Perlen aus der Vergangenheit - Ausgabe #9

Klassiker der Woche: Auf Achse

Spoilerfrei
Tobias
25.10.15

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Mensch Kinder, wie die Zeit vergeht. Mir ist, als hätte ich erst gestern einen Beitrag zu „Cheers“ als Klassiker der Woche geschrieben und einige nette Rückmeldungen bekommen, da die Serie scheinbar nicht nur bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Ich bin gespannt, wie es dieses Mal aussieht. Denn mit „Auf Achse“ hätten wir die erste Deutsche Fernsehserie in der Klassikerreihe. Neben der „Lindenstraße“ und der „Schwarzwaldklinik“ war es „Auf Achse“ die mich als kleinen Buben vor dem Fernseher gefesselt hat. Ich mochte die Grundstory („Brumm Brumm“), die Typen der Serie und als kleiner Fan des „Weltspiegels“, den ich immer noch sehr gerne schaue, war mein Herz natürlich offen und empfänglich für die Bilder aus fernen Ländern.

„Franz Meersdonk, Günther Willers und ihre Maschinen. 320 PS. Sie fahren Terminfracht in aller Herren Länder. Auf sie ist Verlass!“ (Intro Auf Achse)

Seriensteckbrief

Name: Auf Achse
Genre: Abendteuer
Laufzeit: 50 Minuten
Folgen: 86 in 6 Staffeln (1980-1996)
Erstausstrahlung: 11.09.1980 in der ARD
Darsteller: Manfred Krug, Rüdiger Kirschstein, Meret Becker, Andrea Sawatzki, Armin Rohde, Monica Bleibtreu

Handlung

Die Serie „Auf Achse“ verfolgte die Abendteuer der LKW Fahrer Franz Meersdonk und Günther Willers, die für eine Spedition aus München arbeiten, die sich wiederum auf den Fernverkehr spezialisiert hat. Insbesondere in den vorderasiatischen Bereich also Iran, Irak, Türkei. Später führten beide Männer eine eigene Spedition, saßen aber immer noch im Führerhaus der LKWs. Das bei diesen mehrtägigen Frachtfahrten nicht immer alles wie geplant vonstattenging, dürfte jedem klar sein. Überfälle, Visaprobleme, Sprachprobleme, defekte Reifen und Motoren, Krankheiten, Diebstähle – um nur ein paar Probleme zu nennen, denen Meersdonk und Willers bei jeder ihrer Fahrten ausgeliefert waren.

Im Rahmen der 86 Episoden dürften die beiden Herren, ihre LKWs und wir als Zuschauer nahezu jedes Land zwischen London und Moskau, Helsinki und Casablanca angefahren haben. Zudem gab es eine Staffel, die komplett in Mexiko und in der Türkei spielte.

Ein wenig fällt bei den sechs Staffeln leider die letzte, die sechste Staffel ab, da hier nicht nur neue Schauspieler in den Führerhäusern saßen (u.a. Armin Rohde) sondern da nun die Handlung hauptsächlich in Deutschland spielte. Danach wurde die Serie dann auch ohne großes Aufhebens beendet. Ich kann mich noch an einzelne Episoden mit Manfred Krug in Südamerika erinnern aber an keine einzige mit Armin Rohde in Deutschland.

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Meinung

Die Story ist so banal und einfach wie genial. Ein LKW-Fahrer fährt von A nach B, mit dem Ziel, seine Fracht abzuliefern. Auf dem Weg dorthin passieren eben Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat. Es hat mich damals und das tut es auch heute noch – da ich finde, dass die Folgen sehr gut gealtert sind – fasziniert, wie es die Drehbuchautoren geschafft haben, dieses sehr klare Setting immer wieder überraschend aufzubrechen. Die beiden Hauptdarsteller, insbesondere Manfred Krug, waren jahrelang der Inbegriff des Fernfahrers für mich. Aus heutiger Sicht betrachtet erfüllt die Serie neben der Action und dem Abendteuer auch noch das Genre des Thrillers, der Komödie und des Spionagekrimis. Und das auf einem sehr anspruchsvollen Niveau.

