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May your coffee kick in, before reality does

Review: 1899 – Staffel 1

Mini-Spoiler
24. November 2022, 21:19 Uhr
Mini-Spoiler
Chris
24.11.22

Der Untergang der ‚Titanic‘ ist ein historisches Ereignis, das sicherlich jedem von uns in irgendeiner Form bekannt ist. Dass die ‚Titanic‘ ein riesiger Dampfer war, der letztlich mit einem Eisberg kollidierte und unterging, wobei fast alle Menschen an Bord starben, ist weithin bekannt. Spätestens James Camerons‘ Lovestory/Drama/Epos von 1997 mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet in den Hauptrollen rief dieses Unglück wieder ins Gedächtnis. Auch die neue Serie der Macher von „Dark“ mit dem simplen Namen „1899“ spielt auf eben einem solchen Ozeanriesen, der seine Passagiere ebenso über das große Wasser von Europa nach Amerika bringen soll. Doch es existieren noch weitere Parallelen zum „Titanic-Stoff“. So spielt auch hier die dritte Klasse, die nicht unbedingt als die privilegierteste gilt und entsprechend vernachlässigt wird, eine wichtige Rolle. „1899“ aus der Feder von Baran bo Odar und Jantje Friese, eben den Machern von „Dark“, schwimmt seit 17.11. über unsere Bildschirme.

Hier ist es die ‚Kerberos‘, die wir begleiten und die ‚Prometheus‘, die anfangs als spurlos verschwunden galt. Die ‚Kerberos‘ beherbergt viele Emigranten und ist auf dem Weg nach New York, als sie ein Hilferuf eben dieser ‚Prometheus‘ erreicht. Natürlich erleben wir hier keine langweilige Doku oder gar seichte Lovestory, sondern zumindest astreine Mysterie, bei der man bis zur teilweisen Auflösung in der letzten Folge so gar nicht dahintersteigt, wohin die Reise mit dem Schiff eigentlich gehen soll. Seit also gut einer Woche können wir via Netflix am Schicksal der Menschen an Bord der ‚Kerberos‘ teilnehmen. In der folgenden Review mache ich euch mit den Hauptdarstellern und deren Anteil an der Story dahinter bekannt.

Ein Schiff braucht einen Kapitän, ganz klar – und wir „Dark“-Fans kennen ihn natürlich bestens: Andreas Pietschmann, der „Stranger“ aus „Dark“. Folge für Folge lernen wir ihn besser kennen, erfahren von dem Leid, das ihm widerfahren ist, lernen so, seine Beweggründe besser zu verstehen. Schnell wird klar: Kapitän Eyk Larsen ist einer der Guten. Die Rolle als Kapitän mit recht charakteristischen Narben steht ihm gut, er füllt diese auch glaubwürdig mit Leben und weckt im Zuschauer Emotionen. Man wünscht sich, dass er erfolgreich in seinen Bestrebungen ist, „drückt“ ihm quasi die Daumen, fiebert bei seinen Erlebnissen mit. Gut so!

Weiter geht es mit der Besatzung, von der vor allem Franz (genau, einfach nur Franz, gespielt von Isaak Dentler) auffällt. Franz ist wohl der Mann fürs Grobe, er wirkt auch schon optisch wie einer der sicherlich gern mal „zulangt“ und nicht unbedingt zu lange diskutiert. Franz ist es auch, den wir im Verlaufe der Story noch besser kennenlernen, stellt er doch später quasi einen Gegenspieler von Eyk dar, als Emporkömmling der auch mal gern das Sagen hätte und über Umwege sogar schnell im Ranking aufsteigt. Aber, noch wichtiger als die Führungsmannschaft der ‚Kerberos‘ sind natürlich die Passagiere. Allen voran Maura Franklin.

Maura (Emily Beecham) ist Ärztin, nun, zumindest hat sie Medizin studiert, darf aber nicht praktizieren. Wer das 19. Jahrhundert und dessen Gebräuche, Gepflogenheiten und Systematik etwas kennt, der weiß: Frauen hatten da noch überhaupt nichts zu sagen. Keine Spur von Gleichberechtigung, Frauenquote in Vorstandschaften oder dergleichen. Doch genug der Abschweifung: Maura ist auf der Suche, das bemerkt man schnell. Scheinbar war ihr Bruder Passagier der ‚Prometheus“ und ist wie das Schiff selbst, seit vier Monaten verschwunden. Maura selbst wird aber noch zur Schlüsselfigur, zumindest wird sie Hauptbezugsperson für einen ganz bestimmten kleinen Jungen. Weiter geht es mit erwähnenswerten Passagieren, als da wären

Angel und Ramiro – vorgestellt werden uns die beiden als Brüder, der eine ganz nonchalant im weißen Smoking, stets toll herausgeputzt mit gegeltem Haupthaar, der andere ein Priester, züchtig hochgeschlossen in seiner Zunftkluft. Von Anfang an wirken beide seltsam, später klärt sich auch auf, weshalb dieser Eindruck eben gerade nicht trügt. Beide haben doch mehr auf dem Kerbholz als man anfangs denken möge. Weiter geht es mit den frischgebackenen Flitterwöchnern Clémence und Lucien. Anfangs wirken beide noch wie das ideale Liebespaar aus der Oberschicht, aus einem Katalog heraus mitten in die Realität projeziert. Doch auch das täuscht, beide haben nicht nur ein Problem, wenn es um sexuelle Handlungen innerhalb ihrer Ehe geht. Lucien verschweigt seiner Clémence so einiges, was durchaus Auswirkungen auf ihrer beider Leben haben wird.

