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Race against time

Review: House of the Dragon S01E09 – „The Green Council“

ACHTUNG: SPOILER !!
18. Oktober 2022, 08:15 Uhr
SPOILER !!
Kira
18.10.22

Es ist wieder einmal eine intensive Folge „House of the Dragon“ und auch eine besondere. Diese Episode ist langsam und düster und die Spannung baut sich allmählich und schließlich bis ins Unermessliche auf. So schleichen wir in den ersten Szenen in langsamen Kamerafahrten durch die leeren Hallen des Red Keep, alles ist grau und trist, neblig und verlassen, nur ein leichter Wind weht durch ein offenes Fenster und lässt einen Vorhang in der Luft spielen. Die Musik ist ruhig und so eindringlich, wie nur Ramin Djawadi es schafft, dies mit seinen Kompositionen zu vermitteln. Wir folgen einem kleinen Jungen, wie er sich den Weg durch die Hallen in die Küche bahnt und einer Angestellten eine Nachricht überbringt, die sie verstummen lässt.

Wettlauf

Welche Nachricht hier überbracht wurde, wissen wir nicht erst, als wir Alicent weinen sehen. Viserys ist tot. Sie berät sich unmittelbar mit ihrem Vater Otto Hightower und erzählt ihm, dass es Viserys letzter Wunsch war, dass doch Aegon sein Nachfolger und damit König wird. Dass Alicent das ordentlich falsch verstanden hat, kann von ihnen ja niemand ahnen. Otto jedenfalls ist sehr erfreut darüber, dass auch Alicent nun hinterher ist, ihren Sohn auf dem Thron zu platzieren, denn von dieser Entwicklung hat auch Otto kaum noch zu träumen gewagt. In einer Nacht und Nebel-Aktion wird der Council (nun „green council“) zusammengerufen.

„The King is dead.“

Und der ist erstmal skeptisch, dass Viserys sich auf den letzten Metern vor seinem Tod scheinbar doch nochmal umentschieden haben soll, was seine Nachfolge angeht. Doch anhand der Reaktionen der einzelnen Mitglieder merkt Alicent schnell, dass es eigentlich gar nicht mehr nötig ist, eine Strategie für die nächsten Schritte zu entwickeln, denn die Anwesenden haben fast alle bereits einen Plan. Und nun wird auch Alicent klar, dass hinter ihrem Rücken schon längst die Vorbereitungen für Aegons Übernahme liefen. Doch nicht alle am Tisch sind damit einverstanden, allen voran der treue Lord Lyman Beesbury, der sich nicht gegen den Wunsch von Viserys stellen will und dafür von Ser Criston schnell die Quittung bekommt. Und auch Ser Harrold Westerling, der Lord Commander, verweigert den Befehl, als er hört, dass Ottos Plan ist, dass Rhaenyra ausgeschaltet werden soll. Für Otto sind sie und ihre Anhänger:innen eine viel zu große Gefahr, wenn Aegon an die Macht kommt. Doch apropos Aegon: Während alle fröhlich planen, dass er der neue König werden soll, stellt sich schnell die Frage: Wo ist der neue König denn eigentlich?

Bend the knee

Ein Wettlauf startet. Am Hof wird das gesamte Personal in den Keller eingeschlossen, damit die Nachricht über Viserys Tod den Hof nicht verlässt. Auch Rhaenys wird in ihrem Zimmer eingesperrt, zu groß ist die Sorge, dass sie Rhaenyra über die Ereignisse informieren wird. Unterdessen schickt Otto die Zwillingsbrüder Arryk und Erryk Cargyll in die Stadt, um Aegon zu suchen und zu ihm zu bringen. Und wieder einmal machen mich die Namen dieses Universums völlig fertig. Die Namen klingen nicht nur alle ähnlich, Arryk und Erryk klingen wirklich komplett gleich und dazu sehen die Brüder auch noch gleich aus. Wer da jetzt wer ist, bleibt für mich völlig unklar. Während jedenfalls einer einfach nur Befehle befolgt (Arryk?), ist der andere (Erryk?) moralisch doch etwas besser aufgestellt und verurteilt Aegon für die Person, die er geworden ist. Immerhin sehen sie gerade mit eigenen Augen, dass es in der Stadt eine Art Fight Club für Kinder gibt, die sich mit ihren langen Fingernägeln und gefeilten Zähnen unter den jubelnden Augen der Zuschauer:innen bekämpfen. So etwas duldet die Krone? Und sind dort auch Kinder von Aegon?

