Extraordinary but fairly known British TV shows worth seeing!

Serientipp: Utopia

Spoilerfrei
Tobias
15.04.16

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Der Monat April und somit die vierte Ausgabe eurer Lieblingsreihe EBFKBTSWS wird bunt, brutal und absolut sehenswert. Die heutige Perle von der Insel dürfte vielleicht nicht wirklich den Status „nahezu unbekannt“ besitzen, da sie bereits in Deutschland bei RTL Crime zu sehen war aber dennoch passt sie absolut in diese Reihe. Die Serie „Utopia“ war für mich in 2013 die große Serienentdeckung und deren Einstellung nach nur zwei Staffeln ließ mich traurig zurück. HBO hatte zwar in 2014 die Idee, die Serie zu adaptieren und mit David Fincher (House of Cards) ein amerikanisches Utopia entstehen zu lassen, da aber scheinbar die amerikanischen Farbfilter vor den Kameralinsen zu teuer sind wurde das Projekt letztes Jahr auch wieder beerdigt.

Apropos „beerdigt“, die Serie ist stellenweise wirklich brutal und benötigt schon trainierte Nerven. Für zwischendurch ist die Serie wahrlich nichts, da darf man sich aufgrund der jeweils sechs Episoden umfassenden zwei Staffeln nicht täuschen lassen. Beide Staffeln sind schon recht fordernd.

Zur Einstimmung nicht ein wenig Musik sondern den deutschsprachigen Trailer.

Seriensteckbrief

Name: Utopia
Genre: Thriller, Drama
Laufzeit: 45 – 60 Minuten
Staffeln (Folgen): 2 (12)
Ausstrahlung: 15.01.2013 – 12.08.2014
Darsteller: Fiona O’Shaughnessy, Alexandra Roach, Nathan Stewart-Jarrett, Adeel Akhtar, Neil Maskell, Geraldine James

Handlung

Im Mittelpunkt der zwei Staffeln steht ein Graphic Novel mit Namen „The Utopia Experiment“. Davon wurde vor Jahren Teil Eins veröffentlicht und es erfreut sich unter großen wie kleinen Novelfreunden großer Beliebtheit. Es gibt sogar Verschwörungstheoretiker, die behaupten, dass man aus dem Buch die Zukunft lesen könne und auch Antworten auf Fragen zur Vergangenheit enthalten sind. Und die Zukunft ist in nicht besonders schönen Farben gemalt. Geradezu katastrophal, die Welt bricht zusammen. Und auch die Realität scheint sich in diese Richtung zu bewegen, denn auf der Welt finden an einigen Orten vermehrt Straßenschlachten statt, da die Preise für Lebensmittel immer weiter steigen und sich die ärmeren Bevölkerungsteile so langsam gegen die Macht der Eliten erheben. Auf einer kleineren britischen Insel scheint sogar eine Seuche ausgebrochen zu sein. Wir sehen, die Lage ist sehr angespannt. Herzlich willkommen in der Dystopie von „Utopia“.

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Sehr angespannt sind auch die User des Fanforums zum Utopia-Novel, denn seit Tagen geht das Gerücht um, dass eine zweite Ausgabe aufgetaucht ist, die noch nicht veröffentlicht wurde. Und tatsächlich, ein User namens Bejan teilt seinen Chatfreunden Becky, Ian, Wilson Wilson und Grant mit, dass er seit ein paar Tagen im Besitz des Originalmanuskriptes der zweiten Ausgabe ist. Er hat es ganz einfach in einem Comicladen gekauft. Und es soll großartig sein. Natürlich glauben ihm seine Freunde nicht und so lädt er sie in eine Kneipe ein, um ihnen das Manuskript zu zeigen.

„Where is Jessica Hyde?“ (Arby)

Aber nicht nur unsere Novelfreunde sind in großer Aufregung auch ein düsteres Killerpärchen ist im Auftrage einer geheimnisvollen Organisation auf der Suche nach der zweiten Ausgabe. Und so beginnt eine dramatische Reise und Suche nach dem Comic und nach und nach der Erforschung der eigentlichen Hintergrundgeschichte (totale Überwachung, politische Manipulation, Genozid) und dem roten Faden der Serie und was eine Dame mit Namen Jessica Hyde damit zu tun hat.

Beklemmend real und kompromisslos hart

Die erste Episode beginnt mit einer sehr eingängigen Eröffnungsszene die einen ersten guten Eindruck für die weiteren elf Folgen vermittelt, was die krasse Farbsättigung der Produktion angeht, die skurrilen Figuren sowie die durchaus drastische Darstellung der Gewalt in der Serie. Für mich fungiert die Gewalt und die Farbsättigung auch nicht aus reinem visuellen Selbstzweck sondern es ergibt sich nach und nach ein rundes Bild der Gesamtgeschichte und im Rückblick die Erkenntnis, dass die Geschichte genauso erzählt werden muss.

Spoilerwarnung: Dieser Clip enthält Spoiler zur Handlung

Die Serie kann vor allem durch die Hauptprotagonisten überzeugen, insbesondere Neil Maskell als Killer Arby und Fiona O’Shaughnessy als Jessica Hyde. Vor allem Maskell spielt seinen Arby mehr als furchteinflößend. Sein Serienkiller in Jogginghose, Lederjacke und seinem ständigen Schnaufen beim Gehen sowie sein Mantra artiges „Where is Jessica Hyde?“ lässt einem einen Schauer den Rücken runterlaufen. Neben dem Killer aus „No Country For Old Men“ habe ich lange keinen derart emotionslosen und überzeugenden Killer gesehen. Selbst vor einer Grundschule macht er keinen Halt. Kompromisslos, zielorientiert, erbarmungslos. Zudem steht ihm sein Kumpel, ein Typ mit einer Vorliebe für Löffel, in nichts nach. Ein gefährliches Duo.

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„You won’t be able to shoot me!“

Die Welt, die in den zwei Staffeln aufgebaut wird, ist keine, in der man leben möchte. Die Gefahr, die Enge, die Ausweglosigkeit der Menschheit wird schon recht gut transportiert und spannend inszeniert. Man könnte zwar anmerken, dass die eigentliche Hintergrundgeschichte am Ende nicht ganz den eigenen, also meinen Erwartungen, vor allem hinsichtlich der Auflösung gerecht werden konnte aber der Weg dorthin ist meisterhaft verfilmt, gespielt und als Zuschauer steckt man aufgrund der ungewöhnlichen Bildsprache mittendrin in der Handlung, man wird regelrecht reingezogen in diese Parallelwelt. Und so einfach kommt man dann nicht wieder raus.

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Wer auf eine wunderbar erzählende Form der Handlung Wert legt, vor der Darstellung von Gewalt nicht Fingernagelkauend unter der Decke verschwindet, tolle Bilder und passende Sounduntermalungen mag und überzeugende Schauspieler zu schätzen weiß, der sollte unbedingt einen Blick in diese leider nur zwei Staffeln umfassende Serie werfen. Die Serie endet übrigens nicht mit einem Cliffhanger, den man nicht aushalten könnte.

Bilder: Channel 4

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