Na, seid ihr schon in WM-Stimmung? Fiebert ihr dem großen Turnier entgegen? Glaubt ihr daran, dass die deutsche Fußballmannschaft es weit bringt?
Ich für meinen Teil kann alle drei Fragen mit einem klaren Nein beantworten. Wobei es eigentlich Zeit wäre – die Mannschaft ist in den USA gelandet und in weniger als zwei Wochen geht es schon los. Ich habe mich selbst gefragt: Warum ist das so?
Eigentlich war ich immer Feuer und Flamme für das DFB-Team. Mit Ausnahme der letzten WM, bei der ich aus Protest gegen die Unsinnigkeit, dieses Turnier im Winter und in einem Wüstenstaat stattfinden zu lassen, sogar ein Spiel der Deutschen bewusst nicht geschaut habe. Dazu diese verhunzte Moralaktion zu den Menschenrechten und der Regenbogenarmbinde, die man entweder voll durchziehen muss – dafür war ich – oder sein lassen. Aber dieses Mal hat mich selbst die große Rückkehr von Manuel Neuer nicht in Wallung gebracht. 2006 war allein die Torwart-Diskussion schon wochenlange Berichterstattungen und mehrere Abschlussarbeiten an meiner Uni wert.
Bevor ich aber alles nur auf mich beziehe, hier ein paar Fakten, dass ich nicht alleine bin. Eine repräsentative Umfrage der ARD belegt, dass 67 % sich gar nicht oder nur wenig auf die WM freuen. Und dazu kommt der generelle Trend des Desinteresses: Die Einschaltquoten sind über die letzten Turniere stetig gesunken. Das alles wird unterstrichen durch fehlende Fanzonen und Public-Viewing-Möglichkeiten. In den meisten Städten hat sich für die WM 2026 kein Veranstalter gefunden – keiner will das Risiko eingehen, viel Geld für leere Plätze auszugeben.
Ein großer Aspekt ist meiner Meinung nach der fehlende Glaube an einen Erfolg. Bei der Heim-EM reichte es nur bis zum Viertelfinale, was im Vergleich zu den vorherigen Turnieren schon ein Fortschritt war – denn bei den WMs 2018 und 2022 flog man jeweils schon in der Vorrunde raus. In de Prime-Löw-Ära, die 2014 ihren Höhepunkt erreichte, gab es einen stetigen Aufwärtstrend. Dazu Charaktere, die man heutzutage in der Mannschaft vermisst.
Dann haben wir die USA, welche aus europäischer Sicht durch Donald Trump massiv an Sympathie verloren haben. Und nicht nur das: Selbst zur WM zeigt sich das Land gegenüber Einreisewilligen von seiner ungemütlichen Seite. Manche Schlachtenbummler durften nicht einreisen, und viele wollen auch gar nicht kommen. Die Hotels in den USA spüren das bereits – die Buchungen liegen unter den Erwartungen. Für die europäischen Fans bedeutet zudem der Zeitunterschied, dass man viele Spiele nicht live sehen kann, da sie mitten in der Nacht stattfinden.
Normalerweise gleichen attraktive Austragungsländer die üblichen Negativpunkte der FIFA aus, aber diesmal geht beides Hand in Hand. Die FIFA – eine Organisation, die nur das Geld sieht – hat das Turnier auf 48 Mannschaften aufgebläht, verleiht Donald Trump einen ausgedachten Preis und akzeptiert Ticketpreise, die man als Wucher bezeichnen kann.
Kleine Fußnote am Rande: Was habe ich mich gefreut – man konnte über McDonald’s Treuepunkte zwei Monate Telekom MagentaTV bekommen. Der Claim: Alle WM Spiele! Warum nicht, dachte ich? Am Ende wurde es eine endlose Geschichte mit dem schlechtesten Support ever. Die Telekom hat meinen Gratisvertrag fälschlicherweise gekündigt. Und der Kundendienst schafft es seit einer Woche nicht, meinen Account wiederherzustellen. Aber das ist eigentlich egal – denn als ich nach Vertragsabschluss gesehen habe, welche Spiele man durch die beworbene Möglichkeit „alle WM-Spiele schauen“ bei MagentaTV tatsächlich sehen könnte, ist mir mein verlorener Account fast schon egal. Auch das spricht Bände. Offenbar wollte auch die Telekom nicht all in gehen und sich mehr Rechte kaufen.
Am Ende lasse ich mich gerne eines Besseren belehren, wenn Deutschland es ins Finale schafft – dann waren alle immer schon dabei und keiner redet mehr über das Desinteresse. Das wird aber nicht eintreten, und das frühere Premiumprodukt Fußball-Weltmeisterschaft wird weiter schrumpfen, bis es sich irgendwann durch immer mehr Vermarktung selbst auffrisst.




































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