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Perlen aus der Vergangenheit – Ausgabe #15

Klassiker der Woche: Father Ted

Spoilerfrei
Tobias
06.12.15

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Wenn man sich einmal Pläne macht! Dann kommt Kien mit (s)einem britischen Klassiker der Woche dazwischen. Vor zwei Wochen hat uns Kien „The Inbetweeners“ als Klassiker der Woche vorgestellt und mir damit meinen Klassiker-Hattrick versaut. Der Plan sah vor mit „Auf Achse“ die erste deutsche Serie vorzustellen, an diesem Sonntag die erste britische Serie und dann beim nächsten Mal für eine weitere „Länderpremiere“ hier beim Klassiker der Woche zu sorgen. Aber da eine Anpassung der Planung nicht in Frage kommt, verkaufe ich den heutigen Klassiker einfach als erste irische Serie beim Klassiker der Woche. Stimmt zwar nicht ganz, aber hey, die Regeln für einen reinen Hattrick stelle ich hier auf.

Ich bitte dann zunächst mal um Handzeichen (in den Kommentaren), wer mit „Father Ted“ etwas anfangen kann. Die Vermutung liegt nahe, dass das nicht viele von Euch sein werden. Was nicht schlimm ist. Wären wir allerdings in Irland und ich würde diese Frage stellen, vermutlich würde sich jede irische Hand heben. Und auch die britischen Hände dürften nach oben schnellen, denn „Father Ted“ ist ein großer Klassiker auf der Insel und die Serie läuft immer noch hier und da im Spätprogramm als Wiederholung.

Der Serien-Steckbrief

Name: Father Ted
Genre: Comedy, Sitcom
Laufzeit: 24 Minuten
Folgen: 25 in 3 Staffeln
Erstausstrahlung: 01. April 1995 (UK)
Darsteller: Dermot Morgan, Graham Norton, Ardal O´Hanlon, Frank Kelly, Pauline McLynn

Handlung

Der der Serie namensgebende Father Ted lebt mit zwei weiteren Priestern und einer Haushälterin auf einer abgelegenen irischen Insel namens Craggy. In den drei Staffeln dreht sich alles um das Zusammenleben dieser vier Hauptfiguren in dem kleinen Pfarrhaus und den wenigen Einwohnern dieser Insel. Da wir hier eine britische Sitcom haben, sind die Szenen und Handlungsinhalte hauptsächlich durch Situationshumor und Überzeichnung der Geschichten und der Lebensgewohnheiten einer „Pfarrfamilie“ geprägt.

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Die vier Hauptfiguren sind natürlich ebenfalls stark überzeichnet. Wir hätten da Father Ted, einen intelligenten Mann und der einzige Geistliche der Serie, der sein Amt ernst nimmt und auch wirklich gläubig ist. Wie für alle so ist der Aufenthalt auf Craggy auch für Father Ted eine Strafe, da er in seiner früheren Gemeinde Geld veruntreut haben soll. Darüber existieren aber unterschiedliche Variationen. Das jüngste Mitglied in dieser Hausgemeinschaft ist Father Dougal, einem sehr freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Da Dougal aber mit einem kindlich naiven Gemüt ausgestattet ist und man ihn nicht unbedingt als besonders intelligent bezeichnen kann, enden derartige Hilfsangebote zumeist im Chaos. Zudem hat Dougal erhebliche Probleme, seine Fantasie von der Realität zu unterscheiden. Während Father Ted ein sehr gläubiger Mann ist, beherrscht Dougal nicht mal die einfachsten liturgischen Abläufe, glaubt nicht an das ewige Leben und die Auferstehung sondern an übernatürliche Dinge wie beispielsweise an Außerirdische. Father Jack ist ein alter Mann, der seinen Lebensabend auf Craggy verbringt. Dies tut er meist stillsitzend auf seinem Sessel. Wenn er allerdings das Wort ergreift, dann vernimmt man die schönsten britischen Schimpfwörter und Flüche, die man bis dahin gehört hat. Darüber hinaus ist Father Jack in der Lage, Unmengen an Alkohol zu sich zu nehmen, er präsentiert diese Superkraft auch täglich und ich kann mich an keine Episode erinnern, an dem Father Jack mal so richtig nüchtern war. Die Dame im Bunde ist Mrs. Doyle, die Haushälterin. Auch sie hat ihre Eigenarten, so liebt sie nichts mehr als Tee, Kuchen und Sandwiche zu servieren. Und sie kümmert sich liebevoll um die drei Herren, die ohne sie aufgeschmissen wären.

Das besondere an „Father Ted“ ist der rote Faden der Serie, denn die Serie karikiert natürlich vor allem das Priestertum im Allgemeinen und die katholische Kirche im Besonderen. Satire trifft britischen Humor trifft Alltagssituationen. Brilliant!

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Natürlich stieß die Serie bei der katholischen Kirche insbesondere in Irland nicht gerade auf Wohlwollen. Wie auch, im Mittelpunkt steht ein moralisch fragwürdiger Priester, ein geschwätziger Vollidiot, ein ständig betrunkener, ungehobelter alter Mann, der ständig vor sich hin flucht und anstößige Auswürfe von sich gibt. Und oben drauf gibt es noch den zuständigen Bischoff der drei Pappenheimer, der dem im Nichts nachsteht, mit nackten jungen Damen im Whirpool sitzt und ein Kind in den USA sein eigen Fleisch und Blut nennen kann.

