Perlen aus der Vergangenheit – Ausgabe #3

Klassiker der Woche: Cheers

Spoilerfrei
Tobias
13.09.15

Und schon wieder ist eine Woche AWESOMENESS vorüber und wir haben Sonntag. Solltet ihr das ihr lesen, habe ich es in meiner Woche der Verantwortung für sAWE.tv einigermaßen angemessen hinbekommen, dass die Seite diese Zeit überlebt. Da könnten Pflanzen, die unter meiner Obhut standen, andere Geschichten erzählen. Wenn sie es denn noch könnten.

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Where everybody knows your name!

Unsere neue Reihe „Klassiker der Woche“ geht nun in seine dritte Ausgabe und wird weiterhin jede Woche etwas anders aussehen, da jeder von uns noch seinen Stil zu dieser Reihe finden muss. Inhaltlich wird es beim „Klassiker der Woche“ aber immer um Serien gehen, zu denen wir eine ganz besondere Beziehung haben. Da wir alle schon etwas länger dem Schulhof entflohen sind und die besonderen Beziehungen eher in der Kindheit entstehen, wird es in den meisten Fällen um Serien gehen, die schon lange abgedreht und damit sehr wahrscheinlich bei den meisten von Euch nicht mehr so präsent sind. Das muss nicht sein, in den meisten Fällen wohl aber schon. Ziel dieser neuen Reihe ist daher also auch, euch abseits des aktuellen Serienwahnsinns die kleinen und großen, bekannten oder weniger bekannten Serienperlen vorzustellen, die man kennen und wenn es nach uns geht auch geschaut haben sollte.

Mein erster Beitrag in dieser Reihe führt uns in die goldenen 80iger. Ronald Reagan war US Präsident und Deutschland feierte einen Rotschopf aus Leimen für sein Können mit einem Filzball umzugehen. Kult-Serien wie „Ein Engel auf Erden“, „Simon & Simon“ oder auch „Ein Colt für alle Fälle“ bestimmten das US Fernsehprogramm. Der Sender NBC stand zu jener Zeit für Qualitätsfernsehprogramm im Allgemeinen und Qualitätsserien im Besonderen. Insbesondere die Vielfäligkeit des Genres Sitcom wäre heutzutage ohne NBC wohl nicht denkbar. Da wurde Pionierarbeit geleistet. Eine dieser Pionierleistungen war und ist die weltallerbeste Serie „die wo gibt“ auf diesen Planeten: „Cheers“. Und um dieses Kleinod soll es heute gehen.

Zur Einstimmung erst einmal eine der wohl eingängigsten Intromelodien der Seriengeschichte:

Der Serien-Kurz-Steckbrief

Name: Cheers
Genre: Sitcom
Laufzeit: 24 Min.
Staffeln (Folgen): 11 (275)
Ausstrahlung: 30. September 1982 auf NBC (Ende: 20. Mai 1993)
Darsteller: Ted Danson, Shelley Long, Rhea Perlman, Nicholas Colasanto, Woody Harrelson, George Wendt, John Ratzenberger, Kirstie Alley, Kelsey Grammar, Bebe Neuwirth

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der Cast der ersten Stunde und der ersten Staffeln (v.l.n.r. Colasanto, Danson, Long, Ratzenberger, Perlman, Wendt)

Inhalt der Serie

Die gesamte Handlung findet bis auf wenige Ausnahmen in einer kleinen Kellerbar in Boston statt. Diese Bar wird von einem ehemaligen Baseballspieler der Boston Red Sox geführt, Sam Malone (Danson), ein ewiger Frauenheld und trockener Alkoholiker. Sam hat in seiner professionellen Baseballkarriere viele Auf und Abs erlebt – Alkohol und Frauen – und mit seinen letzten Scheinen diese kleine Bar erworben. Diese Bar geht mal gut, mal schlecht aber wichtiger sind Sam die Leute, die in diese Bar kommen. Auch wenn er das selber nie zugeben würde. So hat er seinen ehemaligen aber naiven Coach als Barkeeper angestellt, verkörpert durch Nicholas Colasanto, der von allen Gästen ebenfalls nur mit „Coach“ angesprochen wird, um ihm im Alter eine regelmäßige Anstellung und Einkommen zu bieten. Und aus Dankbarkeit, weil Coach auch in den dunkelsten Stunden immer eine Hand über Sam gehalten hatte.

