Das Ende naht

Review: 8 Tage – Staffel 1

10.03.20 08:32
Review
Mini-Spoiler
Fabio
10.03.20

Was würdest du tun, wenn in acht Tagen ein Asteroid ganz Europa zerstören würde? Flüchten? Einen Bunker bauen? Den Glauben suchen? Oder exzessive Partys feiern? Diese Fragen wirft auch das deutschsprachige Sky Original „8 Tage“ auf. Die achtteilige Mini-Serie erzählt aus der Sicht einer Berliner Familie, den Steiners, vom Überlebenskampf im Angesicht der herannahenden Katastrophe. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch nach Russland, versuchen die Steiners einen der begehrten Bunkerplätze der Regierung zu ergattern.

„8 Tage“ zeigt ein schonungsloses Deutschland in einer katastrophalen Extremsituation. Das System kollabiert, die Straßen sind überhäuft von Müllbergen, die Autobahnen sind gesperrt und die Menschen versuchen, jeder auf seine Weise, mit der Situation umzugehen. Die durchaus interessante Ausgangssituation wirft die Frage auf, wie man selbst in einer solchen Lage handeln würde. Aus dem Blickwinkel der Familie Steiner erlebt der Zuschauer, wie die Situation immer mehr aus dem Ruder läuft. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch durch die NASA den Himmelskörper namens „Horus“ zu stoppen, bleibt den Menschen nicht mehr viel Zeit.

„Entschuldigung, wir haben geschlossen. Wegen Weltuntergang.“

Die Ärztin Susanne (überzeugend gespielt von Christiane Paul), ihr Mann, der Physik-Lehrer Uli (Mark Waschke) und ihre beiden Kindern Leonie (Lena Klenke) und Jonas (Claude Heinrich) treten die Flucht nach Russland an. Spannend zu sehen ist, dass in diesem Fall die wohlbehüteten Europäer, diejenigen sind, die gezwungen werden ihre Heimat zu verlassen. An anderer Stelle setzt Susannes jüngerer Bruder Herrmann (Fabian Hinrichs) alles daran Einreisepapiere für die USA für sich und seine im achten Monat schwangere Freundin aufzutreiben. Der egoistische Politiker versucht mit allen Mitteln sein Ziel zu erreichen, wenn nötig auch mit Gewalt. Der „Tatort“-Kommissar Hinrichs legt seine Figur des versnobten Jungpolitikers für meinen Geschmack etwas zu überspitzt an. Er bedroht hochrangige Kollegen und fügt sich sogar selbst Gewalt zu, um sein Überleben zu sichern.

Anders der resignierte Vater Egon (Henry Hübchen), der weder an das politische System, noch an die Familie glaubt. Vor dem Ende geht er nochmal auf eine allerletzte Reise, um seine große Jugendliebe während seiner Zeit in der NVA wiederzusehen. Dann ist da noch der Baustoffhändler Klaus (Devid Striesow), dessen Tochter mit Leonie befreundet ist, der sein Überleben mit dem Bau eines Bunkers sichern will. Leider kommt Striesow Figur wie ein psychopathischer Hinterwäldler daher, sodass es zuweilen nervt, ihm bei der Ausführung seiner Bunkerpläne zuzusehen. Dann lieber Robin, der junge Ex-Knacki, der von einer kleinen Hippie-Gemeinde als Erlöser gefeiert wird und sich auf seiner kleinen Arche sogar ans Kreuz nageln lässt. Warum er sich in bester Jesus-Manier aber opfert bleibt unklar.

Wie ein einsamer Cowboy zieht der wortkarge und pflichtbewusste Polizist Deniz (Murathan Muslu) durch die Straßen, um bis zum letzten Augenblick für Ordnung zu Sorgen. Während seine Kollegen längst den Dienst quittiert haben, verteilt er noch Strafzettel. Ähnlich auch eine Journalistin, die nur wenige Tage vor dem Einschlag ein Regierungsskandal aufdeckt. Die Bundesregierung bietet für 15 Millionen Menschen einen Platz in einem Schutzbunker an. Per Losverfahren kann man im Teletext prüfen, ob man zu den „Gewinnern“ zählt. Wie sich herausstellt, sind es aber deutlich weniger Plätze. Der Arbeitseifer des Polizisten und der Journalisten wirken in Anbetracht der anstehenden Bedrohung etwas fragwürdig, da kommen die ausufernden Partys voller Sex, Drogen und Techno weitaus glaubhafter daher.

Obwohl mit Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher“ und aktuell im Kino mit „Narziss und Goldmund“) ein oscarprämierter Regisseur an Bord ist, haftet der Serie ein typischer TV-Look mit schlichten Aufnahmen in natürlichem Tageslicht an. Hinzu kommen zuweilen unfreiwillig komische Dialoge. Damit unterscheidet sich die Serie zumindest optisch nur selten von einem „Tatort“. Wer hier also Schauwerte wie in einem Roland Emmerich-Katastrophenfilm erwartet, dürfte enttäuscht werden. Opulent wirkt hier nur der melancholische Chorgesang, der den bedrohlichen Szenen die nötige Schwere verleiht. Und obwohl die Geschichte nach 8 Folgen zu Ende erzählt ist, hätte der Stoff auch Potenzial in einem postapokalyptischen Europa weitergeführt zu werden – 8 Tage danach quasi.

Fazit

Spannendes Endzeit-Szenario, das teilweise durch eine einfache Optik und hölzernen Dialogen an Qualität einbüßt. Aber gerade zur vorherrschenden Weltuntergangsstimmung scheint die Serie genau zur richtigen Zeit zu kommen.

„8 Tage“ ist auf Sky Ticket abrufbar, sowie auf DVD/Blu-Ray erhältlich.

Bilder: Sky

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