Die Nord-Hälfte des TV-Duos

„HOMIES“: Interview mit Comedian Moritz Neumeier

Spoilerfrei
Maik
08.04.20

Letzte Woche ist die erste Folge „HOMIES“ live gegangen und ich konnte einem der beiden Comedians ein paar Fragen zur Sendung, der Auswirkung der aktuellen Corona-Krise auf ihn und seine Branche sowie die Rolle von Humor stellen. Dieser „Eine“ ist niemand Geringeres als Moritz Neumeier (oben rechts im Bild), der mir bereits vor ein paar Jahren ein Video über Langeweile gewidmet hatte. Gemeinsam mit Till Reiners spricht er wöchentlich über die momentane Lage im Land und „ExpertInnen“ und Experten über diverse Entwicklungen sowie systemrelevante Berufe.

Eigentlich sollte Moritz‘ bessere Comedy-Hälfte auch Teil dieses Interviews sein, weshalb manche Formulierungen etwas wirr wirken, wo doch jetzt nur er antwortet. Also nicht wundern…

„HOMIES“-Interview mit Moritz Neumeier

Maik: Hello, „HOMIES“. Meine Gratulation zur ersten eigenen (und gemeinsamen) Fernsehsendung!

Moritz: Vielen Dank, wir freuen uns, wenn es jemand anschaut.

Was genau ist „HOMIES“ in einem Satz zusammengefasst?

„Homies“ ist der Versuch, Menschen in ihrem Zuhause zu unterhalten und Fernsehen an die Gegebenheiten, die gerade durch die Quarantäne herrschen, anzupassen.

Von der Idee bis zur ersten Ausstrahlung vergingen soweit ich weiß nur wenige Tage – könnt ihr den Verlauf ein bisschen schildern für uns?

Normalerweise dauert so etwas circa 18 Monate. Bei uns war das anders. Vom Go des Senders bis zur ersten Aufzeichnung hatten wir drei Tage, was sehr kurz ist, um eine komplette Fernsehsendung auf die Beine zu stellen.

Ist es ein bisschen schade, dass die erste richtige, eigene TV-Show der Coronakrise geschuldet und entsprechend kleinformatiger ausfällt, oder überwiegt die Freude dennoch?

Das ist ein zweischneidiges Schwert. Natürlich würde man lieber eine Sendung machen, die man gut vorbereiten kann. Aber die Freude überwiegt. Der Sender und auch das Publikum wissen, dass eine Ausnahmesituation herrscht und werden deshalb einige Dinge eher verzeihen, als bei einer aufwendig produzierten Fernsehshow aus dem Studio.

Der ersten Ausgabe hat man „HOMIES“ noch angemerkt, dass es schnell zuging. An welchen Aspekten wollt ihr in den nächsten Wochen noch feilen? Wird sich die Show noch verändern?

Inzwischen konnten wir sehr viele grundlegende Parameter festlegen. Viel von der Struktur, die man braucht, um eine Sendung zu machen, steht bereits. Vor allem technisch haben wir uns verbessert. Bei der ersten Sendung gab es Verbindungsprobleme, Zeitverzögerungen beim Gespräch und so weiter. All das konnten wir beseitigen. Bei der zweiten Ausgabe wird man merken, dass alles besser vorbereitet ist, weil wir mehr Zeit hatten und nicht an so vielen anderen Stellen schrauben müssen. Auf die Dauer müssen wir uns daran gewöhnen, allein in einem Zimmer eine Fernsehsendung aufzunehmen, ohne Publikum und ohne, dass Till und ich uns sehen. Mit der Zeit können wir aber besser vorausplanen. Wir wissen, wer in ein paar Wochen in der Sendung sein wird und können uns jetzt schon darauf vorbereiten. Es wird sich also noch einiges verändern.

Wie viele Ausgaben von „HOMIES“ sind denn geplant?

Momentan sind sechs Folgen geplant. Nach vier Folgen werden wir und das ZDF entscheiden, ob wir Lust haben, die Sendung auf 12 Folgen zu verlängern. Parallel dazu wird natürlich geguckt, ob wir eine Sommerpause machen und danach mit einer richtigen Show, mit richtigem Publikum zurückkommen, falls das bis dahin schon wieder möglich ist.