„Do you see now what he is?“

Doch Erryk und Arryk sind nicht die einzigen, die Aegon suchen. Alicent schickt Ser Criston ebenfalls auf die Suche nach ihrem Sohn, Aemond schließt sich ihm an und auch, wenn sie Aegons Spur näher zu kommen scheinen, muss Aemond doch mal eben loswerden, dass eigentlich auch eher er selbst den Thron verdient hat:

„Here I am, trawling the city, ever the good soldier in search of a wastrel who’s never taken half an interest in his birthright. It is I the younger brother who studies history and philosophy, it is I who trains with the sword, who rides the largest dragon in the world. It is I who should be…“

Am Hof sind unterdessen alle Vertreter:innen der einzelnen Häuser geladen und sollen dem künftigen, nicht anwesenden König schon mal die Ehre erweisen, indem sie dem „bend the knee“-Befehl folgen. So ganz voller Überzeugung passiert das allerdings bei den meisten nicht. Es ist wohl eher die Sorge, was passiert, wenn man dem nicht Folge leistet.

Guidance

Interessant ist, wie sowohl Otto als auch Alicent Aegon zuerst sprechen wollen – beide wollen ihn für ihre Zwecke beeinflussen und für ihre Überzeugung gewinnen: Otto will Rhaenyras Tod, Alicent will Aegons Herrschaft, aber ohne, dass ihre Kindheitsfreundin und die Tochter ihres Mannes dafür sterben muss. Und Alicent versucht auch die eingesperrte Rhaenys zu überzeugen, sich auf ihre Seite zu schlagen und für eine Herrschaft ohne Krieg einzustehen.

„We do not rule, but we may guide the men that do. Gently… away from violence and sure destruction and instead toward peace.“

Ihre Ambitionen überraschen Rhaenys.

„You are wiser than I believed you to be… Alicent Hightower.“
„A true queen counts the cost to her people.“
„And yet you toil still in service to men. Your father, your husband, your son. You desire not to be free, but to make a window in the wall of your prison. Have you never imagined yourself… on the Iron Throne?“

Mysaria, der White Worm, hilft Otto schließlich gegen Bezahlung und gegen das Versprechen, dass es ein Ende der Kinderkämpfe geben und er sich stets an sie und ihre Unterstützung erinnern wird, Aegon zu finden. Erryk gabelt ihn auf, aber Ser Criston schafft es, Erryk zu entwaffnen. Nach einer kleinen Rangelei zwischen Aemond und Aegon, der lieber davonsegeln und nie wieder zurückkehren würde, als König zu werden, wird Aegon Alicent ausgeliefert.

Überraschung

Während Erryk, zurück am Hof, genug von diesen Spielchen hat und Rhaenys aus ihrem Zimmer befreit und versucht, sie aus der Stadt zu bringen, werden alle Menschen in King’s Landing dazu gedrängt, für ein wichtiges Ereignis in der Großen Septe zusammenzukommen. Auf dem Weg zur Krönung erfahren wir, dass Aegon vor allem damit zu kämpfen hat, dass Viserys ihm nie sein Vertrauen geschenkt und ihn nie spüren lassen hat, dass er ihn liebt. Da hat er doch etwas mit Daemon gemeinsam! Doch Alicents Überzeugung, dass Aegon über die Sieben Königreiche herrschen wird, gepaart mit einem außergewöhnlichen Geschenk, dem Dolch Blackfyre, der bereits Aegon, dem Eroberer, gehörte, lassen doch noch so etwas wie Hoffnung in seinen Augen aufblitzen.

