Es geht auch ohne Fremdscham

AWESOME 5: Die besten neuen Reality-TV Formate

Mini-Spoiler
Leonie
24.07.20

Awesome 5 neue Reality TV Formate

v.l.n.r. © RTL / Netflix / Netflix / Netflix / Sat.1

Es hat sich wahrscheinlich mittlerweile herumgesprochen, dass ich mir im Reality-TV Bereich so ziemlich alles ansehe, von Kochshows über Dating-Formate bis hin zu Immobilien-Verkauf- oder Schönheits-Serien. Einigen Formaten wie „Bauer sucht Frau“ oder „Schwiegertochter gesucht“ habe ich mittlerweile ebenso den Rücken gekehrt wie vielen Musik-Casting-Shows, dafür freue mich umso mehr, dass es besonders bei Netflix viele neue Produktionen gibt, die die Kuppel- oder Kochshows neu erfinden, und auch im linearen Fernsehen lässt sich das ein oder andere Juwel finden, und das sowohl in bekannten, als auch in relativ neuen thematischen Bereichen.

Meine persönliche Überraschung des Jahres, „Prince Charming“, hat es, soviel vorweg, nur aus dem Grund nicht in diese Liste geschafft, da der „Bachelor“ nun wirklich alles andere als neu ist. Nichtsdestotrotz hat „Prince Charming“ eine Erwähnung verdient, scheint er mir doch stellvertretend für eine Veränderung zu stehen, die sich bei Dating-Show-Formaten tut (und die längst überfällig war) – wenn es darum geht, die Liebe zu finden, sollte sich die Show nicht hauptsächlich um Mobbing, Hass und Intrigen drehen. Fremdscham hervorzurufen scheint bei immer mehr Produzenten nicht mehr ganz oben auf der Todo-Liste zu stehen, und dafür bin ich als wirklich eingefleischter Reality-TV-Fan sehr dankbar.

Und noch ein Satz vorweg: Der Anteil der Dating-Shows ist weiterhin am größten, erst danach kommen Formate über Kochen, Backen, Heimwerken und weitere Handwerke oder auch Deko- und Umbau-Serien. Meine Top 5 spiegelt das auch wider, am Ende habe ich aber noch einige Tipps aus allen möglichen Bereichen für euch.

Genug jetzt der großen Vorworte, schauen wir uns meine „Awesome 5“ der besten neuen Reality-TV Formate an.

Mit Nagel und Köpfchen – Sat.1

Ja, Sat.1 kann auch ganz ohne Promis und Palmen (und das ist auch gut so)! In der Heimwerker-Competition Show „Mit Nagel und Köpfchen“ müssen acht sehr unterschiedliche Paare in jeder Folge zuerst ein bestimmtes Möbelstück bauen und danach ein Zimmer eines Hauses gestalten. Auf die Zimmer konnten sich die Teilnehmer natürlich im Vorfeld vorbereiten, die Möbelstück-Challenge muss spontan bestritten werden.

Vom völligen Heimwerker-Noob wie ich einer bin bis zumindest zum Semi-Profi ist das auf jeden Fall sehr solide Unterhaltung garniert mit einer gehörigen Portion Inspiration für die eigenen vier Wände, oder auch einer Idee davon, was man vielleicht nicht unbedingt zu Hause haben möchte oder benötigt. Dass das ganze eine Werbe-Show für den Baumarkt mit dem Biber ist, kann ich dabei sehr gut übersehen.

Besonders schön finde ich die unterschiedlichen Konstellationen der Paare. Dabei sind zum Beispiel ein Vater-Tochter-Gespann, zwei professionelle Handwerker-Kolleginnen, zwei YouTuber, die ihre 20er schon lange hinter sich gelassen und noch nie live zusammen gearbeitet haben, zwei (Liebes-)-Paare und Vater und Sohn, wobei der Sohn selbst schon Vater ist. Jeder, der schon einmal mit jemandem ein IKEA-Regal aufgebaut hat, weiß, wieviel Zündstoff handwerkliche Tätigkeiten beinhalten, es ist mitunter ganz bezaubernd, wenn sich nach deutlichen Worten die beiden Team-Mitglieder im Interview wieder versöhnlich zeigen.

Die Serie könnt ihr kostenlos online bei Sat.1 oder Joyn streamen und es wurde auch noch Zusatzmaterial gedreht, in dem die Kandidaten nochmal die Folgen kommentieren, wie ihr oben im Video sehen könnt.

Finger weg / Too hot to handle – Netflix

Die Kandidaten denken, es geht um Sex, dabei geht es um Liebe – so könnte man „Finger weg“ in aller Kürze beschreiben, länger hat es auch Maik im Review schon getan. Statt in wie so oft wunderschöner Kulisse den Hormonen freien Lauf zu lassen, erfahren die Teilnehmer nach dem ersten Kennenlernen und den ersten Flirts, dass sie die Finger (und auch alles andere) voneinander (und von sich selbst) lassen müssen, sonst schmilzt das Preisgeld mehr und mehr dahin. Geld oder Liebe Rummachen heißt es also.

