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Enjoy your sight, Doctor. Now see our world.

Review: Doctor Who S10E07+08 – The Pyramid at the End of the World / The Lie of the Land

SPOILER !!
Tobias
16.06.17

Wenn ihr mal einer Diskussion beiwohnen solltet, in der es darum geht ob man eine Serienstaffel am Stück oder Woche für Woche schauen sollte und es wird nach aktuellen Beispielen für die am Stück Theorie gesucht, verweist auf die 10. Staffel der „Doctor Who“ Reihe. Denn die Folgen fünf bis acht sollte man unbedingt hintereinander schauen oder zumindest im Doppelpack. So wie ich dies eher zufällig getan habe. Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, dass ich die Einzelfolgen weniger gut bewerten würde hätte ich sie nicht am Stück gesehen. Ob das nun für oder gegen die Staffel spricht, muss jeder für sich entscheiden. In meinen Augen spricht das für das Drehbuch. Für die Serie.

Ich habe mich daher auch entschieden die restlichen Folgen der aktuellen Staffel immer in Doppelpacks zu sehen und darüber zu schreiben. Deswegen gibt es am Ende auch wieder nur eine Kronenbewertung und keine Einzelbewertung der beiden Folgen.

The Pyramid at the End of the World

The Pyramid At The End Of The World | Next Time Trailer | Doctor Who: Series 10 | BBC

Die Bedrohung durch die rotkapuzigen Mönche ist da und kommt in Form einer Pyramide daher. Die sich dann im weiteren Verlauf als deren Raumschiff/Headquarters/Radiostation herausstellt. Am Anfang ist aber noch alles Anders.

Wir wohnen dem Date von Bill und Penny bei, dieses Mal in der Realität und nicht in der Simulation, aber auch hier wird ihre Zweisamkeit durch einen Besucher gestört. Dieses Mal ist es aber nicht der Papst sondern der UN Generalsekretär. Er ist nämlich auf der Suche nach dem Präsidenten der Erde. Dem Doctor. Ist immer wieder interessant zu erfahren, welche Jobs der Doctor so alles inne hat. Wobei diesen Job nur im Angesicht einer großen Gefahr. Und die haben wir nun in einem fiktiven Land irgendwo in Asien.

Denn dort stehen sich drei Armeen gegenüber – USA, Russland und China – und in diese eh schon brenzlige Situation platzt urplötzlich die bereits erwähnte Pyramide. Und der UN Generalsekretär scheint ein Mann schneller Entschlüsse zu sein, zählt 1 und 1 zusammen – kommt dabei wahrscheinlich auch auf 2 – und sucht den Doctor auf. Denn wenn vor dem eigenen Garten plötzlich eine Pyramide von einem Tag auf den Anderen steht, dann kann es sich nur um einen Doctor Who Case handeln.

Und als genau dies stellt sich die Gefahr auch heraus. Die Mönche geben sich dem Doctor zu erkennen und berichten von einer großen Gefahr für die Erde und die gesamte Menschheit. Und nur sie könnten die Gefahr bannen und die Menschheit retten. Allerdings müssten sie von der Menschheit darum gebeten werden, im Gegenzug würden die Mönche die Gefahr abwenden. Als Preis würden die Mönche diktatorisch über die Erde regieren.

Im weiteren Verlauf versuchen unsere drei Freunde herauszufinden was die große Gefahr für die Erde ist. Wir Zuschauer haben schon etwas länger einen Verdacht, dass die Story rund um die Armeen nur ein Trick ist und die Gefahr ganz woanders ausbrechen wird. Denn wir sehen immer mal wieder zwei Laboranten die an Bakterien herumexperimentieren. Und auch als Zuschauer merkt man, dass hier etwas schief gehen könnte.

Und das tut es dann auch, die Bakterien drohen aus dem geschützten Labor auszubrechen und in die Atmosphäre freigesetzt zu werden. Dies würde die Menschheit im wenigen Stunden auslöschen. Und die Mönche wussten dies und hätten wohl auch ein Gegenmittel. Das die Mönche nahezu unendliche Macht haben, zeigen sie in den verschiedensten Situtionen. Sogar der Doctor erlangt durch sie sein Augenlicht wieder.

Am Ende wird es dann richtig brenzlig und dieses Mal muss Bill die alles entscheidende.. ähm.. Entscheidung treffen. Denn eigentlich war geplant, dass der Doctor die Bakterien vernichtet in dem er das Labor in die Luft jagt und Bill die Mönche noch etwas hinhält. Aber durch die Blindheit des Doctors kann er das Labor nicht verlassen – die Tür öffnet sich nur nach der Eingabe eines Zahlencodes – so dass die nächste Regeneration kurz bevor stehen dürfte.

