Broadchurch verabschiedet sich mit einem großen Finale

Review: Broadchurch S03E08 – Serienfinale

SPOILER !!
Tobias
22.04.17

Es ist vorbei. Leider. Nach insgesamt 24 Folgen und sogar einer US-amerikanischen Serienadaption, „Gracepoint“, lustigerweise sogar auch mit David Tennant in der Hauptrolle und geschrieben vom selben Drehbuchautor, Chris Chibnall, verabschiedete sich „Broadchurch“ in dieser Woche in den Serienruhestand. Mit einem gefühlvollen, leicht dramatischen und kopfschüttelnden Finales ob der Auflösung.

Aber absolut angemessen und grandios. Für mich ist die zweite Staffel vergessen und ich werde auch in Zukunft in den Partyküchen dieser Welt „Broadchurch“ als Serie anpreisen, die man unbedingt gesehen haben sollte. Und dieser Grund hört vor allem auf zwei Namen: David Tennant und Olivia Colman. Neben der grs. dichten Storyline sowie spannenden und dramatischen Fällen.

Handlung

Er hat es doch nicht getan. Gottseidank. Die Rede ist von Danny´s Dad, Mark Latimer, der ja am Ende der fünften Folge dem Mörder seines Sohnes einen Besuch abstattet. Mit finsteren Absichten wie sich dann auch rausstellt. Es bleibt aber dann nur bei einem Gespräch, denn er bittet Joe die ganze Geschichte zu erzählen, er, Mark, könne einfach nicht mit dem Tod seines Sohnes abschließen. Und da Joe während der gesamten Gerichtsverhandlung in der 2. Staffel kein Wort gesagt hat, fehle ihm seine Sicht der Dinge. Die Wahrheit.

Und die erzählt Joe dann, leider für uns Zuschauer nur im Recap durch einige nachfolgende Dialoge. Es scheint sich wohl um einen Unfall gehandelt zu haben, den Joe vertuschen wollte, da er sich schuldig fühlte. Er war zwar nicht der Mörder, für den ihn alle halten, aber er ist verantwortlich für den Tod von Danny Latimer.

In den nachwirkenden Folgen dieses Gespräches versucht sich wiederum Mark das Leben zu nehmen. Es misslingt. Glücklicherweise. Am Ende schaut es so aus, als würden die Latimers vielleicht nicht mehr als Ehepaar durchs Leben gehen, aber zumindest gemeinsam für ihre Kinder da sein.

Kommen wir zur Hauptfrage der Staffel: Wer hat Trish vergewaltigt?

Diese Frage wird dann auch im Laufe der letzten Folge aufgeklärt. Und man bemerkt, wie kreativ und einfallsreich Chibnall die Geschichte angelegt hat. Für uns Zuschauer (und auch die Polizei) kamen diverse Tatverdächtige in Frage. Und bei jedem gab es Hinweise, wo man als Zuschauer dachte, na der wird es dann wohl jetzt sein. Am Ende war es natürlich ein Täter, mit dem man überhaupt nicht rechnen konnte. Also ich zu keinem Zeitpunkt: Michael.

Wer? Michael ist der 16jährige Sohn eines Hauptverdächtigen. Die Rede ist vom grundunsympathischen Taxifahrer Clive. Und Michael ist sein Sohn.

Jener Michael war auch der Freund von Ellies Sohn Tom, der Tom mit den Pornos versorgt hat. Der aufmerksame Leser wird sich erinnern. Diese Geschichte hatte dann doch eine direkte Verbindung zu dem Fall. Denn diese Videos hat er von jemanden anderen bekommen. Michael war nämlich nicht alleine an der Tat beteiligt. Er war „nur“ (in sehr großen Ausrufezeichen) der Ausführende, geführt wurde er – wenn man so will – von einem weiteren Hauptverdächtigen. Leo Humphries, dem unfreundlichen Macho der Stadt, verwöhntes Bürschen gut betuchter Eltern. Und der Geschäftsführer der Firma, deren Seile auch schon die ganze Zeit von der Polizei untersucht wurden, da sie am Tatort gefunden wurden.

