Kein "The Office" im Weltall

Review: Space Force – Staffel 1

Spoilerfrei
Maik
02.07.20

Rund einen Monat nach Abflug mit der Pilotfolge bin ich gelandet. Zehn Episoden einer auf dem Papier vielversprechenden Dramedy-Serie, die letztlich genau das hält, was man zum Auftakt bereits wahrnimmt: wenig. Schade, denn „Space Force“ hätte etwas richtig tolles sein können, nicht zuletzt hat man mit „von den Machern von ‚The Office‘!“ und dem namhaften Cast geworben. Letzterer ist auch namhaft und versucht an allen Ecken und Enden das Ruder herumzureißen, am Ende ist „Space Force“ aber eben alles, nur kein „The Office“ im Weltall.

Nicht witzig

Das Känguru Marc-Uwe Klings hatte ja einst die alles einstufenden Kategorien „witzig“ und „nicht witzig“ ins Leben gerufen. „Space Force“ fällt dann leider doch recht deutlich in die letztere. Klar, auch „The Office“ hatte jetzt nicht unbedingt 24/7 Schenkelklopfer-Niveau, auch da schwingte viel Subtilität und auch dem Genre der Mockumentary inne seiende Trägheit mit. Aber dennoch war die Serie lustig. „Space Force“ schafft den Dramedy-Spagat dagegen nicht so gut. Ja, es gibt ausgeklügelte Dialoge zu hören und vereinzelte Momente sind auch überraschend, so dass dann doch mal ein Schmunzler entsteht, aber mir war das nicht ausgewogen genug. Das dürfte zum einen auch daran liegen, dass mir die Serie, wie ich beim Pilot-Review bereits angemerkt hatte, zu gut aussieht. Klingt komisch, ist aber so. Die Aufmachung wirkt nicht nur aufgrund des 21:9-Formates auf Kino-Niveau. UHD-Auflösung, cinematische Kamerapositionierung und -Führung – und doch will selbst das nicht über die State-of-the-Art-Qualität statischer Fernsehunterhaltung hinausgehen. Vereinzelt kreative Übergänge oder fantasievolle Einfälle bleiben Einzelfälle, an eine Cinematography von zum Beispiel „Mr. Robot“ oder „Better Call Saul“ ist nicht im Ansatz zu denken. Aber gut, das sind auch hochwertige Dramaserien, hier soll es ja Comedy sein – dann lasst es doch auch so aussehen!

Auch wirken die Figuren diesbezüglich nicht ausgewogen genug. Natürlich muss „Space Force“ nicht glaubhaft sein, aber dann doch bitte konsequent! General Mark Naird ist die Ernsthaftigkeit in Person. Immerhin hat sich das Slapstick-hafte aus der ersten Folge nicht mehr derart plump wiederholt, dafür gibt es aber gefühlt so gar keinen Humor mehr um die Person, die zu 80 Prozent der Sendezeit im Bild ist. Ja, er bringt wichtige Aspekte mit in die Geschichte: Menschlichkeit, Moral, den Konflikt zwischen Beruf und Familie. Alles super, aber eben nicht witzig. Wenn man dann Abzieh-Bild-Komik-Figuren wie den von Ben Schwartz verkörperten Social-Media-PR-Hansel F. Tony Scarapiducci oder den wieso auch immer noch im Amt seienden Brad Gregory sieht, fragt man sich, wie das zusammen passen soll?

„Cheap generals are like cheap enchiladas – you end up paying for it on the back end.“ (General Mark Naird)

Gute Schauspieler*innen

Dabei will ich so gar nichts gegen die Darbietung des Casts sagen. Im Gegenteil! Da sind einige richtige Highlights dabei und eigentlich wird durchgehend auf hohem Niveau gespielt. Ja, bei Figuren wie den genannten oder auch der von Mark Narids Ehefrau Maggie etwas einseitig inszeniert… Die von Lisa Kudrow verkörperte Figur wirkte von Anfang an seltsam, wirkt unpassend für ihren Mann ge- und überzeichnet und kommt vor allem auch kaum vor. Außer gegen Ende, wo Tochter Erin Naird erst total problemlos quasi zeitlos Strecken überwinden kann, als wäre sie ein Rabe in „Game of Thrones“, um dann irgendwo im Nirgendwo darum zu bitten, abgeholt zu werden (der Rest ist übertrieben deluxe, aber ich will nicht zu sehr spoilern…).