Aber Bill entscheidet sich für den Doctor und gegen den Plan. Sie willigt dem Angebot der Mönche als Vertreter des Doctors ein und übergibt die Erde an die Kapuzenträger.

The Lie of the Land

The Lie Of The Land | Next Time Trailer | Doctor Who: Series 10 | BBC

Seit den Ereignissen der letzten Folge sind ein halbes Jahr vergangen, die Mönche regieren über die Erde und kontrollieren die Menschen über so etwas wie Radiowellen. Tiefer und tiefer graben sich die Mönche in die Geschichte der Menschheit und übernehmen nach und nach die Gedanken der Menschen. Nur wenige Menschen scheinen sich dagegen wehren zu können. Diese werden aber nach und nach abgeholt und in Lager gesteckt. Auf den Straßen regiert Angst und Duckmäusertum. Die Mönche sind allgegenwärtig.

Wer jetzt an George Orwell, die Ghettos im 2. Weltkrieg oder an Serien wie „The Man in the High Castle“ denkt, liegt nicht verkehrt. Die ersten rund 20 Minuten sind wirklich toll umgesetzt.

Wir sehen eine deprimierte Bill, die überwiegenden Farben in den ersten Minuten sind grau und es herrscht eine gespenstige Stimmung. Bill ist allein, keine Spur vom Doctor (der zu so etwas wie ein Propagandaminister der Mönche geworden ist) oder Nardole. Aber so richtig allein ist Bill auch nicht denn sie hält seit geraumer Zeit Zwiesprache mit ihrer imaginären Mutter. Und sie hat die Hoffnung, dass der Doctor einen geheimen Plan hat und nur so tut als würde er für die Mönche arbeiten.

Im weiteren Verlauf der Folge stößt Nardole, der das Ende der letzten Folge dann doch überlebt habt (wen das überrascht … ) zu Bill und berichtet ihr von einem geheimen Gefängnis in dem der Doctor gefangen gehalten wird. Sie planen den Doctor zu befreien und schaffen es auch mit Hilfe und etwas Glück zum Doctor. Allerdings stellt sich die Situation anders heraus als gedacht.

Der Doctor kooperiert wirklich mit den Mönchen und alarmiert auch die Wachen. Er erklärt Bill und Nardole das er machtlos gegenüber den Mönchen ist und es besser wäre für die Menschheit zumindest zu leben als vernichtet zu werden. Bill ist mehr als überrascht und wütend. Und nicht nur das, sie ist zum Äußersten entschlossen. Sie zieht eine Waffe, zielt auf den Doctor und schießt. Dreimal. Der Doctor zuckt zusammen, die Regeneration beginnt.

Nicht. Dieses Mal handelt es sich aber um keine Simulation sondern ein Fake des Doctors. Die Planungen zum Kampf gegen die Mönche sind abgeschlossen, nun sollte Bill noch einmal geprüft werden ob auch sie gegenüber den Radiowellen der Mönche immun ist und weiterhin an das Gute im Doctor bzw. der Menschheit glaubt. Test bestanden.

Da sie aber nicht wissen, wie man die Mönche konkret aufhält kommt der Doctor auf die naheliegendste Idee: Missy. Eine Szene später besuchen Bill und der Doctor Missy in ihrem Tresor. Sie berichtet davon, dass sie auch schon mal gegen die Mönche gekämpft und auch gewonnen hat. Die Quelle ihrer Macht liegt nämlich in den überall herumstehenden Mönchsstatuen über die die Mönche ihre gedankenkontrollierenden Radiowellen ausstrahlen. Der eigentliche Transmitter, ohne den das ganze nicht funktioniert, ist dabei immer jene Person die den eigenen Planeten an die Mönche übergeben hatte. In unserem Falle also Bill. Die Lösung, die Missy vorschlägt (Bill töten oder zumindest deren Hirn zerstören) ist für den Doctor keine Option.

So muss ein anderer Plan her.

Der Doctor plant in die Pyramide einzudringen, den Sender zu übernehmen und mit der übernatürlichen Kraft des Timelords die Gedanken der Menschen zu reinigen und so die Menschheit gegen die Mönche aufzubringen. Anfangs funktioniert der Plan auch aber die Kraft der Mönche ist stärker. Bis Bill die Lage übernimmt. Mit ihren nur in ihren Vorstellungen kreierten Erinnerungen an ihre Mutter, auf die die Mönche keinen Zugriff hatten, kann Bill die Macht der Mönche brechen. Ein wenig Harry Potter hätten wir also auch noch.