Als tourende Comedians unterhaltet ihr eigentlich die Massen mit euren Solo-Programmen oder der gemeinsamen Impro-Gala „Schund und Asche“. Welche Auswirkungen hat die momentane Situation auf euch sowie andere Leute auf und hinter Bühnen?

Für uns hat sich alles geändert, weil unser Hauptaugenmerk schon immer auf den Live-Shows lag. Auch finanziell, bei mir sind 20 Shows weggebrochen und bei Till ebenfalls einige. Wir haben jetzt das Glück, dass wir diese Fernsehshow machen können, das rettet uns über den Sommer. Insgesamt haben wir Glück, weil wir alles ins Internet verlagern können. Aber wir sind darauf angewiesen, im Herbst wieder losfahren zu können und bisher sieht es nicht so aus, als wäre das unbedingt machbar. Für die Leute hinter den Bühnen ist es natürlich katastrophal, weil die darauf angewiesen sind, dass die Bühnen irgendwann wieder aufmachen können.

Welchen Stellenwert besitzt Humor in der aktuellen Weltlage und hat er sich binnen der letzten Wochen gewandelt?

Für mich hatte Humor schon immer einen großen Stellenwert. Weil das meine Art ist, mit Trauer, Wut, Angst und anderen negativen Gefühlen umzugehen. Sobald ich so ein Gefühl habe, merke ich, dass ich als Schutzschild Witze erzähle und erfinde. Ich glaube, dass es vielen Menschen, die jetzt den ganzen Tag deprimierende Corona-Nachrichten hören, helfen kann, abends etwas zu gucken, das ablenkt oder auch ein wenig Witz in diese Meldungen reinbringt. Auf der anderen Seite kann ich es verstehen, wenn manche Leute sagen, dass das Thema zu ernst ist, um Witze darüber zu machen. Ich denke, jeder muss das selbst entscheiden. Wenn du nicht bereit dazu bist, darüber zu lachen, was ich sage, dann guck dir die Sendung nicht an.

Wo ich euch mal beide „dran habe“ – Butter bei die Fische: Wie gut befreundet seid ihr eigentlich wirklich?

Wir kennen uns schon seit 10 Jahren und ich glaube, wir sind wirklich gut befreundet. Wäre das nicht so, würde das Ganze auch nicht so gut funktionieren. Ich glaube wir können uns nur deshalb auf der Bühne so gut gegenseitig fertig machen.

Welche Fernsehserien schaut ihr schaust du gerade?

Im Moment gucke ich eigentlichen keine Fernsehserien, weil ich abends, wenn die Kinder im Bett sind, vor allem schreibe. Meine Frau und ich schauen im Winter mehr Serien. Wir schauen „You“, „Better Call Saul“ und wenn ich Zeit habe schaue ich mir die Stand-Up-Specials meiner Lieblings-Comedians an.

Danke für das Interview.

Mehr von und zu Moritze Neumeier

Ein paar andere Fragen dieses Interviews hatte ich auf meinem Zweitblog veröffentlicht. Dort könnt ihr auch das komplette Comedy-Programm „Hurra.“ von Moritz im Video-Stream anschauen (das Interview hier war dann doch ungewohnt ernst gehalten). Alles Weitere rund um ihn, seine Comedy und bestimmt auch Möglichkeiten, ihn in dieser schweren Lage zu unterstützen, gibt es auf MoritzNeumeier.de zu finden.

Solltet ihr mal Teil von „HOMIES“ sein wollen (als Live-ZuschauerIn oder Gast), dann schaut doch mal auf Homies-Show.de vorbei.

Bild-Copyright: ZDF/Daniel Dittus

Kommentiere


Hinweis: Bei Kommentar-Abgabe werden angegebene Daten sowie IP-Adresse gespeichert und ein Cookie gesetzt (öffentlich einsehbar sind - so angegeben - nur Name, Website und Kommentar). Alle Datenschutz-Informationen dieser Website gibt es hier zu sehen.