Sam ist zumeist der nette Chef, der von Buchhaltung nicht viel hält und immer ein Ohr für die Sorgen seiner Angestellten aber mehr noch seine Augen für schöne Frauen offen hat, die seine Bar betreten. Dann wird nämlich ein Schluck aus der obligatorischen Wasserflasche genommen, ein Spritzer Aftershave am Hals verteilt (steht immer griffbereit an der Kasse) und unter dem Gejohle der Stammgäste Norm (Wendt) und Cliff (Ratzenberger) mit „Sam, Sam, Sam“ Sprüchen über die Bar gesprungen und mit einem charmanten Spruch an die auserwählte Dame herangepirscht. Erfolgsquote nahezu 100%.

Der „gute“ Geist der Bar ist Carla (Perlman), die Kellnerin des Cheers, so der Name der Bar, die mit ihrem flinken Mundwerk und spitzfindigen Sprüchen schon so manchen Gast sprachlos gemacht hat. Ihr Lieblingsopfer für Beleidigungen ist aber einer der Stammgäste des Cheers, Cliff, ein Postbeamter, der noch bei seiner Mutter wohnt. Eine der wohl hervorstechendsten Charaktereigenschaften von Cliff ist sein vermeintliches Allgemeinwissen, was er jedem und zu jeder Zeit um die Ohren haut. Die Stammgäste verziehen sich aber meist, wenn sie merken, dass Cliff wieder einmal anfängt wie ein Professor über nichtige Dinge zu referieren. Sein bester Freund ist Norm, der zwar verheiratet ist, aber mehr Zeit in der Bar verbringt als zuhause zu sein. Norms Frau, Vera, ist eine der Serienfiguren, die man niemals zu Gesicht bekommt. Mal ruft sie im Cheers an oder man sieht nur ihre Beine, wenn sie die Treppen zum Cheers runter geht.

Norms hervorstechendste Eigenschaft ist die Vorliebe für Bier und sein riesiger Deckel, den er im Cheers hat und die Grundlage für den potentiellen Reichtum Sam Malones darstellt, den er aber nie bezahlen wird. Norm ist zudem überall in den Bars der Stadt bekannt und wird überall namentlich („Noooooorm“) begrüßt, wenn er eine Lokalität betritt. Einer der running gags der Serie. Zudem sitzt Norm immer am Ende der Bar. Immer auf demselben Stuhl, von wo er alles im Blick hat. Ein paar mal kommt es sogar dazu, dass dort normale Gäste sitzen und man nun Norm dabei beobachten kann, wie er versucht seinen Platz zurückzuerobern. Classic!

Zu dieser Stammmannschaft des Cheers gesellte sich in der ersten Folge Diane, eine studierte und sehr von sich überzeugte Dame „aus der besseren Gesellschaft“. Zumindest in ihren Augen. Sie wurde von ihrem Verlobten, ihren ehemaligen Professor von der Uni, versetzt und strandete nun mittelos im Cheers. Sam, ganz Gentleman hörte sich ihre Sorgen an und bot der abgebrannten Diane, völlig uneigennützig einen Job als Kellnerin im Cheers an. Welchen Diane auch annahm, sehr zum Missfallen von Carla, die nun aber eine zweite Zielscheibe für ihre Beleidigungen hatte.

Zwischen Sam und Diane entwickelte sich alsbald eine heiße Affäre, die wiederum in einer chaotischen Beziehung endete. Man trennte sich daraufhin aber als Zuschauer hatte man bis zur letzten Folge der Serie die Hoffnung, dass es zwischen beiden doch noch einmal klappen könnte. Als Shelley Long aus der Serie ausstieg, um mehr Zeit für ihre (erfolglose) Filmkarriere zu haben, wurde der weibliche Part der Serie neben Rhea Perlman durch Kirstie Alley übernommen, die die Bar als Rebecca Howe treuhänderisch für ein Großunternehmen führte, da Sam seine Bar verkaufen musste. Ihre Figur ist nun das Ziel von Sams Versuchen einen schönen Abend zu verleben, allerdings ohne großen Erfolg.

