You can't rescue someone who doesn't want to be saved.

Review: Broadchurch S03E05 – Zwischenfazit zur finalen Staffel

Mini-Spoiler
Tobias
31.03.17

Die Ruhe vor dem finalen Sturm. Seit der Auftaktepisode, die mich wieder mit dieser wunderbaren Drama-/Crimeserie versöhnt hat, ist einige Zeit vergangen und eigentlich wollte ich auch schon längst mal wieder einen Beitrag zu David Tennant und Olivia Colman und ihrer letzten Staffel von „Broadchurch“ schreiben. Nun also ein Beitrag zum Status quo. ITV hat bislang fünf Episoden der achtteiligen letzten Staffel von „Broadchurch“ ausgestrahlt und man kann jetzt schon sagen, dass wir auf ein gutes Serienfinale zusteuern. Auch wenn sie sich dann doch nicht von den bisherigen zwei Staffeln lösen können. Was ich schade finde.

Wie dem auch sei. Im Mittelpunkt der dritten Staffel steht ein Vergewaltigungsfall während einer Geburtstagsparty. Trish, das Opfer, hatte sich nicht direkt nach der Attacke durch ihren Peiniger bei der Polizei gemeldet, zudem rückt Trish auch erst im Laufe weiteren Folgen mit der ein oder anderen nützlichen Information raus. Dies hilft unseren beiden Ermittlern natürlich nicht gerade. Und auch die Familie Latimer aus den beiden ersten Staffeln ist wieder mit von der Partie. Vor allem Beth spielt eine größere Rolle, arbeitet sie doch seit einiger Zeit bei einer Organisation, die sich um Frauen kümmert, die vergewaltigt, geschlagen oder anderweitig bedrängt wurden. Und ihr neueste Klientin ist eben Trish.

Jede Menge Arschlöcher!

Da sich Trish an nicht viel erinnern kann, was an jenem Abend passiert ist und sie zudem die ein oder andere Information zurückhält, ist der Kreis der potenziellen Täter recht groß und unübersichtlich. Eigentlich könnte jeder männliche Gast auf der Party ein potenzieller Vergewaltiger sein. Oder dann doch einer vom Catering Serivce? Oder einer der Taxifahrer, die an dem Abend einen guten Schnitt gemacht haben sollten, da viel Alkohol geflossen ist und demnach niemand mit dem eigenem Auto wieder nach Hause gefahren ist.

Aber die Staffel konzentriert sich dann doch auf drei Verdächtige, die wir zusammen mit DI Alec Hardy und DS Ellie Miller unter die Lupe nehmen. Und jeder der drei Verdächtigen ist unsympathisch, auf seine Art ein riesen Arschloch und hat so seine Geheimnisse und man würde für ihn als Zuschauer nicht die Hände ins Feuer legen. Teilweise würde man sich sogar freuen, wenn es dieser Arsch wird, der dann am Ende der Staffel den Gang ins Gefängnis antreten muss. Denn das Hardy und Miller den Fall klären werden, ist für mich ziemlich klar.

Sogar einen rechtskräftig verurteilten Vergewaltiger, der in der Nähe wohnt, ziehen sie in den Kreis der potenziellen Täter mit ein, da die Vorgehensweise seiner damaligen Tat – die er immer noch bestreitet – ähnelt. Und auch jener Zeitgenosse scheint etwas zu verbergen, verstrickt er sich doch während seiner Vernehmung im Dickicht der Lüge.

Vielleicht übertreiben es Chris Chibnall (Drehbuch und Showrunner) und seine Kollegen etwas mit der Anzahl der Verdächtigen aber ich denke schon, dass sich der wahre Täter unter jenen Männern versteckt, die wir bisher schon gesehen haben. Un die restlichen Männer sind einfach Arschlöcher und haben so ihre Geheimnisse und anderweitige Beziehungen zu Trish.

Was man Chibnall und Co aber lassen muss, sie haben sich da wirklich ein paar echt nette Zeitgenossen ausgedacht. Zudem spielen sie sehr gut mit mancher Einstellung und Szene, um den Verdacht des Zuschauers auf genau jenen Verdächtigen zu lenken.

… weitere Opfer.

Und nicht nur bei den Verdächtigen vergrößert sich nahezu stündlich die Anzahl der potenziellen Täter. In der jüngsten, der fünften Folge hat sich eine junge Frau bei der Polizei gemeldet, die vor Jahren auf eine sehr ähnliche Weise vergewaltigt wurde. Aber sich nicht gemeldet hatte.

Sie erzählt Hardy und Miller sehr genau, woran sie sich erinnern kann. Unter Tränen und einem Vor-Ort Besuch. Bei ihr war es in einem Feld auf dem Heimweg. In der Nähe von Broadchurch. Und die Vorgehensweise des Täters bei ihr ist nahezu deckungsgleich zu Trishs Vergewaltigung. Nur das diese Einzelheiten eigentlich niemand kennen kann. Haben wir es hier mit einem Serientäter zu tun?

Aber bei zwei Opfern bleibt es nicht. Beth erzählt ihrer Chefin bei einer ihrer regelmäßigen Supervisionen von Trish und wie es gerade mit ihr läuft. Dabei erwähnt sie auch einige Aussagen Trishs und das ihr diese Einzelheiten nicht aus dem Kopf gehen. Und ihre Chefin erkennt eine gewisse Parallele zu einem früheren Fall einer Klientin, die sich auch nach eingehender Beratung nicht dazu entschließen konnte zur Polizei zu gehen.

Dies dürfte demnach jede Menge Ermittlungsarbeit für die restlichen drei Folgen für Hardy und Miller bedeuten.