Und so kommt es nun: Otto verkündet vor der versammelten Stadt, dass König Viserys tot ist und es sein Wunsch war, dass sein erstgeborener Sohn sein Nachfolger wird. Damit lässt er seinen Enkel Aegon hereinschreiten, der mit der Krone von Aegon, dem Eroberer, gekrönt wird und der die Menge für sich jubeln lässt. Doch die Stimmung hält nicht lange an, denn wie wir zwischendurch verfolgen konnten, konnte Rhaenys zwar nicht aus King’s Landing, dafür aber in den Untergrund fliehen und hält nun eine schöne Überraschung bereit, den Drachen Meleys, mit dem sie aus dem Grund der Septe emporbricht und den Feierlichkeiten ein abruptes Ende beschert.

Bis auf den großen Knall am Ende ist „The Great Council“ eine sehr ruhige, sehr strategische Folge, die sich langsam aufbaut. Was mir inhaltlich besonders gut gefallen hat, ist, dass Alicent nun allmählich auch wirklich spürt, was für ein Mann aus ihrem Vater geworden ist und mit allen Mitteln versucht, dass Aegon sich von ihm nicht zu stark beeinflussen lässt, da sie weiß, dass das in einem Krieg enden würde. Ein sehr absurder Schlüsselmoment war dabei der kurze Ausflug in Larys Strongs Vorliebe für Füße, deren Entblößung ihn zum Plaudern bewegt und Alicent zur Erleuchtung gebracht hat. Auch gefallen hat mir, dass wir endlich ein bisschen mehr über Aegon erfahren – wenn auch nicht wirklich etwas Positives, aber hey, zählt die Ausrede, dass er den Erwartungen seines Vaters einfach nie gerecht werden konnte?

Bei all den vielen Figuren, die sich (ob freiwillig oder unfreiwillig) plötzlich auf die Seite der Hightowers geschlagen und damit gegen den Wunsch des gerade erst abgetretenen Königs Viserys, dass Rhaenyra nach ihm herrschen soll, gewendet haben, hat es sehr gut getan, dass Beesbury nicht geschwiegen, Ser Harrold Westerling sich gegen Anweisungen gewehrt hat und vor allem, dass Rhaenys gegenüber Rhaenyra loyal bleibt. Rhaenys beweist darüber hinaus noch mehr Stärke, da sie ihren Drachen Meleys nur ein bisschen brüllen, aber kein Feuer spucken lässt. Sie bewahrt Alicent vor dem Tod ihrer Kinder und vor ihrem eigenen Tod, obwohl sie an dieser Stelle alles hätte beenden können.

Gestalterisch hat mir an dieser Episode besonders die Musik gefallen, die unter die Haut ging – und dann wiederum minutenlang durch fast vollkommene Stille abgelöst wurde. Ein perfekter Mix, welcher der sich auftürmenden Spannung sehr gut getan hat. Dazu wieder einmal die Anspielungen auf das „Spiel um den Thron“.

„Well played.“ (Otto Hightower)
„None of this is a game.“ (Alicent)
„And yet you treat it as one.“ (Otto)

Ich habe mich zwar die ganze Zeit gefragt, warum sie den armen Kerl Aegon unbedingt auf den Thron verfrachten wollen. Natürlich haben sie alle ihre eigenen Pläne und ihren eigenen Anspruch auf Macht – und Alicent ist der Überzeugung, dass es der letzte Wunsch ihres Mannes, dem vorherigen König war. Natürlich folgt man dem dann. Aber Aegon selbst hat die wenigsten Ambitionen, zu herrschen. Doch ohne ein bisschen Konfliktpotenzial wäre es ja auch kein Spiel um den Thron und ohne ein paar Differenzen könnten wir die Drachen wohl nicht tanzen sehen.

Bilder: HBO/Sky

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Ein Kommentar

  • Ziemlich gelungen orchestriert, absolut! Man wusste nie so recht, in welche Richtung es schlagen würde und ich hatte zwischendurch eher gedacht, Aegon würde Selbstmord begehen, denn dieses Ende zu erwarten. Eine Sache, die mich ein bisschen gestört hat, war jedoch die Darstellung, wie der Drache da am Ende durch das Tor schlüpft – das sah irgendwie unrund aus und hat nicht zu der ansonsten richtig guten CGI-Performance gepasst. Muss ich mir nochmal genauer anschauen.


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