Zu einem späteren Zeitpunkt wurde die Stammbesetzung dann noch um das Ehepaar Dr. Frasier Crane (Grammer) und Dr. Lilith Sternin-Crane (Neuwirth) erweitert, beides Psychologen und nach ihrem ersten Auftritt in „Cheers“ ebenfalls Stammgäste, um auch mehr potentielle Geschichten von außerhalb der Bar in die Handlung einbauen zu können. Die Geschichten, die die 11 Staffeln erzählen, handeln grundsätzlich vom Leben der Gäste und der Angestellten der Bar. Dinge des alltäglichen Lebens eben. Es wird getrunken, gerauft, Sportsendungen zusammen geschaut, geheiratet, gestorben, Kinder geboren und vor allem das Leben miteinander verbracht. Immer mit dem besonderen Cheers-Humor. Und einem Glas Bier in der Hand.

Dazu gehörte leider auch der unerwartete Tod von Colasanto, dem „Coach“ und Barkeeper in der Serie und ein wenig der Star der Serie, da seine Figur des naiven aber gutgläubigen Barkeepers die Herzen aller Zuschauer berührte und erfreute. Die Rolle des gutgläubigen Barkeepers wurde dann von Woody Harrelson übernommen, dessen Serienfigur Woody Boyd sich als sogar noch einen Ticken gutgläubiger herausstellte als es Coach jemals sein konnte.

Cheers in Deutschland

Ein wahrlich schwarzes Kapitel. Recht früh nach dem Serienstart in den USA hatte sich das ZDF 1985 die Rechte an der Serie gesichert und beauftragte eine Firma mit der Synchronisation der Serie. Das Ergebnis war schlimm. Die Folgen waren nicht nur völlig neu mit Dialogen versehen auch die Namen der Figuren wurden „eingedeutscht“. Aus Sam wurde Hubert, aus Norm wurde Helmut und aus Cliff Uwe. Daher rührt auch der Name dieser Serie, „Prost, Helmut“. Die Serie wurde dann auch recht schnell abgesetzt. Erst zehn Jahre später und bei RTL feierte die Serie ihre deutsche Wiederauferstehung, dieses Mal mit der originalgetreuen Synchronisation der Dialoge. Und auch die Figuren durften ihre ursprünglichen Namen behalten.

Vom ersten Versuch ist sogar noch das eingedeutschte Intro erhalten geblieben – schrecklich. Aber auch ungewollt komisch.

Auszeichnungen

Die Serie gehört zu den meistausgezeichneten Serien der amerikanischen Fernsehgeschichte. Die Serie wurde 117 mal für einen Emmy nominiert, 27 der Nominierungen gewann sie dann auch. Auch die beteiligten Schauspieler gehörten zu jener Zeit zu den sicheren Nominierungskandidaten bei den Verleihungen, viele der Kategorien konnte der Cheers-Cast dann letztendlich auch für sich entscheiden.

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der Cast der zweiten Hälfte (v.l.n.r. Wendt, Perlman, Alley, Harrelson, Danson, Grammar, Neuwirth, Ratzenberger)

Spin-Offs und gefühlte Fortsetzungen

Natürlich wurde versucht nach dem Ende der Serie das Cheers-Universum anderweitig am Leben zu erhalten. Und dies gelang in einem Ausmaß, welches sich wohl die wenigsten erträumt hatten. Denn mit „Frasier“ wurde eine neue Serie geschaffen, die das Leben von Dr. Frasier Crane nach dem Wegzug aus Boston nach Seattle zum Inhalt hatte. „Frasier“ lief noch mal so lang wie „Cheers“, erzielte ebenso viele Auszeichnungen und jede der Figuren aus „Cheers“ hatte in „Frasier“ hier und da noch mal einen Gastauftritt. Aber auch in anderen Serien wie „Friends“ oder „Seinfeld“ wurde auf das Cheers-Universum Bezug genommen.

