Wir haben unseren Gerichtsprozess!

Review: Big Little Lies – Staffel 2

Mini-Spoiler
Michael
26.08.20

Ohne eine Gerichtsverhandlung ist es keine richtige David E. Kelley-Serie… und so bekommt auch „Big Little Lies“ in Staffel 2 eine ordentliche Gerichtsverhandlung, die zumindest eine Folge dominiert und an die hochklassigen und durchdachten Verhandlungen in Kelleys Serien wie „Boston Legal“, „Goliath“ und „Ally McBeal“ erinnert. Auch wenn drumherum viel passiert: Die Gerichtsverhandlung in der Abschlussfolge ist sicher das Highlight der zweiten Staffel von „Big Little Lies“.

Ansonsten sind wir recht schnell abgeholt, wenn wir in Staffel 2 starten: Im Prinzip knüpft Kelley an den Cliffhanger aus Staffel 1 an, und der wird uns auch die ganze 2. Staffel beschäftigen. Jede Folge fängt wieder mit dem Drama an, immer ist eine andere Freundin im Fokus. Wer jetzt denkt, dass die Gerichtsverhandlung am Ende mit dem Fall zu tun hat, der irrt. Zwar bekommen die Anwälte die Gelegenheit, das Ereignis um Perry zu thematisieren, allerdings wird das Thema dann liegengelassen und nicht weiter aufgegriffen. Das hat mich allerdings etwas verwundert, da hätte man sicher mehr draus machen können.

War aber auch gar nicht nötig, denn auch sonst haben wir genug mit den Ereignissen in Monterey zu tun. Das hängt vor allem mit Perrys Mutter zusammen, gespielt von Meryl Streep, die den ohnehin schon hochkarätigen Cast noch weiter aufwertet. Und sie spielt Mary-Louise Wright tatsächlich extrem gut. Im Prinzip mag man ja Meryl Streep, hier entwickelt sich allerdings ein regelrechtes Hassbild gegenüber Celestes Schwiegermutter. Sie nervt und provoziert ständig auf so eine hinterhältige Art und Weise, dass es kaum zu ertragen ist. Sie trägt die Hassrolle, die ihr Sohn in Staffel 1 entwickelt hat, auf jeden Fall würdig weiter.

Sie legt sich mit jeder der fünf Freundinnen an – nicht vordergründig boshaft, sondern hinterrücks abgrundtief gemein. Das eine oder andere Mal ist man perplex bis fasziniert, wenn sie beginnt, die Fassade ihrer jeweiligen Gegenüber zum Bröckeln zu bringen. Am Deutlichsten wird das sicher im Gespräch mit Renata Klein, wieder extrem gut gespielt von Laura Dern. Die Momente mit ihr sind wohl die weiteren Highlights der Staffel – die Sitzung beim Insolvenzverwalter zum Beispiel, wenn man richtig merkt, wie sie innerlich zusammenbricht und spürt, dass sie alles verliert, was sie sich aufgebaut hat.

Aber zurück zu Mary-Louise: Sie ist es auch, die den Gerichtsprozess anstößt und alle Freundinnen noch enger zusammenrücken lässt. Tja, und wie gesagt, der Prozess selbst ist dan richtig gut eingefädelt und inszeniert. Das gilt sowohl für den Verhör von Celeste als auch der nächste Schritt, wenn celeste ihrer Schwiegermutter verhört. In der einen Situation ist sie noch das schwache, angegriffene Opfer, im nächsten Moment die starke, rigorose Anwältin, die ihrer Schwiegermutter endlich beikommt. Extrem dicht ist Cinematographer Jim Frohna am Geschehen, das Andrea Arnold überzeugend inszeniert. Das Duo übernimmt in der kompletten Staffel diese Aufgaben und stehen dem Duo Jean-Marc Vallée und Yves Bélanger in nichts nach. David E. Kelley zieht hier nochmal alle Register: Die Rückblicke in Mary-Louises Vergangenheit und vor allem das heimlich aufgenommene Video, das zeigt, was bei Wrights tatsächlich abgegangen ist, sind großartig platziert. Ironischerweise bringt sich Mary-Louise dann am Ende selbst auf die Verliererstraße, als sie Celeste in ihrem Schlusswort noch einmal angreift. Das wird für meinen Geschmack ein bisschen zu wenig gewürdigt, aber sonst ist die komplette Gerichts-Sektion große Klasse.

Die Nebengeschichten mit Bonnies Mutter, Madelenes Beziehungsstress und Janes neuer Beziehung fallen da tatsächlich ab, übrigens deutlicher, als es in Staffel 1 der Fall war, als noch alles eng verwoben war und sich alles irgendwie gleichwertig angefühlt hat. Nicht ganz glücklich bin ich am Ende auch mit dem Gang zum Police Department: Dass alle Freundinnen nochmal gleichzeitig dort auftauchen, war für mich dann ein bisschen zu dick aufgetragen. Aber immerhin bildete es einen runden Abschied.

Aber ist es auch ein Abschied? Bis jetzt ist eine 3. Staffe weder in der Diskussion noch in der Produktion. Die Hauptdarstellerinnen betonen immer wieder, dass sie gerne nach Monterey zurückkehren würden. Und auch David E. Kelley zeigt sich in Interviews gesprächsbereit, dass er lieber heute als morgen die Story weitererzählen würde, wenn die Darstellerinnen denn wollten. Die wiederum machen das nicht nur von ihrer verfügbaren Zeit abhängig, sondern auch von der Story. Denn es muss – auch aus meiner Sicht – schon etwas Großes kommen, das Staffel 3 erzählt, um die Geschichte der ‚Monterey 5‘ weiterzuerzählen.

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Ein Kommentar

  • Patrick

    Eine starke Produktion mit tollem Cast und toller Story. Allerdings habe ich das Gefühl, daß diese Serie in Deutschland – zu Unrecht – etwas untergeht.

    Meinethalben dürfen weitere Staffeln gerne folgen. :-)


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