Zudem können ihm Hardy und Miller die weiteren zur Anzeige gebrachten Vergewaltigungen zu Last legen. Und noch weitere, da Leo seine Taten gefilmt hat. Und man diese Aufnahmen findet. Dass der Täter von heute immer noch denkt, dass man diese Dateien nie finden wird. Nun ja. Werden sie. Immer. Zumindest in Serien und Filmen.

Trish war übrigens auch nur ein zufälliges Opfer. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Und Michael wusste auch erst nicht, was Leo vor hatte. Und Anfangs wollte er auch nicht. Konnte dann aber dem Druck Leos nicht standhalten.

Zum Ende der Folge und somit der Serie gibt es noch einmal eine schöne Abschlussszene zwischen Tennant und Colman. Vor der malerischen Kulisse der Steilfelsen (Bild oben). Sie reden noch einmal über den Fall und dass sie die Menschen nicht ändern können. Ihre Aufgabe ist es nur, die Bösen zu finden um die Guten vor ihnen zu beschützen.

Und das werden sie ab sofort ohne uns Zuschauer machen. Leider.

Meinung

Was bleibt mir sonst noch übrig als den Hut zu ziehen und good bye zu sagen. Alles in Allem war die Serie von Anfang bis Ende toll, unterhaltsam, mit zwei excellenten Hauptdarsteller, die wunderbar miteinander agieren konnten. Die finale Staffel hat es bei mir wohl unter die Top 10 der besten Staffeln geschafft, die ich bisher gesehen habe. Von der ersten Folge an hatte ich wieder dieses Gefühl aus der 1. Staffel. Der Fall war emotional, spannend und kreativ aufgebaut. Und auch die weiteren Darsteller ließen kaum Platz zum Meckern.

Vielleicht hätte die Latimer Story anders verlaufen können, aber im nachhinein muss ich wohl eingestehen, dass es Chibnall wichtig gewesen sein dürfte, seine Ursprungsgeschichte zu Ende erzählen zu können. Und es ist schon krass, dass die Serie von einem jugendlichen Opfer und einem jugendlichen Täter eingerahmt wird. Darauf wäre ich nie gekommen. Von daher Daumen hoch für das Storytelling. Eine Story, die am Ende voll aufgeht.

Man könnte wahrscheinlich noch viele weitere Dinge anführen, die sehenswert an der Serie sind. Aber der Erfolg der Serie hat in meinen Augen wirklich nur zwei Namen: Tennant und Colman. Beiden Darstellern sind ihre Rollen und wie sie Alec Hardy und Ellie Miller angelegt haben, hoch anzurechnen. Beide Figuren waren nicht ohne Fehler, hatten ihre Ecken und Kanten. Waren aber immer authentisch und überzeugend. Vor allem in den Verhörszenen konnten beide sehr gut überzeugen, mit Stimme und Ausdruck spielen. War toll anzusehen.

„Ellie: But you knew it was wrong and illegal?
Leo: It’s only sex.
Ellie: It’s rape!
Leo: They’d all had sex before. Why does one more time make a difference?“

Und sie waren für Serienverhältnisse wiederum absolut normal. Keine allzu übertrieben gebrochenen Lebensläufe oder gar Familiendramen, die die Figuren allzu sehr in den Mittelpunkt oder sogar über die Handlung hätte stellen können. Jene Vorgeschichten und Familiendramen gehörten eben zur jeweiligen Staffelhandlung. Waren die Handlung. Perfekt in meinen Augen.

Die Serie „Broadchurch“ hat es in den 24 Folgen geschafft, eine unterhaltsame fiktive Welt aufzubauen, die wir Zuschauer nun leider wieder verlassen müssen. Chris Chibnall, der sich nun auf die Übernahme der Verantwortung bei „Doctor Who“ vorbereiten kann, hat unmissverständlich erklärt, dass wir nie wieder nach Broadchurch zurückkehren werden. Ich wiederhole mich gerne, leider.

Ich sage Danke an Chibnall, Tennant und Colman für eine tolle Serie. Es hat mir großen Spaß gemacht.

Bilder: itv

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