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Koreanisches Fantasy-Drama

Review: „Spiel des Todes“ (Serientipp bei Prime Video)

Mini-Spoiler
29. April 2024, 14:11 Uhr
Mini-Spoiler
Maik
29.04.24

Spiel-des-Todes-Serie-Review

Eher zufällig habe ich kürzlich eine Serie entdeckt, die ich euch unbedingt empfehlen möchte. „Spiel des Todes“ (Originaltitel „이재, 곧 죽습니다“ bzw. international unter „Death’s Game“ geführt) ist ein hochinteressantes Drama, das wahrlich mit dem Thema Tod spielt. Die südkoreanische Produktion hätte ich eher bei Netflix erwartet, aber tatsächlich kann man sie auf Amazon Prime Video anschauen (Partnerlink), ursprünglich lief die Serie beim TV-Sender TVING (Teil 1 wurde im Dezember 2023, Teil 2 im Januar 2024 veröffentlicht). Im Spoiler-armen Staffelreview möchte ich euch aufzeigen, weshalb ihr unbedingt in die gerade mal auf acht jeweils zwischen 40 und 65 Minuten laufenden Episoden beschränkte Serie schauen solltet. Denn „Spiel des Todes“ ist bereits jetzt eine der positiven Überraschungen des Jahres für mich.

Worum geht es in der Serie

Amazon selbst beschreibt das Exclusive als „Reinkarnationsdrama“, was wohl keine offizielle Emmy-Kategorie werden dürfte, es aber ganz gut trifft. Hauptfigur Choi Yi-jae ist vom Leben gegeißelt und sieht nur noch einen Ausweg: den eigenen Tod. Als Strafe für seinen begangenen Selbstmord verdonnert der Tod ihn dazu, zwölf weitere Tode durchleben zu müssen. Nach und nach findet sich Yi-jae in anderen Körpern wieder, muss sich in deren Leben zurechtfinden und versucht fortan, dem Tod von der Schüppe zu springen, damit es ihn nicht in die Hölle zieht.

Hier der offizielle Trailer im koreanischen Originalton mit englischen Untertiteln (die Serie ist mit deutscher Synchronisation auf Amazon Prime Video verfügbar):

„Spiel des Todes“ basiert auf dem 2019 veröffentlichten Webtoon „Death’s Game“ von Lee Won-sik und Ggulchan, der aktuell auf Webtoons.com mit einem außergewöhnlich hohen Rating von 9.74 bewertet ist. Jemand hat die erste Folge „vertont“ und als YouTube-Video hochgeladen, solltet ihr die Vorlage anschauen wollen.

Deshalb ist „Spiel des Todes“ so gut

Um es kurz zu machen: Das fantasievolle Setting ist reizvoll, die Inszenierung cool und hinter der wahnwitzigen Geschichte steckt verdammt viel Menschlichkeit und Substanz. „Spiel des Todes“ bietet weitaus mehr, als man zunächst glauben meint.

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Das Grundkonstrukt wirkt ein bisschen wie eine Mischung aus „Zurück in die Vergangenheit“ und „Final Destination“. Wie bei der Klassikerserie kommt viel Reiz und Charme durch die wiederholten Orientierungsphasen auf, in denen Yi-jae sich mit seinem neuen Körper und der Situation vertraut machen muss. Dabei erhält er (mal früher und mal später, was etwas willkürlich wirkt, aber auch Raum für Humor bietet) durch einen herbeischwebenden Kristall Erinnerungen und Talente der Körper eingepflanzt. Nur geht hier alles deutlich rabiater zur Sache, denn sein neuer Körper ist eigentlich dem Tod geweiht. Das wirkt dann so, als sei der Tod hinter ihm her. Er hat jedoch mehrere Körper und Versuche, was auch in der Serie selbst mit einem Videospiel gleichgesetzt wird. Mich hat das zwischenzeitlich sehr an den (äußerst kurzweiligen!) Film „Boss Level“ (Partnerlink) erinnert.

