Es ist mal wieder Zeit für ein Rewatch! 2015 war ich scheinbar so into „Awkward“, dass ich damals Episoden-Reviews zu den kurzen Folgen des Teenie-Comedy-Dramas geschrieben habe. Nun will ich nochmal reinschauen, um zu sehen, ob der Funke nach mehr als zehn Jahren erneut überspringt.
Die Story & die Protagonistin
Jenna Hamilton, gespielt von Ashley Rickards, ist eine eher unscheinbare Schülerin, die sich mit den üblichen Sorgen und Fragen einer Teenagerin herumschlägt: Wie erwecke ich die Aufmerksamkeit meines Schwarms? Wie führe ich schwierige Gespräche mit den Eltern? Wie mache ich aus meinen vielen Gedanken etwas Sinnvolles? Ihr größter Wunsch ist es, endlich mal von ihren Mitschüler:innen bemerkt zu werden. Und ihr Wunsch wird irgendwie Wirklichkeit, als ihr ein sehr unglücklicher Unfall passiert, bei dem alle denken, es wäre ein Selbstmordversuch gewesen. Plötzlich ist sie Mittelpunkt jedes Gesprächs und kann sich auf den Schulgängen – allein schon aufgrund ihres übermäßig großen eingegipsten Armes – nicht mehr unbemerkt bewegen. Trotz oder gerade wegen ihres Stigmas ist Jenna motiviert, nach vorne zu blicken und daraus etwas Gutes zu machen.
Besonderheiten
Die Serie „Awkward“ lief von 2011 bis 2016 auf MTV und bietet kurzweilige Unterhaltung. Jede Folge ist in 20 Minuten weggesnackt und ist gerade deshalb unterhaltsam, da wir die Gedanken der Protagonistin aus dem Off hören und viele Momente in der Serie „awkward“ – peinlich – sind. Hier ist viel Fremdscham angesagt, nicht nur in Bezug auf das Verhalten einzelner Figuren, sondern vor allem auf die Interaktion der Charaktere untereinander. Und ob das gefällt, ist dann eher Geschmackssache. Was ich allerdings sehr schön finde: In der Serie sehen wir die Anfänge des Bloggens. Weblogs gibt es genau genommen zwar schon seit den 1990ern, aber richtig an Popularität haben sie in den 2010er-Jahren gewonnen. Jenna schreibt an ihrem „Invisible Girl“-Blog, den sie bereits zum Ende der ersten Episode empowernd in „That Girl“ umbenennt.
No-Gos
Als ich „Awkward“ damals das erste Mal gesehen habe, habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und mochte es, den Charakteren über die Staffeln hinweg zu folgen. Bestimmte Dinge habe ich damals aber offensichtlich nicht so richtig wahrgenommen. Denn was mir beim Rewatch direkt aufgefallen ist, sind einige Szenen, in denen diskriminierendes Verhalten dargestellt wird. Und das passiert aus meiner Sicht nicht auf kritische, entlarvende und gesellschaftskritische Art und Weise, sondern eher so, dass dies lediglich zur Reproduktion von Vorurteilen und der Abwertung bestimmter Personengruppen beiträgt. Hier kommt es zu Bodyshaming, Mobbing, das Anstacheln zum Suizid, Lästereien, übergriffiges Verhalten einer Vertrauenslehrerin und das Herunterspielen ernsthafter Krankheiten. Dazu werden bestimmte Nationalitäten pauschal mit klischeehaften Charakteristiken versehen. Das alles passiert nicht nur frontal, sondern vor allem nebenbei – und das macht es irgendwie noch schlimmer. Ich konnte jedenfalls nicht darüber hinwegsehen.
Die Story ist nicht nur immer wieder unangenehm, weil sich ihre Charaktere unangemessen verhalten. Die Figuren werden (zumindest in der Pilotfolge der Serie) nur nervig gezeichnet. Natürlich entwickeln sich die Charaktere über den Verlauf der Serie auch weiter, aber hier catcht (noch) niemand mit Sympathie oder interessanter Sidestory.
Fazit
Man könnte jetzt sagen, dass ich ja mittlerweile einfach nicht mehr Zielgruppe von „Awkward“ bin. Fair enough, d’accord! Ich würde aber ergänzen, dass die Serie heutzutage einfach nicht mehr so funktioniert, wie sie es damals getan hat. Zumindest ist meine große Hoffnung, dass gerade Teenies heutzutage aufgeklärter und reflektierter durch die Welt gehen und viel mehr Gespür für Inklusion, Gerechtigkeit und Offenheit haben. Diese Serie ist aus meiner Sicht nicht mehr das, was wir heute brauchen. Und ich brauche aktuell auch nicht mehr als die eine Episode.
Bilder: MTV









































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