Chris regt sich auf

Mein TV-Aufreger der Woche: Aus für „Hindafing“

14.03.20 15:12
DramaSerien
Spoilerfrei
Chris
14.03.20

Nein, nicht ganz Deutschland ist dem Corona-Fieber anheimgefallen, mindestens ein kleines, wenn auch fiktives, Dörfchen stellt sich dem ganzen Tumult entgegen. Hindafing! Wer oder was ist denn Hindafing? Eine verschlafene bayerische Gemeinde, geographisch irgendwo zwischen Ingolstadt und Tschechien zu finden, eingebettet inmitten unfertiger Windparks und Biofood-aus-Gammelfleisch-Fabriken.

Netflix hatte vor wenigen Wochen mit der Ausstrahlung der zweiten Staffel dieser genialen Politsatire begonnen und ich hatte mich in der Tat ein bisschen verliebt. In die Darsteller, allen voran Maximilian Brückner als koksender und machtbesessender Wendehals-Bürgermeister Alfons Zischl, den Wahnsinn, das Chaos in dessen Alltag, die überzeichneten Figuren der Serie. Selten habe ich eine so gut gemachte, groteske, bitterböse und zynische Serie im deutschen Fernsehen erleben dürfen, die die (hier bayerische) Provinz überspitzt, aber doch irgendwie gar nicht mal so unrealistisch darstellt und dabei auch noch aktuelle Themen wie Fracking, erneuerbare Energien oder die Flüchtlingsproblematik mit an Bord nimmt. Nicht umsonst wurde „Hindafing“ als die bayerische Antwort auf „Fargo“ von den Kritiken gefeiert. Endlich mal wieder eine deutsche Serie, die sich mit internationalen Top-Produktionen messen kann!

Wo ist nun der Aufreger?

Gerade für Donnerstag, den 12.03.2020 war eine Sitzung des Rundfunkrats anberaumt, deren Entscheidung einen nicht unwesentlichen Anteil an der weiteren Zukunft dieser Serie haben wird.
Was hat Alfons denn nun wieder angestellt, fragt man sich? Wird er nach seiner Karriere als Bürgermeister und dann Landtagsabgeordneter jetzt die Bundespolitik anvisieren? Oder doch eher im EU-Parlament seinen Geschäften nachgehen? Alfons selbst trägt aber keine Schuld an meinem Ärger. Ich zitiere aus einem Beschwerdeschreiben des Landeskirchenrats Dieter Breit an den BR-Intendanten Ulrich Wilhelm:

In „Hindafing [sind] nahezu alle Hauptfiguren (…) durch und durch korrupt, größtenteils in verbrecherische Machenschaften verstrickt, pathologisch gewissenlos oder zumindest naiv charakterisiert“.

Breit führt weiter aus, dass man Politik, Wirtschaft, Kirche und Medien „beim besten Willen kein Vertrauen“ mehr schenken könne, wenn es nach Hindafing ginge.

Was soll das jetzt bitte heißen? Keine dritte Staffel, weil der BR nun doch das Klischee von den verstockten, konservativen und spaßbefreiten Bayern untermauert und Angst hat, dass die Rest der Welt sehen könnte, dass unser schönes Bundesland eben auch Schattenseiten hat? Chance verpasst! Schade, wenn Satire und schwarzer Humor missverstanden werden, sehr schade wenn dieses Unverständnis aber auch dazu führen sollte, dass es niemals eine dritte Staffel von „Hindafing“ geben wird. Um dies zu verhindern, ergeht folgender Aufruf an Euch da draußen: Meine verehrten Politsatireliebhaberinnen und -liebhaber, lasset uns sämtliche Däumchen drücken, dass sich Rundfunkrat und Bayerischer Rundfunk eines Besseren besinnen und „Hindafing“ nicht absetzen!

„Eine Satire, die der Zensor versteht, wird mit Recht verboten…!“ (Karl Kraus, Satiriker)

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