„Ich mag diesen Körper wirklich sehr. Er ist zwar vorbestraft, ist aber jung und kann gut kämpfen.“ (Choi Yi-jae)

Abwechslungsreich und cool

Der Wechsel zwischen den Leben bietet auch Abwechslung bis hin zu Genresprüngen in der Erzählung. Von Action-Spektakel über eher langsam erzählten Romanzen bis hin zu blutigen Splatter-Einlagen ist alles zu sehen (yep, die Serie ist nichts für Kinder!). Das Konzept bietet aber auch Raum für Überraschungen, schließlich kann die Hauptfigur ja jederzeit sterben. Gekonnt wird dabei auch mit Erwartungen des Publikums gespielt. Gutes Timing gibt es zum Beispiel zum Ende von Folge Eins zu sehen, bei dem ich lauthals loslachen musste.

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Irgendwann beginnt man zudem, mitzurätsel, was das große Ganze anbelangt. In wie fern hängen Dinge zusammen? In welchen Körper gerät unser Protagonist wohl als nächstes? Und gibt es gar Verbindungen zwischen den Körpern?

„Du denkst wohl, du hast mehrere Leben!?“

Visuell weiß „Spiel des Todes“ mit der kreativen Handlung mitzuhalten. Es gibt einige ausgefallene Kameraeinstellungen zu sehen, vor allem, wenn der Tod Yi-jae in den nächsten Körper „schießt“, wobei man es schafft, den sich wiederholenden Vorgang erfreulich abwechslungsreich zu inszenieren. Neben coolen Kamerafahrten oder smarten Wechsel zwischen dem „Leih-Körper“ und Yi-jaes echtem gibt es auch einige gelungene CGI-Einlagen zu bestaunen. Nicht alle stammen aus dem allerhöchsten Regal (zum Beispiel einige Autocraches), aber das ist schon nett anzuschauen, wie zum Beispiel der Tod in Teleportations-Manier die Position wechselt. Auch in Sachen Kampfszenen hat die Serie einige gut choreografierte Szenen zu bieten.

Die tiefere Bedeutung des Todes

„Spiel des Todes“ beweist über die Staffel hinweg, dass es mehr als nur ein Spiel ist. Der Tod ist ein schweres Thema mit Bedeutung, dessen sich die Serie bewusst ist. So überzogen die Darstellung und so vermeintlich leichtfertig der Umgang mit Leben und Toden auch sein mag, so hart setzt die Moral und Einordnung ein. Moralische Fragen werden nicht nur gestellt, sondern auch beantwortet. Zum Beispiel, wie egoistisch eigentlich Selbstmord ist. Dabei wird nicht nur mahnend der Finger gehoben, was die für einige Leute traurigerweise als letzten Ausweg geltende Option anbelangt, sondern auch aufgezeigt, dass es sich zu kämpfen und zu leben lohnt. Personen, die suizidale Gedanken haben, könnten durch „Spiel des Todes“ einen anderen Blick auf das Leben erhalten. An dieser Stelle sei aber allen Betroffenen empfohlen, sich zum Beispiel über die Telefonseelsorge Hilfe zu holen.

„Hast du vor, dich an mich zu rächen, oder sowas?!“ – „Nein, darum geht‘s mir nicht. Ich töte einfach gerne Menschen.“

Durch die einzelnen Leben, die Yi-jae nochmal durchläuft, werden auch diverse Einzelschicksale aufzeigt, die ein verstärktes Verständnis für andere transportieren. Wir alle haben mit diversen Unwägbarkeiten zu kämpfen, die von außen nicht direkt ersichtlich sind. Und letztlich wirft die Serie auch die Frage auf, wer in der echten Welt richten darf und wer zur Verantwortung gezogen wird.

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Dass diese Themen auch wirklich einen entsprechend glaubwürdigen Tiefgang erhalten, ist neben dem Drehbuch auch dem Cast zu verdanken. Mir gefällt, dass man den Tod als starke Frauenrolle kreiert hat, die die aus dem Oscar-prämierten Film „Parasite“ bekannte Park So-dam auch herrlich ruchlos verkörpert. Choi Yi-jae wird impulsiv aber doch viele Fassetten zeigend von Seo In-Guk gespielt. Allgemein sind die Schauspieler:innen auf hohem Niveau unterwegs, auch wenn an einzelnen Stellen für uns europäische Zuschauende vielleicht etwas überzeichnet wird, aber das ist die koreanisch-asiatische Medienkultur und im Kleinen keineswegs störend.

