Es gibt mehr als einen Jason Bourne!

Review: Treadstone S01E01 – Das Zikaden-Protokoll

SPOILER !!
Chris
20.01.20

„Treadstone“ – der Name bürgt für Qualität. Zumindest dann, wenn man weiß, dass es sich dabei um ein „CIA Black OPs Programm“ handelt, welches das Ziel verfolgt, gewissenlose Super-Attentäter im Baukastensystem herzustellen. Matt Damon durfte bereits Anfang der 2000er Jahre in die Rolle des letzten Spezialagenten des Treadstone Projekts schlüpfen. Vier Kinofilme lang kämpfte sich Matt als Jason Bourne sowohl sein Gedächtnis zurück als auch gegen verfeindete Supermächte und erfüllte die ihm gestellten Aufträge.

Nun gibt es mit „Treadstone“ eine Serienadaption, die sich teilweise am „Bourne Universum“ bedient, welches der Feder von Robert Ludlum entstammt. Am 10. Januar 2020 startete Amazon Prime die Ausstrahlung dieser neuen 10-teiligen Actionserie. Den offiziellen Trailer zur Serie gibt es hier.

Handlung

Als Fan von Action jedweder Art setzte ich mich gespannt vor den Bildschirm und ließ mich von der Pilotfolge berieseln. Anhand mehrerer Rückblenden bis zurück in die frühen 70er Jahre  erhalten wir Einblicke in den Alltag des Treadstone-Projekts. Wir dürfen kurz den „Herstellungsprozess“, besser noch „Zuchtvorgang“ dieser Super-Attentäter verfolgen. Wie sich das so gehört, muss zuerst der Wille des angehenden Superagenten gebrochen werden, wozu man sich interessant gemixter Drogencocktails und allerhand in Geheimdienstkreisen bewährter Foltermethoden bedient. Wer alle Torturen überlebt, wird letztlich als gewissenlose Kampfmaschine im „Schlafmodus“ auf die Welt losgelassen.  So richtig ab gehen diese Krieger erst dann, wenn gewisse implantierte Triggerreize, seien es einzelne Worte oder auch Melodien, ausgelöst werden. Dann spulen sie Terminator-like ihr erlerntes Programm ohne Nachzudenken ab, nichts kann sie dann aufhalten. Ein gewisser John Bentley (dargestellt durch Jeremy Irvine) hat die Ehre, einer dieser überlebenden Kampfmaschinen zu sein, vielleicht sogar die erste ihrer Art, genaueres erfährt man nicht.

Zeitsprung ins Jetzt

Ein Zeitsprung in die Gegenwart nimmt uns mit auf eine kleine Weltreise von einer Ölbohrinsel in Alaska über Nordkorea bis nach Mütterchen Russland. Und egal, wo wir sind: auch angehende Super-Attentäter fristen ihr Alltagsdasein in durchschnittlich-langweiligen Berufen und entsprechenden Behausungen – weit weg von dem berauschenden Lebensstil, den man von Superagenten wie einem James Bond kennt. In „Treadstone“ sieht man keine hochpreisigen britischen Sportwägen oder Luxusappartments und -yachten. Ich gebe zu, ein bisschen beruhigt mich das Ganze ja, ich kann mich so ein wenig besser mit den Protagonisten identifizieren, auch wenn ich bislang kein Black-OPs Programm absolvieren durfte.

Treadstone SoYun Pak

Dieses Gefühl ist allerdings schnell wieder vorbei, sobald die Trigger aktiviert werden. Der nette Ölbohrinselarbeiter von nebenan, Doug McKenna (Brian J. Smith), der nur einer Kneipenbekanntschaft zuhilfe kommen will, zerlegt  auf einmal die halbe Kneipe und verkrüppelt fachmännisch etliche Angreifer, während sich die etwas biedere Klavierlehrerin SoYun Pak (Hyo-Joo Han) als äußert schlagkräftige und erfolgreiche Attentäterin entpuppt.

Im tiefsten Russland hingegen läuft das Leben ruhiger ab. Genug der Actionszenen, dachte sich der Drehbuchschreiber vermutlich. Ein Paketbote liefert ein Hörgerät an Oleg, einen älteren Landwirt aus. Allerdings bringt ihm dieses nicht nur einen Gewinn an Lebensqualität, sondern macht ihn auch etwas zu neugierig gegenüber akustischen Reizen…

Fazit

Wer wie ich Fan von Superagenten und allen voran von Jason Bourne ist, der dürfte auch Gefallen an dieser Serie finden. Action wird ausreichend geboten, Handgreiflichkeiten gibt es genügend, Konflikte werden superagenten-typisch gewaltreich und flott gelöst. Alle Actionszenen sind gut choreografiert, Schlagabfolge und Auswirkungen von Gewalt auf menschliche Körper werden realistisch dargestellt. Man darf keine Wunder erwarten, das Bourne Universum wird weder neu erfunden noch erweitert. Negativ fällt auf, dass die gezeigten Protagonisten sehr wenig Charaktertiefe aufweisen. Die Filmfiguren bleiben eindimensional und relativ konturlos, ihre Handlungen provozieren somit nur wenig Emotionen beim Zuschauer.

Mir ist es tatsächlich passiert, dass ich die beiden bärtigen Hauptdarsteller verwechselte, denjenigen aus den 70er Jahren mit einem Neuzeit-Pendant. Dies verdankt man den teils zu raschen Zeitsprüngen, fast 50 Jahre zurück und wieder ins Jahr 2019. Ab und an bleibt eben das Gehirn des Zuschauers da ein wenig hängen, zumindest mir ging das so. Aber „Schwamm drüber“ und Hirn aus, geliefert wurde solide, popcorntaugliche Abendunterhaltung, die ich auch ungefiltert 50 Minuten lang genossen habe.

Ich freue mich auf weitere Folgen.

Bilder: Amazon Prime Video

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