Ganz nebenbei sind die sexy Singles dadurch gezwungen, sich mit sich selbst und dem Gegenüber auseinander zu setzen, was manchmal mehr und manchmal weniger erfolgreich ist. Schnell stellt sich zum Beispiel heraus, dass es nicht lange Spaß macht, wenn man sich zwar körperlich anziehend findet, sich aber ansonsten nichts zu sagen hat. „Too hot to handle“ ist beinahe ein Lehrstück darüber, auf was man bei der Partnersuche achten und Wert legen sollte.

Wem das zu weichgespült klingt, der darf beruhigt sein – der Unterhaltungsfaktor ist hoch, es wird (trotz sinkenden Preisgelds) geknutscht, geschmust und auch noch einiges mehr, und sowohl die hauseigene „Alexa“ aka „Lana“ als auch der Off-Sprecher ergänzen wunderbar durch Sarkasmus und Ironie.

VORSICHT SPOILER: Hier die besten „WTF“-Momente der Staffel.

Are You The One – RTL

„Are You The One?“ verknüpft wie „Finger weg!“ die Themen Geld und Liebe, wobei das Konzept im Vergleich zum Beispiel mit dem „Bachelor“ schon als komplex bezeichnet werden darf.

20 Singles, je 10 Männer und Frauen, spielen um eine Gewinnsumme von insgesamt 200.000€, die jedoch nur überhaupt gewonnen werden kann, wenn die Teilnehmer bis zum Ende der Show alle „Perfect Matches“ finden. Diese hat vorab ein Zufallsgenerator Team aus Experten bestimmt, jeder der Singles erfährt also am ersten Tag, dass seine oder ihr Traumpartner/in dabei ist, keiner weiß aber, wer das genau ist.

Im Rahmen einer Episode spielen die Kandidaten dann immer erst einmal um eines von zwei oder drei Dates, die Daheimgebliebenen müssen währenddessen entscheiden, welches der Paare in die „Match-Box“ darf. Dort erfährt das Paar dann, ob es das perfekte Match ist oder nicht. Das Finale jeder Folge ist die „Match-Night“, in der sich alle Teilnehmer zu Paaren finden müssen und dann erfahren, wie viele „Perfect Matches“ in der jeweiligen Konstellation zu finden sind (aber natürlich nicht, welche das sind). Wird in der Match-Box allerdings ein „Perfect Match“ gefunden, muss das Paar das Haus verlassen und darf nur jeweils zur Match Night wiederkommen.

Klingt verwirrend? Ist es auch, besonders für die Teilnehmer, aber mal ehrlich, unter 20 Personen eine Strategie zu streamlinen ist tatsächlich alles andere als einfach, da muss man gar nicht zu hart mit denen sein. So richtig klappt es mit dem strategischen Vorgehen also selten, neben dem intellektuellen Unvermögen kommt ja auch noch das emotionale dazu. Wenn man sich gerade frisch verknallt hat und dann feststellt, dass man garantiert kein perfektes Match ist, muss man das natürlich erst einmal verdauen, bevor man seine Fühler wieder ausstrecken kann.

Schön ist auf jeden Fall, dass grundsätzlich alle an einem Strang ziehen müssen, auch wenn es bei weitem nicht so harmonisch zugeht wie bei „Finger weg“, und ganz neu ist natürlich der Rätsel-Aspekt nicht nur für die Teilnehmer, sondern vor allem für die Zuschauer, die Frage ist ja nicht, OB es Paarungen gibt, sondern nur, wer mit wem zusammengehört. Ich kann jedenfalls kaum erwarten, ob ich mit meinen Vermutungen richtig oder komplett daneben liege (Disclaimer: Ich habe die Serie aufgenommen und bin noch nicht durch, das Finale lief aber schon vor zwei Wochen).

„Are You The One“ ist derzeit nur noch bei RTL Now zu sehen, also leider nicht kostenlos, aber für volle 20 Folgen (!) lohnen sich die paar Euro durchaus.

Dating Around – Netflix

Von “Dating Around” läuft bereits die zweite Staffel bei Netflix und seit Kurzem auch die brasilianische Ausgabe, und im Gegensatz zu den zwei vorherigen Dating-Shows ist das Konzept hier schnell erklärt: Ein Single hat fünf Dates, die alle an den gleichen Örtlichkeiten stattfinden, am Ende gibt es mit einer Person ein zweites Date.