Von der Idee zur Kultserie

Die Serie verbinde ich nicht nur aus Hattrickgründen mit Irland. Denn zum Einen spielt die Serie in Irland, hatte und hat dort ihre größten Erfolge, und zum Anderen waren die Schauspieler zumeist Iren und auch der Autor der Serie, niemand geringeres als Graham Linehan („The IT Crowd“, „Black Books“), ist auf der grünen Insel geboren. Allerdings war die Serie auch in Irland ein Überraschungserfolg.

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Nicht nur die Kirche auch die Zuschauer hatten zu Beginn ihre Probleme mit dieser Darstellung von Priestern und der Kirche im Allgemeinen. Natürlich war allen die Absurdität der Ereignisse und die Überzeichnung der Figuren bewusst, dennoch waren die ersten Episoden nicht gerade von Erfolg gekrönt. Es dauerte aber nicht lange und am Ende der ersten Staffel hing ein ganzes Volk an den Lippen von Father Ted und Co.

Insbesondere der außerordentlich gute Cast der Serie und deren Verkörperung ihrer überzeichneten Figuren trug dazu bei, dass diese Serie einen echten Kultstatus auf der Insel besitzt. Dermot Morgan, der Father Ted in der Serie, war zu jener Zeit Stand Up Comedian und auch Ardal O`Hanlon (Father Dougal) kam aus diesem Metier. Beide hatten aber kaum Erfahrungen als Schauspieler, so dass sie eher unverkrampft an ihre Rollen herangegangen sind. Und sie dennoch oder gerade dessen diese Figuren zur Perfektion getrieben haben. Diese Mischung kam an.

Neben dem Cast überzeugte aber auch das Drehbuch voller Kreativität und Witz, für das u.a. Graham Linehan verantwortlich zeichnete. Die Dialoge haben immer wieder erinnerungswürdige Momente geschaffen, ebensolche Figuren erfunden und weirde Situationen Wirklichkeit werden lassen. Und Linehan ist es auch zu verdanken, dass der Hauptcast mit seinen überdrehten Figuren in ihren Geschichten auf nicht minder interessante Personen stießen. Jede Folge hat ihren Gast, der der Geschichte ihren besonderen Eindruck aufoktroyiert. Einer der regelmäßigen Gäste war der damals noch unbekannte Graham Norton, der durch seine Rolle als Father Noel einem größeren Publikum bekannt wurde. Dialogfetzen, insbesondere die Auswürfe und Flüche von Father Jack, prägten eine ganze Generation und wurden in der Jugendsprache dieser Zeit heimisch und man konnte wohl auf keinen britischen Schulhof gehen und dabei nicht auf „feck off“ oder „arse biscuits“ zu stoßen.

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Nach drei Staffeln war allerdings Schluss mit lustig. Tragischerweise starb Dermot Morgan nur 24 Stunden nach dem letzten Take der letzten Folge an einem Herzanfall. Das Ende der Serie war da zwar schon besiegelt, durch den plötzlichen Tod des Hauptdarstellers weht aber immer auch ein seichter Wind der Tragik rund um diese Serie mit, wenn in regelmäßigen Abständen nach den kultigsten Sitcoms aller Zeiten gefragt wird, bei denen „Father Ted“ immer noch Spitzenplätze auf der Insel einnimmt.

Die Serie und der Cast gewannen reihenweise Preise und Auszeichnungen als beste Sitcom, Comedy Show etc. und gehört mit seinen 25 Episoden immer noch zum laufenden Fernsehprogramm auf der Insel. Wenn auch nicht mehr zur Primetime.

Wie komme ich an die Serie?

Über eine der besagten Bestenlisten kam ich vor Jahren auf diese eigenartige Serie, deren Humor bei mir ziemlich schnell auf fruchtbaren Boden fiel. Auch wenn die Bildqualität der Gesamt-DVD Box nicht mit der Qualität heutiger Serien mithalten kann, die Serie fasziniert immer noch. Ich hatte die Box seinerzeit via amazon.co.uk gebraucht gekauft, vielleicht waren es so 5 GBP, die ich dafür bezahlt habe. Für den Fan britischer Serien ist „Father Ted“ aus meiner Sicht schon fast ein Must-Have in der eigenen Sammlung. Und für die an lustigen und ganz eigenen Serien Interessierten unter euch sei gesagt, vielleicht finden sich ja sämtliche Episoden bei youtube. Wäre ein Blick wert. Oder?

Feckin Mrs Doyle | Father Ted - "And God Created Woman" (1995)

Abschließender Gedanke: Schauen wir mal ob in den kommenden fünf Wochen meine Mitstreiter einen Klassiker vorstellen, der den finalen und potenziellen Premierenhattrick dann doch noch verhindert. Ich schiele da auf Spanien, Frankreich oder Israel. We will see!

Fotos: Channel 4

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