Am Ende der Folge sind die Mönche verschwunden, die Statuen zerstört und die Menschheit geblitzdingst. Alles ist in Ordnung, die nächsten Abenteuer können kommen.

Meinung

Wie schon erwähnt, hätte ich die Folgen einzeln und eine pro Woche gesehen, die Bewertung würde sehr wahrscheinlich weitaus schlechter ausfallen. Denn man kommt während der Folgen nicht umhin hier und da den Kopf zu schütteln. Die Folgen haben mitunter mittelmeergroße Logiklöcher und teilweise auch Probleme mit der Zeit. Dies gilt insbesondere für die Folge „The Pyramid at the End of the World“, die wiederum selber mit einem internen Timer in der Geschichte operiert, aber die Zeit vergeht erst überhaupt nicht und am Ende drängeln sich dann die Ereignisse. Das hätte man auch besser timen bzw. arrangieren können.

Worüber man auch nicht nachdenken sollte ist die Macht der Mönche. Über dreiviertel der Zeit der letzten Ereignisse werden die Mönche als nahezu unbesiegbar dargestellt und werden dann am Ende doch in nur drei Minuten überlistet und geschlagen. Andererseits sind wir hier bei „Doctor Who“ und nicht bei einer hochwertigen Dramaserie mit mehreren Meta- und Zeitebenen. Da kann und muss man darüber einfach hinwegsehen.

Denn die vier Folgen rund um die Mönche, ich zähle „Oxygen“ mit dazu da der Doctor am Ende sein Augenlicht verliert, sind große Unterhaltung und machen großen Spaß. Was mir absolut ins Auge gefallen ist, ist, dass Pearl Mackie bzw. mit ihr die Figur Bill in diesen vier Folgen immens gewachsen ist was ihre Bedeutung für die Serie angeht aber auch schauspielerisch. Pearl Mackie hatte nicht wenige Szenen in denen sie schauspielerisch überzeugen konnte.

Schön auch die Idee, die Mutter von Bill so prominent in die Lösung einzubauen. Love is everywhere. Love is the solution. Und wie wunderbar emotional sie dies in den letzten Folgen nach und nach aufgebaut haben, denn Szenen zwischen Bill und ihrer imaginären Mutter hatten wir des öfteren. Nun wissen wir auch, dass dies alles nur in den Gedanken Bills stattgefunden hat und nie von der kleinen Bill so erlebt wurde.

Und endlich haben wir eine große Szene im Tresor auf die wir schon länger warten. Okay, man kann darüber streiten ob es unbedingt notwendig war, Michelle Gomez als Missy im Tresor zu besuchen. Denn eigentlich gibt Missy nur mysteriöse Hinweise, auf die eigentliche Lösung kommen Bill und der Doctor dann auch selbst. Allerdings hat es Spaß gemacht Michelle Gomez beim räkeln auf dem Piano zu beobachten und welch großen Spaß sie bei dieser Szenen gehabt haben muss. Sie genießt es total für die zwei Minuten im Mittelpunkt zu stehen. Hoffen wir, dass noch ein paar Minuten oben drauf kommen. Michelle Gomez als Missy fand ich nämlich großartig.

Das erste große Highlight der Staffel hätten wir nun als hinter uns und ich erwarte jetzt wieder ein paar Übergangsepisoden, die nicht weiter wichtig für die spätere Haupthandlung am Ende der Staffel und der finalen Regeneration des Doctors sein dürften. We will see.

Interessant für die zukünftigen Staffeln dürfte übrigens sein, dass die Ausrichtung unter Chris Chibnall ähnlich sein wird wie die vergangenen Episoden. Chibnall denkt eher in größeren Handlungsbögen und nicht mehr in der Monster-of-the-week Architektur der vergangenen Jahre. Und wenn ich mir so diese vier Folgen anschaue, könnt ich mir schon vorstellen, dass dies funktionieren könnte. Erst recht für Serienfans, wie mich, die eigentlich eher selten Procedural-Serien schauen und eher an einer übergeordneten Rahmenhandlung interessiert sind.

Wie seht ihr das? „Doctor Who“ goes „Broadchurch“. Gute Idee?

Bilder: BBC

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