Herausragend hat John Malkovich die Rolle des Wissenschaftlers Dr. Adrian Mallory verkörpert. Ein emotional fragiler Kopf, der seine Macken und Eigenheiten hat und tatsächlich für eine ausgewogene Balance von Drama und Comedy hat sorgen können. Gleiches gilt, wenn auch nicht in der schauspielerischen Tiefe, für Jimmy O. Yangs Figur des Dr. Chan Kaifang, den ich ab Folge Zwei oder Drei dann doch ernst und unabhängig von seiner Darbietung in „Silicon Valley“ nehmen konnte. Oder die tolle Tawny Newsome als Captain Angela Ali. Da waren schon ein paar sehr gekonnte Darbietungen bei und auch einige Figuren an sich sind vielversprechend ausgerichtet, bieten Potenzial für Entwicklung und Verbindung zu den Zuschauern. Man muss halt nur was daraus machen.

Anspielungen und Militär-Humor

Es gab auch interessante Gast-Auftritte zu sehen, wie zum Beispiel Jessica St. Clair („It’s Always Sunny in Philadelphia“) als reiche Innovatorin Kelly King. Und auch über die offenkundig auf die junge US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez anspielende Figur im Rahmen der Verhörung hat mir persönlich gefallen. Allgemein ist – ohne, dass ich da selbst irgendwelche persönlichen Einblicke hätte – das verzwickte politische Feld des Militärs meiner Meinung nach ganz gut dargestellt. Voller Anspielungen, dem Aufzeigen verblödeter Prinzipien und Regeln, oder der Thematisierung von blindem Gehorsam und dem Wettstreit zwischen den Militär-Abteilungen. Gerade beim Zusammentreffen der obersten Generäl*innen funktioniert der überzeichnete Comedy-Aspekt tatsächlich noch am besten. Wenn dann die FLOTUS noch neue Design-Ideen für die Space-Force-Uniformen rum schickt, ist das Chaos perfekt.

Auch wird vereinzelt die Chance genutzt, Referenzen zu Weltraum-Klassikern wie „Armageddon“ und Co. zu ziehen. Auch die Inszenierung von Weltraum-Szenen wirkt soweit (für TV-Verhältnisse) in Ordnung, auch wenn man einigen Darstellenden ansieht, dass sie gerade nur einen „leichten Gang“ vollziehen.

Insgesamt ist „Space Force“ durchaus originelles Fernsehen. Alleine die Tatsache, dass man aus einer der (vielen, vielen…) dummen Äußerungen des US-Präsidenten (sic!) Donald Trump einfach mal eine Serie macht, ist großartig! Ebenso grundsätzlich die Qualität der Inszenierung, so unpassend sie auch sein mag, sowie der Cast. Aber irgendwo hat man vergessen, dem Format eine konkrete Linie mitzugeben. Soll das nun spannend sein? Hm, nicht ganz. Soll es lustig sein? Eher selten. Ja, es gab einige bessere Folgen und Momente als die erste Episode, aber wirklich überzeugen konnte mich wenig. So bleibt „Space Force“ eine Serie, die für alle sein möchte und dadurch für niemanden wohl so richtig zünden dürfte. Schade.

2. Staffel von „Space Force“?

Noch wurde nicht offiziell bekannt gegeben, ob es eine zweite Staffel der Serie geben wird. Die Macher rund um Steve Carell haben bereits angegeben, weitere Ideen für die Handlung zu haben und weiter machen zu wollen, bei den eher durchwachsenen Kritiken zur Serie dürfte Netflix es sich jedoch zwei Mal überlegen, ob sie nochmals Geld in die sicher bei diesem Cast und der Aufmachung nicht gerade günstigen Produktion stecken wollen. Ich würde aktuell eher auf „Nein“ tippen. Und fände es nicht mal schlimm. Wie gerne würde ich den Cast aber einfach mal in einer angemessen geschriebenen Serie gemeinsam spielen sehen.

Bilder: Netflix

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