Früher war die Sache recht einfach. Wer wissen wollte, wann welche Serie ausgestrahlt wurde, holte sich eine Programmzeitschrift. Dort gab es entweder einen Daumen hoch oder einen roten Stern sowie kurze Inhaltsangaben mit Kritiken. Das Angebot war überschaubar, ebenso wie die Anzahl der Sender. Oder man schaltete einfach den Röhrenfernseher ein und schaute, wo man hängen blieb. Heute ist es deutlich komplexer. Noch nie war das Serienangebot so groß wie jetzt, und noch nie war es für mich so schwierig, die wirklich passenden Empfehlungen zu finden. Jeden Tag erscheinen neue Produktionen bei Netflix und Co., weshalb es mir immer schwerer fällt, nicht nur den Überblick zu behalten, sondern auch die echten Highlights ausfindig zu machen. Deshalb höre ich oft auf Empfehlungen von Freunden. Das funktioniert ganz gut, weil ich ihren Geschmack kenne. Gleichzeitig merke ich aber auch, wie unterschiedlich Geschmäcker sein können. Während die Action-Serie „Man on Fire” mit Yahya Abdul-Mateen II („Wonder Man”) für meinen Freund ein echtes Highlight ist, lässt mich schon der Trailer dazu kalt.
Hinzu kommen heute unzählige Creator:innen in den sozialen Medien. Auf TikTok, Instagram oder YouTube werden täglich neue Serien empfohlen. Das Problem ist nur, dass gefühlt jede zweite Serie ein absoluter Geheimtipp sein soll („Warum spricht eigentlich niemand über diese Serie?”). Viel wichtiger als die eigentliche Empfehlung ist mir deshalb die Person dahinter. Passt ihr Geschmack einigermaßen zu meinem? Mag sie dieselben Genres? Legt sie mehr Wert auf Figuren oder auf die Handlung und die Atmosphäre? Erst wenn man jemanden gefunden hat, dessen Vorlieben den eigenen ähneln, werden solche Empfehlungen wirklich hilfreich. Und: Wir bei Seriesly erhalten zusätzlich täglich mehrere Pressemitteilungen, in denen natürlich jede neue Serie „ein absolutes Highlight” ist. Verständlicherweise möchte niemand sein eigenes Projekt schlechtreden. Für uns bedeutet das, zwischen Marketingsprech und tatsächlicher Qualität zu unterscheiden. Ansonsten können natürlich auch Bewertungen bei IMDb oder Rotten Tomatoes weiterhelfen. Sie bieten eine erste Orientierung, ersetzen aber nicht den eigenen Geschmack. So haben manche meiner aktuellen Lieblingsserien, wie „Not Suitable For Work”, dort nur durchschnittliche Wertungen, während ich mit hochgelobten Serienformaten manchmal überhaupt nichts anfangen kann. Inzwischen habe ich mir deshalb eine kleine Strategie zurechtgelegt. Ich informiere mich an mehreren Stellen, höre auf Menschen, deren Geschmack ich schätze, und schaue mir dann die erste Folge an. So habe ich beispielsweise neulich in einem Popkultur-Podcast zum ersten Mal von der Gruselserie „Widow’s Bay” auf Apple TV+ gehört und werde mir deshalb mal die erste Episode anschauen. Oft merkt man relativ schnell, ob einen eine Serie packt oder nicht. Und vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis: Gute Empfehlungen findet man nicht an einem bestimmten Ort, sondern dort, wo Leute mit ähnlichem Geschmack über ihre Eindrücke sprechen und erklären, warum sie einem bestimmten Publikum gefallen könnten. Mich würde nun interessieren: Wo entdeckt ihr eure Serien? Vertraut ihr eher Freunden, Social Media oder klassischen Kritiken? Oder lasst ihr euch einfach von Kachelbildern und Rankings auf den Streamingplattformen leiten?
Bilder: Netflix






































Kommentiere