DI Alec Hardy

Zeit ist nur etwas, was DI Alec Hardy momentan so gar nicht hat. Was vor allem seine Tochter betrifft. Wie wir in der ersten Folge überraschend festgestellt hatten, lebt seine Tochter nun bei ihrem Vater. Warum, wird erst später klar. Nach dem Ende der zweiten Staffel ist Alec Hardy zu seiner Familie zurückgekehrt. Er wollte wieder eine Familie, seine Familie. Aber es ging schief und offenbar gab es mehrfach Streit zwischen Hardy und seiner Frau. Aber auch das Band zwischen Hardys Tochter und ihrer Mutter scheint nicht mehr so eng zu sein wie noch früher. So entschied sich Hardy nach Broadchurch zurückzukehren, damit auch seine Tochter einen Neustart versuchen kann. So wie er damals.

Allerdings fühlt sich Daisy so überhaupt nicht wohl in Broadchurch und sie kann auch nur sehr schwer Freunde finden. Und ihr Vater verbringt wieder sehr viel Zeit mit seiner Ermittlungsarbeit. Dazu kommt noch, dass ihr Jungs ihr Smartphone entwenden konnten und sich darauf eindeutige Bilder befanden, die nun in der Schule herumkreisen. Gar nicht schön. Hardy erfährt dies aber erst im Laufe der fünften Folge. Wie er genau damit umgehen wird, wird sich also erst einmal noch zeigen müssen. Das hier aber noch etwas kommen dürfte, scheint klar. Ich denke aber nicht, dass wir hier eine Verbindung zum Fall haben.

In Bezug zu Alec Hardy gab es aber auch eine witzige Szene. Hardy scheint Tinder zu nutzen oder so etwas ähnliches. Denn er trifft sich mit einer Unbekannten in einem Restaurant, die er vorher geswiped hat. Die App hatte ihm seine Tochter eingerichtet. Was er dann auch zugeben musste. Aber die Auswahl seines Dates war dann schon die seine. Eine wirklich charmante Szene, die auch den Zuschauer etwas aus dem dann doch eher trüben Gedankenfluss reißen konnte. Wenn auch nur für kurze Zeit.

He´s back!

Joe Miller. He is back. Etwas, von dem ich dachte, dass sie es nicht nochmal versuchen werden. Dass sich die Latimers sehr unterschiedlich mit dem Tod ihres Sohnes auseinandergesetzt haben und dies immer noch tun, hatte ich bereits im Review zum Staffelauftakt beschrieben. So versucht Mark weitere rechtliche Schritte zu prüfen – ohne Absprache mit seiner Frau. Aber ihr Anwalt – derselbe wie in der zweiten Staffel – macht Mark keine allzu großen Hoffnungen.

Da Mark aber mehr als eine tragische Figur abgibt, die weiterhin gebrochen ist und mit der Geschichte nicht abschließen kann, kommt es dazu, dass er einen Privatdetektiv beauftragt, den Wohnort von Joe Miller herauszufinden. Er will endgültig mit der Sache abschließen. Was er genau damit meint, sagt er nicht.

Und so endet die fünfte Folge damit, dass Mark nach Liverpool fährt und dort Joe, der unter einem neuen Namen lebt, bei seiner Arbeit als Wachmann beobachtet. Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hat er keine allzu netten Gedanken und plant wohl etwas, was ihn selbst in Schwierigkeiten bringen könnte.

Ausblick

Ich bin gespannt, wie weit sie die Geschichte an dieser Stelle ausdehnen. Und ja, Chris Chibnall, ich glaube verstanden zu haben, dass auch du mit deiner anfänglichen Idee zu „Broadchurch“ abschließen möchtest bevor du „Doctor Who“ als Showrunner übernehmen wirst. Vielleicht hattest du dies immer schon so geplant. Für mich hätte es das aber nicht gebraucht. Der Thrill der Serie ist back und ich brauche dazu keinen Joe Miller.

Im Laufe der dritten Staffel wurde mir immer wieder bewusst vor Augen geführt, wie großartig diese Serie sein kann. Wie toll Tennant und Colman miteinander agieren können. Ach hätten sie dies nur nicht auch in der zweiten Staffel tun können…

Aber meckern hilft hier auch nichts mehr. Der Blick muss straight nach vorne gerichtet sein. Und die restlichen Folgen der Staffel und somit der Serie dürften noch das ein oder andere Geheimnis offenbaren. So gibt es beispielsweise eine Nebenhandlung in der der Sohn von Ellie Miller verwickelt ist. Er wurde nämlich dabei erwischt, wie er kleine pornographischen Videos auf dem Schulhof verteilt. Und sofern sich Ellie Miller die Videos nicht näher angeschaut haben sollte, wovon ich ausgehe, steht bei mir der Verdacht im Raum, dass es sich hierbei um „rape Videos“ handelt. Denn wie wir erfahren, kann sich Trish an ein komisches Licht erinnern. Was aber nicht von einem der angrenzenden Gebäude stammen kann. Alec Hardy hatte daher mal kurz den Gedanken, dass es sich ja auch um eine Smartphonekamera und deren Licht handeln könnte. Wäre schon krass, wenn wir hier eine Verbindung haben. Also nicht, dass Millers Sohn der Vergewaltiger ist, aber dass man über diese Videos an den Täter kommt.

„Broadchurch“ macht also auf seinen letzten Metern vieles richtig und baut sich gerade ein spannendes und bestimmt auch unterhaltsames Serienfinale.

Vorherige Folge

Bilder: itv

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