Am ehesten muss ich diesbezüglich allerdings kritisieren, dass die Serie ihre anfänglichen Stärken hinten raus etwas verliert. Das gute und bisweilen hohe Tempo, die Überraschungen, der Humor – vieles weicht in den letzten zwei Folgen einer enormen Emotionalität, die teilweise zu gefühlsduselig ist. Das beschert dann hinten raus einige Längen, die es meiner Meinung nach nicht benötigt. Und das, obwohl die beiden finalen Episoden ungewöhnlich kurz sind.

Das Ende ist letztlich in Ordnung, aber nicht so berauschend, wie ich es mir erhofft hatte. Und so haben sich dann bei mir auch ein paar Dinge angesammelt, die ich als ungünstig empfand und die ich lieber hinter einem Spoiler-Hinweis verstecken möchte. Wieso hatte Yi-jae keine Sicherheitskopie der Videoaufnahmen auf dem USB-Stick gemacht? Dass alle durchlaufenden Leben fortlaufend und ortsnah abliefen, ist noch etwas seltsam, aber ansonsten hätte das Konzept wohl nicht funktioniert, dieser kleiner Zeitreisen-Dreh mit dem Mann, der sich vor das Auto wirft, fühlte sich da aber nicht stimmig an. Und so schön und emotional der finale Moment der Serie auch ist, dass der Tod Yi-jae die Möglichkeit auf die Zusatzkugel gewährt, wirkt nicht nur charakterlich unstimmig, sondern selbst in der Szene selbst wankelmütig. Das hätte man vielleicht anders verpacken können. Zumal mich alleine schon überrascht hat, dass Yi-jae ihr Spiel in den Regeln besiegt haben soll, hat er doch lediglich den Körper seiner Mutter (auch ein sehr wirrer Körper-Wechsel…!) vor dem Tod beim Wandern bewahrt, danach hatte er dann wohl „leichtes Spiel“ zu überleben.

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Das hat mir richtig gut gefallen! „Spiel des Todes“ bietet eine überraschend gut durchdachte Geschichte, die viele gelungene Aspekte diverser Genres kombiniert und so ein außergewöhnliches Seherlebnis ermöglicht. Hinzu kommt, dass wir nicht nur coole Einstellungen und ein paar nette Gimmicks zu sehen bekommen, sondern eine gewichtige Aussage dahinter steckt, die dazu anstößt, Aspekte des Lebens zu überdenken. Der Cast ist gut, es gibt überdurchschnittliche Visuals zu sehen, das Drehbuch steckt voller Überraschungen und Abwechslung ist allgemein der größte Trumpf, den die Serie zu bieten hat.

„Spiel des Todes“ kann ich im Grunde genommen ausnahmslos allen Menschen empfehlen, solange sie mit einigen blutigen Szenen klarkommen (es wird in ein, zwei Szenen tatsächlich recht splatterig, aber das bleibt überschaubar und richtiger Horror wird es eigentlich nie – eher wie bei „Squid Game“, um einen Vergleich zu ziehen, was den Grad der Schwere anbelangt). Die Serie ist in vielerlei Hinsicht besonders und auch wenn mir persönlich am Ende ein bisschen zu sehr auf die Emotionen gedrückt wird, bekommt man einen abgerundeten Abschluss der Story geboten. So hat man eine kompakte Miniserie für sich, die rund sieben Stunden in Anspruch nimmt, die man sich nehmen sollte. Denn bislang ist „Spiel des Todes“ eine der Überraschungen des Jahres 2024 für mich.

Wird es eine 2. Staffel von „Spiel des Todes“ geben?

Aller Voraussicht nach wird es bei dieser Staffel der Serie bleiben. „Spiel des Todes“ wurde zwar nicht explizit als Miniserie propagiert, aber die Geschichte ist für sich genommen auserzählt und wohl auch entsprechend des Webtoons abgedeckt. Denkbar wäre allerhöchstens noch, dass wir in Analogie-Form eine weitere Staffel mit einer neuen Geschichte zu sehen bekommen, in der eine andere Person das Bestrafungsspiel des Todes durchläuft. Ob man jedoch nochmals derart überraschende und intensive Unterhaltung liefern kann, dürfte bezweifelt werden, weshalb ich persönlich nicht von einer Fortsetzung ausgehe.

Bilder: TVING / Amazon Prime Video

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