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UEFA EURO 2020 hat konsequente Richtlinien

Mein TV-Aufreger der Woche: Regenbögen; aber nur bei Sponsoren bitte!

Spoilerfrei
Nicola
03.07.21

Ich denke mal, über das Ergebnis des Achtelfinales Deutschland gegen England müssen wir gar nicht mehr reden. Wahrscheinlich hat ein Großteil von euch auch das Fußballspiel der Europameisterschaft verfolgt. Ich möchte aber entgegen der ersten Erwartungen nicht über die Spielweise oder Jogis Versagen oder Gott weiß, worüber die Medien sich bereits aufgeregt haben, diskutieren. Mir ist nämlich vielmehr ein ganz anderer Aspekt aufgefallen, der mich tatsächlich tierisch aufgeregt hat.

Ich muss zunächst etwas weiter ausholen. Wie viele von euch wahrscheinlich wissen, war im Juni Pride-Month, der Monat in dem weltweit besonders auf die Rechte in Sachen LGBTIQ geschaut wird und sie in den Fokus gerückt werden. Und wie vielleicht einige von euch auch in den Nachrichten gesehen haben, hat Ungarn vor kurzem ein Gesetz gegen die Darstellung von Homosexuellen in Medien für Kinder und Jugendliche verabschiedet. Wir erinnern uns: Aus Protest dagegen wollte sich die Münchener Allianz-Arena beim Spiel gegen Ungarn in Regenbogenfarben präsentieren.

Allerdings wurde dies von der UEFA untersagt, mit der Begründung, sie seien zu Neutralität, hauptsächlich im politischen Sinne, verpflichtet. Gut, okay. Kann ich bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Allerdings hat Gleichberechtigung der Geschlechter und Sexualitäten für mich nichts mit Politik sondern mit Menschenrechten zu tun und das sollte nicht diskutiert werden. Die UEFA hat nach der Absage folgendes Statement veröffentlicht.

Okay damit ich das richtig verstehe: Es ist in Ordnung, sich selber mit dem Regenbogen zu schmücken, um als weltoffen und divers zu gelten, aber wenn es darum geht, auch wirklich die Rechte dieser Leute zu unterstützen, wird sich damit herausgeredet, dass man doch Neutralität wahren muss? Für mich passt das Ganze irgendwie nicht komplett zusammen. Was mich dann aber noch mehr stört: Sobald es um Geld geht, darf mit Regenbogenfarben um sich geworfen werden, wie man nur will. Mir sind bereits beim Spiel Deutschland gegen Ungarn Werbeflächen an den Banden aufgefallen, die passend zum Pride-Month in Regenbogenfarben erstrahlten. Noch extremer ist mir das aber erst bei dem Achtelfinale Deutschland gegen England bewusst geworden. Da ich zuvor einen Beitrag über chinesische Werbung auf den Banden gesehen hatte, wollte ich etwas bewusster auf die Werbung achten – und dabei fiel mir ebenfalls auf, dass so gut wie jede zweite oder dritte Werbung in irgendeiner Weise in Regenbogenfarben zu sehen war. Man darf also kein Stadion mit einem Regenbogen von außen beleuchten, was nebenbei bemerkt bei Fernsehübertragungen so gut wie nie von außen zu sehen ist, aber man darf so gut wie jedem Sponsor genehmigen, Pride-Werbung zu schalten? Ach ja, ganz vergessen: Werbung ist ja auch nicht politisch. Ganz ehrlich: Ich verstehe es nicht. Entweder, man ist für die Gleichberechtigung und Diversität, oder man lässt es gleich bleiben. Aber sowas wie Neutralität gibt es für mich bei einem solchen Thema nicht. Was mich wieder zu dem Schluss bringt, dass auf den Pride-Month Zug aufgesprungen wurde, um Marketing-technisch gut darzustehen, und das war es dann leider auch schon. Irgendwie muss ich da ein bisschen an ein Zitat von Lake aus „Love, Victor“ denken. Traurig aber wahr.

„Say the word and I will ditch these gays like a corporation after pride month.“

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