Natürlich gibt es nicht nur Passagiere der Oberschicht, nein, auch die sogenannte „Dritte Klasse“ ist mit an Bord oder besser gesagt ganz weit drunten unter Deck, fast schon versteckt. Eine Familie tut sich hier besonders hervor und fällt nicht zuletzt durch die schwangere Tove auf, die anfangs auch gleich dringend eines Arztes bedarf. Ihr Bruder Krester, die Mama Iben, Papa Anker und Schwesterchen Ada spielen auch eine wichtige Rolle in diesem Drama. Alle sind tief religiös und Iben glaubt sogar, Gott würde zu ihr sprechen, was man durchaus als verblendet bezeichnen dürfte. Harmlos ist Mama Iben zwar mit Sicherheit nicht, aber Anker hält in jeder Situation zu ihr, wie es ein guter Ehemann so macht.

Weiter gibts natürlich auch noch Personal abseits der Offiziersränge wie die Kohlenschaufler unten im Laderaum zum Beispiel. Allen voran ist es der junge Olek, der schon bald vom Kapitän zur Erledigung „besonderer Aufträge“ herangezogen wird. Symphatisch, athletisch, offen, loyal – diese Adjektive beschreiben Olek ganz gut. Ob er für seine Treue belohnt wird, wird sich noch zeigen.

Neben den Schauspielern gibt es natürlich auch großartige Kulissen, als da wären: Eine Hochebene mit Gipfelkreuz irgendwo in den Bergen mit einer idyllisch gelegenen Nervenheilanstalt, ein dunkler Wald in dem so allerhand bekannte Gebäude stehen und natürlich das weite, offene Meer, auf dem sich die ‚Kerberos‘ und die ‚Prometheus‘ tummeln. Das Geschehen an Bord der ‚Kerberos“ ist auch sehr stimmig umgesetzt, mit viel Liebe zum Detail. Die langen Gänge, die, zumindest bei den teuren Kabinen, sehr opulente, prunkvolle Holzvertäfelung und für die damalige Zeit sehr luxuriöse Ausgestaltung der Räume. Alles wirkt stets sehr atmosphärisch, glaubwürdig und wird so gezeigt, dass man meinen könnte, man würde zusammen mit den Protagonisten vor Ort sein und mit ihnen Seite an Seite das große Abenteuer erleben. Genau so soll gute Unterhaltung aussehen. Dafür gibt es von mir

Jede Episode beginnt mit der Einführung in die Vergangenheit einer der Hauptfiguren und ihrer Geheimnisse. So erfährt man häppchenweise immer mehr über die Protagonisten und ihre Beweggründe, warum sie eben das tun, was sie tun. Das ist durchwegs spannend zu beobachten und auch nicht lieblos abgespult als Reigen von Fakten, sondern durchaus emotional und so, dass es das Interesse des Zuschauers weckt, der selbst das Gesehene reflektieren und dann neu bewerten kann. Fehlende Puzzlestückchen helfen dabei, irgendwann zu entdecken, welche Geschichte denn hier eigentlich erzählt wird. Des Öfteren befindet man sich dabei allerdings auf dem Holzweg (zumindest erging es mir so), was die Spannung in der Story erhält. Denkt man eben noch, man wüsste genau, wer hier der Bösewicht, ein heimtückischer Mörder oder Strippenzieher ist, so kann sich das, wenn eine neue Folge läuft, geradewegs ins Gegenteil verkehren. Nichts ist hier unbedingt so offensichtlich, wie es sich anfangs für den Zuschauer darstellen könnte. Wer am Ende der Böse ist und welche nun die wirkliche Realitätsebene oder eben nur eine bloße „Kulisse“ darstellt, wer der ominöse „Schöpfer“ ist, der hinter all dem steckt, welche Rolle der Junge und der Mann im Trenchcoat, der öfter auftaucht, spielen: Das alles sind Fragen, die man sich als Zuschauer ständig stellt. Ob es um die Präsenz außerirdischer Mächte, Seeungeheuer, eine technologisch perfekt geschaffene Pseudorealität oder gar um perfide ausgetüftelte Psychospielchen geht, bleibt lange unklar.

Eines steht fest: Die acht Folgen der Serie geraten zu keiner Zeit langatmig oder gar langweilig. Im Gegenteil, „1899“ birgt ausreichend „Bingewatching-Potenzial“. Man möchte ja schließlich möglichst schnell wissen, wer denn nun wirklich der Bösewicht ist, was denn überhaupt wirklich „real“ ist. Es gibt sogar ein bisschen „Matrix“, eine Prise „Lost“, Häppchen von „Dark“ – von vielem etwas, alles in allem aber tatsächlich ein stimmiges Gesamtergebnis, was Lust auf mehr macht. Wird es denn nun irgendwann eine zweite Staffel geben, war das Ende so offen? Möglich wäre es, denn die Auflösung, die uns in der letzten Folge präsentiert wird, ist sicherlich unvollständig, lässt einiges unerzählt und schafft somit Raum für eine weitere Staffel. Wir werden sehen, letztlich kommt es wohl auch auf die Zuschauerzahlen an.

„Die Wirklichkeit ist unser größter Widersacher.“
Sven Olof Palme

Bilder: Netflix

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