Besonderheit

Im Gegensatz zum gewohnten Umgang mit ausländischen Sprachen in Serien wurden in den meisten Folgen die Einheimischen nicht synchronisiert. Sie sprachen stattdessen in der jeweiligen Landessprache und da wir uns in einer Fernfahrerserie befinden, kam dies sehr häufig vor. Auf diese Weise hatten sprachunkundige Zuschauer dieselben Verständigungsprobleme wie Franz Meersdonk und Günther Willers, wodurch die Serie an Authentizität gewann und eine unsichtbare Verbundenheit mit den Serienfiguren hergestellt wurde. Durch die Antworten bzw. Fragen von Meersdonk und Willers ist jedoch auch für den sprachunkundigen Zuschauer gewährleistet gewesen, dass der Sinn der teilweise auch längeren Dialoge trotzdem zu verstehen war. Und wenn nicht, dann landete man des Öfteren zusammen mit Meersdonk und Willers im Gefängnis.

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Die Serie war an sich sehr authentisch, was unter anderen daran lag, dass beide Schauspieler mit einem LKW umgehen konnten und man in der ersten Staffel einen echten LKW Fernfahrer als Experte mit am Set und in der Staffelkonzeption hatte. Man kann also davon ausgehen, dass einige Episoden so oder so ähnlich auf den Straßen Europas, Asiens und Afrikas vorgekommen sind. Und wahrscheinlich heute noch vorkommen.

DVD und Onlinestreaming

Die Serie gibt es seit einiger Zeit als DVD-Komplettbox mit 12 DVDs, die man sich unbedingt anschaffen sollte, da die Serie für mich deutsche Fernsehgeschichte geschrieben hat. Wer mal so in die Serie reinschauen mag, der kann seit diesem Wochenende die nächsten fünf Wochenenden die Folgen 1 bis 5 der ersten Staffel bei Einsfestival anschauen.

Und wer nun noch mehr Folgen rund um LKW, Ladung und lästige Lappalien ansehen mag, der könnte auch bei youtube vorbei schauen. Dort gibt es die Serie nämlich (noch) tutti kompletti. You will find it!

Aber ich muss jetzt los – ihr wisst ja, Terminfracht!

Fotos: ARD

4 Kommentare

  • Das war eine von diesen Serien, die ich zwar irgendwie kannte, aber nie wirklich gesehen hatte. Vielleicht war ich zu jung um mich tatsächlich für die Probleme von Lastwagenfahrern zu interessieren. Ich habe allerdings schon länger vor, diese Lücke in meinem Fernsehwissen zu füllen.

    Zum Thema „Eindruck hinterlassen“ sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass die britische Band „Franz Ferdinand“ einen Song auf ihrem ersten Album tatsächlich „Auf Achse“ nannte. Textlich oder musikalisch besteht kein Zusammenhang zur Serie, aber dem Sänger nach ist der Titel tatsächlich als Hommage gemeint.

    • Unbedingt muss die Lücke gefüllt werden! Da kann es keine zwei Meinungen geben .. ;)

      Die Sache mit „Franz Ferdinand“ hatte ich in der Tat auf dem Zettel aber wohl beim schreiben auch irgendwie wieder vergessen. Aber gut, dass du das hier noch mal erwähnst. Vielleicht liest ja ein Ferdinand-Fan mit und weiß nun endlich woher dieser Song kommt.

      Dann hätten wir auch wieder etwas für die musikalische (Spät-) Erziehung getan.

  • Hach ja, Auf Achse. Die Fernseh-Ära, in der ZDF auch noch für junge Menschen guckbar war.

    Wegen der Serie wollte ich unbedingt Fernfahrer werden als Erwachsener. Zum Glück sind mir die wahren Realitäten dann aber doch klar geworden und heute sitze ich dann doch nicht auf dem Bock und warte auf einem Rastplatz darauf, dass der Sonntag vorbei geht.

  • kappelnmax

    Mensch, die Sendung lief doch im ARD Regionalprogramm, bei uns im Norden also im NDR. Also NICHT im ZDF!
    Es wird für immer eine Kultserie bleiben. Filme und Serien mit Manfred Krug haben einen
    hohen Qualitätswert. Auch Liebling Kreuzberg ist zeitlos gut. Und die Tatorte mit Brauer und E.Bessen ebenso.
    Zur Zeit läuft Auf Achse übrigens immer Sonnabends gegen 16:45 Uhr auf 1 Festival!



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