Gänzlich außerhalb des Cheers-Universum aber für mich dennoch in einem Atemzug zu nennen, wäre eine der Nachfolgeserien von Ted Danson, „Becker„. Hier spielte Danson einen griesgrämigen und zynischen Arzt im New Yorker Stadtteil Bronx, und ich hatte immer wieder das Gefühl, dass er plötzlich nicht in seinem Stammcafe eine Zigarette rauchen würde sondern als Gag im Cheers. Passierte natürlich aber nie. Auch die anderen Schauspieler sehe ich ab und an immer noch gerne in den verschiedensten Rollen. Bei Grammer könne man neben „Frasier“ noch „Boss“ erwähnen. Zu Harrelson muss man wohl nicht viel schreiben. Wendt und Ratzenberger tourten beispielsweise als Norm und Cliff durchs Land und konnten mit ihrer Stand-Up Show noch ein wenig von ihrem Ruhm zehren. George Wendt ist zudem der einzige amerikanische Schauspieler, der seine Serienfigur in sieben verschiedenen Serien verkörpern durfte. John Ratzenberger folgt ihm mit seinem Cliff aber hart auf den Fersen mit sechs Serien. Rhea Perlman ist im Übrigen die Ehefrau von Danny DeVito, falls das mal in einem Serienquiz gefragt werden sollte, wisst ihr das nun auch.

Einmal im Jahr muss sein – seit meiner Kindheit

Für mich gehört „Cheers“ zum jährlichen Pflichtprogramm. Ich kann mich noch sehr gut an meine ersten Episoden bei RTL erinnern, ich kam als 16jähriger samtagabends aus der Stadt nach Hause, stellte meine bereitgestellten Miracoli (bei uns war Samstag Miracoli Tag) in die Mikrowelle und schaute noch eine Episode „Cheers“, bevor ich dann ins Bett ging und meine Mutter das Schlafzimmerlicht löschen konnte, da sie alle Söhne wohlbehalten zuhause wusste.

„Cheers“ gehört mit Abstand zu meinen Lieblingsserien und viele Dialoge kann ich mitsprechen. Dazu passt es im Übrigen überhaupt nicht, dass ich nicht die Chance genutzt habe, mich vor dem Originalgebäude des Cheers – sieht man im Intro am Anfang – ablichten zu lassen, als wir anlässlich unserer Hochzeitsreise Station in Boston machten. Was mich da getrieben hat, weiß wohl nur der Seriengott.

Ich lass euch dann mal alleine mit den letzten Minuten der Serie, die wie ich finde damals mit einem starken Finale zu Ende gegangen ist. Ich geh derweil in meine Stammkneipe um die Ecke, denn auch dort treffe ich auf Menschen, die meinen Namen kennen. Cheers!

 

Fotos: NBC

6 Kommentare

  • „Adaption: Ivar Combrinck“
    Das erklärt so vieles…

    Kleine Kuriosität am Rande: Der Remix der Titelmelodie von „La Boom“, einem Elektronikprojekt von Jan Delay, dass so um 2001 sein meines Wissens nach einziges Album veröffentlichte.

    https://youtu.be/gnIjHIk_Sug

    • Merci für dieses schreckliche Stück Musik, kannte ich bisher nicht.

      Und dein Kommentar zu Combrinck unter schreibe ich ?

  • Schappenberg

    Danke für die Vorstellung dieses (DES) Klassikers, jetzt wäre mir fast eine kleine Träne gekommen :-)

    • Schäme dich deiner Tränen nicht, Wanderer, dein Auge wird in trockenen Zeiten genussvoll an das kühle Nass zurückdenken und sich daran laben.

      (frei nach mir)

      Schön wenn die Zeilen ein paar Erinnerungen wiederbelebt haben. Cheers war schon echt classic.

  • Wahrlich eine der schönsten Serien!Ich hatte bestimmt beim anschauen jeder Folge so ein leuchten der Freude in meinen Augen. :-D

    • Schön dass die Serie heutzutage nicht nur bei mir immer noch den Stellenwert hat, den sie verdient.



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