälle begeht, ist er dem Bild des dreckigen Cops sehr nah. Der Zweck heiligt die Mittel, das ist sein Kredo und das macht es für den Zuschauer oft nicht leicht. Gleichzeitig sieht man den Fanatismus, aber auch das Leid auf der palästinensischen Seite. Die Ehefrau, die ihren Ehemann wegen der Einheit zu Grabe tragen muss und sich aus Rache als Selbstmordattentäterin meldet. Am Ende gewinnt keiner in „Fauda“, egal ob ein Charakter überlebt oder nicht.

Basierend auf echten Erlebnissen

Authentizität ist das Alleinstellungsmerkmal dieser Serie. Hauptdarsteller Lior Raz, der den Charakter Doron spielt, war selbst in einer solchen Einheit und hat zusammen mit dem Journalisten Avi Issacharoff das Skript zu der Serie geschrieben. Hält man sich das vor Augen, ist das, was man da sieht, noch eine Ecke heftiger. Schließlich kennt man die Nachrichten aus Israel; das, was man in der Serie sieht, ist Alltag – es ist kein fiktiver Terrorismus. Als Zuschauer kann man so nachvollziehen, warum dieser Konflikt einfach nicht beendet wird. Rache, Macht und die Finanzierung aus reichen Ölstaaten, ein trauriger Teufelskreis. Übrigens steht der Name der Serie für den arabischen Begriff für Chaos und das Codewort in der Spezialeinheit dafür, dass sie enttarnt wurden.

Anschauen!

„Fauda“ macht es dem Zuschauer nicht leicht, aber gleichzeitig lässt es einen nicht mehr los. Es stellt das moralische Gefüge Gut gegen Böse auf den Prüfstand und lehrt gleichzeitig die komplexen Strukturen und Hintergründe zum Konflikt zwischen Juden und Palästinensern. Wer eine wirklich authentische Geschichte über Terrorismus sehen will, der muss „Fauda“ schauen.

PS: Ein detailliertes Review zur ersten Folge von Tobias findet ihr übrigens hier.

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