Dass die Blind Dates immer im gleichen Restaurant und der gleichen Bar sind, ermöglicht einen schnellen und unterhaltsamen Schnitt, da natürlich auch (wie es bei Blind Dates ganz natürlich ist) zumindest Anfangs immer die gleichen Fragen gestellt werden. Wie unterschiedlich sich die Dates jedoch entwickeln, wie schnell man merkt, ob es funkt oder eher das Gegenteil, das ist auf jeden Fall spannend zu sehen und für mich auch alles sehr authentisch.

Dramaturgisch ebenfalls gut gemacht ist, dass man in den meisten Fällen wirklich bis ganz zum Schluss nicht sicher sein kann, für wen es nun das zweite Date gibt, bis auf wenige Fälle abgesehen. Übrigens suchen in „Dating Around“ natürlich nicht nur Heteros die große Liebe, sondern auch Homo- und Bisexuelle und ganz grundsätzlich bildet die Auswahl der Kandidaten eine große Bandbreite an Charakteren und Typen ab. Wie im richtigen Leben eben, und auch eine gehörige Portion Cringe darf nicht fehlen.

„Dating Around“ läuft auf Netflix, die Folgen sind um die 25 Minuten kurz, da muss man sich schon zurückhalten, nicht eine ganze Staffel einfach so wegzuknuspern.

Crazy Delicous – Netflix

Netflix zum Dritten, aber Ehre wem Ehre gebührt! Im Bereich der Kochshows ist es wahrscheinlich schwerer, ein neues Konzept zu erfinden, als im Dating-Bereich, ich bin daher auch etwas großzügiger, was die Einstufung als „neu“ angeht.

„Crazy Delicious“ ist vor allem eins: Bunt, bunter, am buntesten, so bunt, dagegen wirkt sogar Enie van de Meiklokjes höchstens noch pastellig. Statt in einem High-Tech-Studio wird augenscheinlich in einem Wald gekocht – das alleine ist schon sehr märchenhaft, man kann sich gut vorstellen, hinter dem nächsten Baum Bambi und mindestens ein bis drei Disney-Prinzessinnen zu entdecken. Dazu sind die Zutaten, mit welchen die drei Kandidaten kochen müssen, auch noch Teile dieses Waldes. Statt Pilze, Karotten und Schokolade also aus einem Kühlschrank zu holen, müssen diese erst geerntet werden.

Die Gerichte sind hauptsächlich vegetarisch oder sogar vegan, es gibt aber auch Fleisch, und nein, dazu werden keine Tiere in der Show gefangen und geschlachtet, wir sind im Schlaraffenland, da wachsen auch die Hühnchen auf den Bäumen. Klar, dass die Show an der Stelle erzählerische Schwächen hat, aber dafür ist der Rest einfach so unglaublich hübsch!

Während bei den meisten anderen Kochshows meist die gleichen Teilnehmer über mehrere Folgen kochen, ist eine Folge bei „Crazy Delicious“ immer in sich abgeschlossen. Am Ende gewinnt den goldenen Apfel, wer die „Food Gods“ in drei Runden am meisten von sich überzeugen kann. Dadurch kann man zwar keine Entwicklung bei den Köchen mitverfolgen, die Abwechslung ist jedoch größer.

Die Kreationen sind in der Regel ebenfalls am buntesten und wahrscheinlich das Ausgefallenste, was das Genre zu bieten hat. Die Köche sich ambitioniert und bringen Speisen auf Tisch und Teller, die selbst Food Fanatics ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Es geht nicht immer alles 100% gut, aber allein schon die gegrillte und geräucherte Wassermelone, die im Ergebnis aussieht wie ein leckerer Schinken, war das Einschalten schon wert.

Bei „Crazy Delicious“ auf Netflix wird euch das Wasser im Mund zusammenlaufen, soviel ist sicher.

Und sonst so

Wer noch nicht genug von Dating-Shows hat, kann sich „Love is blind“ ansehen, ebenfalls auf Netflix. Die teilnehmenden Singles lernen sich bei wirklichen Blind Dates kennen, hören sich also nur – nicht für alle entsteht daraus etwas, aber die Paare, die sich finden, versprechen sich anschließend noch, zu heiraten, bevor sie sich dann das erste Mal sehen. Selten wurde ich bei einem Finale dann doch noch so häufig überrascht und stand mit offenem Munde da, wie bei dieser Serie. Daumen hoch!

„Glow Up“ hat mich ebenfalls gut unterhalten, eine Competition-Show, in der sich Make-Up Artists beweisen müssen. Während ich wohl im Leben nicht mehr lernen werde, wie man einen Lidstrich zieht, sind da echte Profis am Werk, die vom Promi-Gala-Make-Up bis zum Maskenbildnern Erstaunliches auf die Leinwand auf die Gesichter zaubern. Die Serie läuft – na, erraten? – auf Netflix.

Welche (neuen) Reality-TV Formate fehlen in der Liste, schreibt eure Tipps einfach in die Kommentare!

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