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Familiäres Küchendrama

Review: „The Bear: King of the Kitchen“ – Staffel 1

Mini-Spoiler
26. Oktober 2022, 15:29 Uhr
Mini-Spoiler
Maik
26.10.22

Ende Juni lief in den USA auf FX bzw. über Hulu die erste Staffel der neuen Serie „The Bear“, seit 5. Oktober kann man die Serie in Deutschland auch über Disney+ respektive STAR sehen. Wer Lust auf eine charakterstarke Küchenfamilie im rauhen Chicago hat, sollte unbedingt einmal reinschalten! In diesem Spoiler-armen Review möchte ich euch sagen, wieso.

Worum geht es in der Serie „The Bear“?

Zunächst mal: Ich habe keine Ahnung, weshalb die Serie im Deutschen noch den unnötigen Beititel „King of the Kitchen“ erhalten musste. Vermutlich sind wir Doofies sonst zu plump gestrickt, um mitzubekommen, dass es sich nicht etwa um eine Dokumentation über Braunbären sondern ein Küchen-Drama handelt. Wobei, ein Bär kommt schon vor in der Serie… Aber der Reihe nach!

Carmen „Carmy“ Berzatto ist Spitzenkoch, soll nach dem Tod seines Bruders aber dessen Sandwich-Laden übernehmen, die so weit von einem Michelinstern entfernt ist, wie die Serie von langweiligen Kochshows. Denn ja, es gibt gehörig Kulinarik für die Augen, aber in „The Bear“ geht es eigentlich um das, was hinter den Töpfen und Tellern passiert. Um die Menschen. Das Familien-Geschäft ist chaotisch und dreckig, versucht sich irgendwie über Wasser zu halten, und wir begleiten Carmy beim Versuch, das Beste draus zu machen.

„The Bear“ wird teilweise als Comedy angepriesen, ist aber meiner Meinung nach im Dramedy-Spektrum doch recht deutlich am Drama-Ende anzusiedeln, auch wenn es einige urkomische Momente zu sehen gibt.

Christopher Storer, der unter anderem an der Hulu-Serie „Ramy“ beteiligt war, hat „The Bear“ geschaffen sowie fünf der acht Episoden als Regisseur in Szene gesetzt (die weiteren hat Joanna Calo kreativ geleitet). Dass die Serie nicht selten an „Atlanta“ erinnert, könnte auch daran liegen, dass Hiro Murai als einer von mehreren Executive Producers die Serie begleitet hat.

Chaotische Familie

Der Einstieg ist sowohl für Carmy als auch für den Zuschauer nicht wirklich leicht. Vermutlich soll die ablehnende Haltung der anderen Küchenkräfte sowie die Hektik und Aggressivität transferieren, mit welchen Herausforderungen sich Carmy konfrontiert sieht, muss er sich doch als ach so feiner Gourmetkoch erstmal den Respekt der eingeschworenen Imbiss-Truppe erarbeiten und eingerostete Strukturen brechen. Leider macht das die ersten Folgen nicht allzu viel Spaß beim Zuschauen. Man merkt, da steckt Charakter drin, aber so richtig warm wurde ich mit der Serie eigentlich erst ab Folge Drei.

„I thought, you killed yourself?!“ – „No, that‘s my brother.“ (Rentner & Carmy)

Wir bekommen ein dreckiges Chicago skizziert, aber kaum etwas von der Stadt zu sehen, bis auf vereinzelte Zwischenaufnehmen, die aber auch austauschbares Stock Footage sein könnte. Eigentlich spielt fast alles im Restaurant, größtenteils im Küchenbereich. Das ist aber genauso okay, wie, dass eigentlich gar keine spektakuläre Handlung vorliegt. Vielmehr lernen wir über die acht Folgen hinweg die fast durchgängig interessanten Figuren mit all ihren Träumen, Fehlern und Emotionen kennen. Denn irgendwie kochen ihr eigenes Süppchen und doch sind sie eine Familie.

