Neue Folge der preisgekrönten NDR-Doku

Review: Die Geschichte eines Abends… mit Olli Schulz

Spoilerfrei
Michael
08.12.19

Wer regelmäßig den Podcast „Fest und flauschig“ mit Olli Schulz und Jan Böhmermann verfolgt, der hatte sich den 7. Dezember rot im Kalender angestrichen. Um Punkt 0 Uhr sollte „Die Geschichte eines Abends…“ mit Olli Schulz laufen. Anders als bei diesem preisgekrönten NDR-Talk üblich, wollte sich Olli Schulz allerdings nicht mit anderen Prominenten zum Quatschen treffen, sondern in ein Seniorenheim gehen. Olli Schulz und vier rüstige Senioren – das konnte etwas werden.

Zunächst einmal ist man als Zuschauer natürlich etwas verunsichert. Alte Menschen haben viel zu erzählen, und je nach Charakter erzählen sie auch gerne viel. Das macht es nicht leicht, daraus ein ausgewogenes Gespräch zu entwickeln. Auch Olli Schulz merkt man seine Verunsicherung an: Am Anfang versucht er mit kleinen Späßen im Speisesaal, sich warmzusprechen und den Saal in Stimmung zu bringen. Ich mag das gleich zu Beginn: Ich meine, er geht in ein Seniorenheim, und wirkt nervöser als auf der Bühne oder sonst vor der Kamera.

Auch beim ersten Kontakten mit seinen vier Protagonisten Frau Friedmann (81), Herr Reimer (97), Herr Zielke (97) und Frau Stark (91) geht er schön behutsam vor. Sehr zurückhaltend versucht er erst einmal, eine Basis zu finden. Es vergeht dann allerdings auch eine Zeit, bis die Fünf wirklich zusammen am Tisch sitzen. Und ich glaube, da ist dann nicht das ganz optimale Setting gefunden. Mitten im Speisesaal, sitzen die Fünf dann doch wie auf dem Präsentierteller, kritisch beäugt von allen drumherum. Es ist unruhig, fast laut, das macht die Atmosphäre so ein bisschen kaputt. Das wird erst besser, als man sich auf das Zimmer von Frau Friedmann zurückzieht. So ungestört, werden dann alle mutiger, offener, gelassener. Vor allem Olli Schulz, der sich mittlerweile wohlzuführen scheint und angekommen ist in der Runde. Spannend wird’s dann natürlich, wenn die Senioren den Spieß umdrehen, und mehr von Olli Schulz erfahren wollen. Wenn’s um seine Tochter geht, die Mutter seiner Tochter, das Private – man merkt, dass in dem Moment bei Olli Schulz gedanklich viel arbeitet. Hier hat die Doku ihre besten Momente.

Was mich ein wenig gestört hat, waren die weiteren Erzählebenen, die der NDR eingezogen hat. Wir sehen in einer zweiten Ebene zwischendurch die Senioren, eingefangen im Porträt, wie sie etwas erzählen oder kommentieren. In der dritten Ebene sehen wir die Protagonisten in ihrem Alltag: beim Schwimmen, beim Sitzen in der Wohnung, beim Blick aus dem Fenster. Das alles ist für sich sehr schön gemacht und toll inszeniert, für mich passen die drei Ebenen aber irgendwie nicht zusammen. Ich glaube, jedes für sich hätte gut gewirkt, aber so macht es das Zusammensitzen, das eigentliche Gespräch, etwas kaputt.

Trotzdem ist es eine tolle Ausgabe von „Die Geschichte eines Abends“, und auch wenn ich am Ende schon etwas genervt war von Schulz‘ ständigen Ankündigungen, dass doch am 7. Dezember seine Doku läuft und sie ganz, ganz toll geworden ist – er hat ja recht gehabt.

PS: Empfehlen kann man übrigens auch Olli Schulz‘ Besuch in der NDR Talk Show, die direkt vor der Doku ausgestrahlt wurde. Hier geht er nochmal auf das Format ein, und auch einige der Senioren sind zu Gast.

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