Ausgewählte Zutaten

In Familien wie in Küchen wird es immer mal wieder laut. Emotionen kochen im Stress über und alles muss irgendwie geschafft werden, jede:r steht für die anderen ein und am Ende sitzt man zufrieden zu Spaghetti zusammen und freut sich, einen Tag durchgestanden zu haben. Die Hektik einer Küche im Vollbetrieb wird in „The Bear“ gekonnt inszeniert. Aber wie gesagt, es geht kaum um Speisen, sondern um die Menschen.

Die Charaktere bestechen durch Kanten und Tiefe, was durch ein größtenteils authentisches Schauspiel ermöglicht wird. Allen voran ist Hauptdarsteller Jeremy Allen White („Shameless“) hier hervorzuheben, aber auch Ayo Edebiri als Sydney möchte ich hier unbedingt erwähnt haben. Und dann tauchen da noch Leute wie Joel McHale („Community“) oder Jon Bernthal („Marvel’s The Punisher“) auf!

Authentisch und doch wandelbar zeigt sich auch die visuelle Inszenierung in der Serie. Sei es ein extrem langer One Shot mitten im hektischen Küchengeschehen in Folge Sieben, ein emotionaler Monolog kurz darauf, eine TV-Koch-Szene, in der spätestens klar wird, dass Carmy aussieht wie ein junger, cooler Jamie Oliver, oder auch kleine Dinge, wie der geschaffene erzählerische Rahmen mit der Fleischlieferung. Da steckt schon ziemlich viel Liebe in der Gestaltung, so dass einem nach Zugabe etlicher unterschiedlicher Zutaten ein geschmackvolles Ergebnis aufgetischt wird.

Gar nicht so simples Soulfood

Obwohl Szenerie und Handlung auf dem Papier relativ banal erscheinen, ist „The Bear“ alles andere als leichte Kost. Eigentlich streiten da nur Leute, schreien sich an, machen Fehler oder einzelne Sachen gut, am Ende steht da aber viel mehr hinter als nur die Zubereitung von Speisen. Es geht um Angstzustände, Stress, Depression und all die psychischen Probleme der heutigen Zeit, die wir alle auf unsere eigene Art und Weise kennen und bewältigen wollen.

„The Bear“ lässt einen nicht nur am emotionalen Chaos einzelner Personen teilhaben, sondern auch darüber nachdenken, was einem selbst im Leben wichtig ist. Dass eine Dramedy mit acht je etwa halbstündigen Folgen sowas in einer solchen Ehrlichkeit und dreckigen Eleganz schafft, ist außergewöhnlich.

„Keep up the good work, you‘re killing it!“ (Auftraggeber Hot Dogs)

„The Bear“ liefert eine charakterstarke Geschichte über die Liebe zum Essen aber vor allem zur Familie. Ein authentischer Blick auf ein dreckig-chaotisches Restaurant in Chicago, in dem Menschen sich stetig mit „Chef!“ anreden, aber vergessen haben, wie man wirklich kommuniziert (jedes dritte Wort im Chicago-Vokabular scheint „Fuck!“ zu sein…). Der Einstieg in die Staffel ist nicht so leicht, wer dranbleibt, wird aber mit einer ganz besonders gefärbten Erzählung belohnt, die Gedanken anregt und emotionaler ist, als man zunächst meint. „The Bear“ ist wie der dreckige Burger von der Bude an der Ecke: Schaut nicht gut aus, ist hektisch zusammengelegt und etwas zu stark gewürzt, schmeckt aber auf seine eigene Art und Weise wunderbar.

2. Staffel von „The Bear“?

Bereits im Juli diesen Jahres wurde die Serie offiziell um eine weitere Staffel verlängert, so dass wir uns voraussichtlich bereits nächstes Jahr über neue Folgen freuen können werden.

Bilder: FX / Hulu / Disney+

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